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Dax-Ausblick Handelsstreit belastet die Börse – es droht der Ausverkauf

Für den Dax steht eine entscheidende Woche an. Wenn der Index unter die Marke von 11.800 Zählern fällt, könnte es weiter abwärts gehen.

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Emotionale Verkaufsreaktionen könnten den Dax noch weiter unter Druck setzen. Quelle: Reuters

Frankfurt Es war schon wieder eine Aktienwoche zum Vergessen. Gerade erst hatten sich die Börsen ein wenig von den amerikanischen Inflations- und Zinsängsten erholt – und wurden rasch wieder von neuen Sorgen überrollt. Die Angst vor einem Handelskrieg zwischen den USA und China hat den Dax in der vergangenen Woche gut vier Prozent einbrechen lassen. Am Freitag fiel Deutschlands Leitindex im Tagestief auf bis zu 11.826 Punkte und damit den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr. Auch an der Wall Street und an Asiens Börsen ging es deutlich bergab.

Entscheidend ist für Bernd Hardtmann beim Dax jetzt, ob die Marke von 11.800 Punkten hält. Wenn nicht, erwartet der Leiter Investement Research bei der VP Bank in Liechtenstein einen „sogenannten wash-out, also eine emotionale Verkaufsreaktion. An den Märkten würde sich Panik ausbreiten und Verkäufe immer neue Verkäufe nach sich ziehen. Das könnte den Dax sogar unter 11.000 Punkten fallen lassen, meint Hardtmann. Auch Christian Schmid, der bei der Helaba die Märkte aus charttechnischer Sicht beobachtet, ist skeptisch. Anleger sollten sich zurückhalten, gemäß der Börsenregel: „Greife nie in ein fallendes Messer.“ Dabei hält er zunächst einen Rückschlag in den Bereich von 11.480 Punkten beim Dax für möglich. Schon das würde einen Verlust von weiteren drei Prozent bedeuten.

Dabei sind die bisherigen Verluste an der Börse nach Einschätzung von Uwe Streich, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) vor allem „psychologisch bedingt“. Faktisch entscheidend sei, ob die Gewinnerwartungen für die Unternehmen sinken. Noch sei dies nicht der Fall, doch Streich befürchtet, dass sich die hohen Gewinnprognosen nicht halten lassen. Das würde für weitere Rückschläge an der Börse sprechen.

Die Gefahr, dass der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China die Weltkonjunktur und damit auch die Gewinne der Unternehmen belastet, sehen auch Ökonomen. „Protektionismus kann den Aufschwung beenden“, warnt Michael Heise, Chefvolkswirt bei der Allianz. Dabei sieht er die größte Gefahr nicht in den von US-Präsident Donald Trump angekündigten Importzöllen von 60 Milliarden Dollar für Waren aus China. „Der gefährlichere Effekt liegt in weiteren Gegenmaßnahmen Chinas und der synchronen Konjunkturverlangsamung über negative Erwartungen.“

Noch hält sich die chinesische Regierung moderat und kündigte lediglich an, Zölle auf US-Produkte im Wert von drei Milliarden Dollar zu erheben. Das Handelsministerium in China betonte aber auch, dass China „keine Angst vor einem Handelskrieg“ habe. Dass Trump von den zunächst angekündigten Strafzöllen gegen die EU auf Stahl- und Aluminium ablässt, ist zwar eine gute Nachricht. Aber die Ausnahme gilt zunächst nur bis zum Mai, bis dahin muss verhandelt werden.

Achten werden Investoren angesichts dieser Gemengelage in der kommenden Woche auch verstärkt auf Konjunkturdaten, nachdem der Handelsstreit zuletzt bereits den ZEW-Index, den Ifo-Index und die Einkaufsmanagerindizes in der Euro-Zone gedrückt hatte. Einblick über die Stimmung der Unternehmen in den USA gibt am Donnerstag der Einkaufsmanagerindex für den Großraum Chicago. Daneben stehen in der nächsten Woche aber vor allem Daten zur Stimmung der Verbraucher im Fokus.

Am Montag veröffentlicht das US-Forschungsinstitut Conference Board einen entsprechenden Indikator zur Verbraucherstimmung in den USA, am Donnerstag folgt der nationale Konsumklimaindex der Universität Michigan. Wichtig sind auch die Daten zu den US-Konsumausgaben, die ebenfalls am Donnerstag anstehen. Käufe der Verbraucher gelten als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Wie es um die Kauflaune der deutschen Verbraucher bestimmt ist, zeigt am Mittwoch der GfK-Index. Achten werden Anleger zudem am Donnerstag auf die deutsche Inflationsrate. Hier rechnen Ökonomen mit einem Anstieg auf 1,9 Prozent. Damit läge die Teuerungsrate auf dem Niveau von knapp unter zwei Prozent, das die Europäische Zentralbank anstrebt.

Volkswirte bewerten diesen voraussichtlichen Anstieg aber nicht über. Wegen des frühen Osterfestes dürften im März die Preise für Pauschalreisen und andere saisonabhängige Dienstleistungen früher angehoben als im vergangenen Jahr, heißt es bei der Dekabank. Deshalb dürfte die Teuerungsrate im April wohl bereits wieder fallen. Für zumindest höhere Unsicherheit könnten die Daten aber trotzdem sorgen. Und damit auch für fallende Börsen in der Karwoche.

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