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Dax-Ausblick Stresstest an der Börse

Die nächste Börsenwoche dürfte ziemlich hektisch werden. Es steht eine Flut von Konjunkturdaten und Firmenzahlen an – negative Überraschungen nicht ausgeschlossen. Vor allem der starke Euro macht Investoren Sorgen.

Für Börsianer steht eine Woche voller spannender Termine an. Quelle: dpa

DüsseldorfAn Fundamentaldaten und Unternehmensnachrichten mangelt es in der kommenden Woche definitiv nicht: Eine Flut von Konjunkturdaten und Firmenbilanzen wird Anleger auf Trab halten. „Mit der aktuellen Berichtssaison zum vierten Quartal 2017 steht nun ein Test an, ob die hohen Erwartungen auch erfüllt werden können“, sagt Michael Bissinger, Analyst bei der DZ Bank. „Die bisher veröffentlichten Unternehmensberichte haben den Markt überzeugt.“

Die Aktienmärkte sind insgesamt sehr stark ins neue Jahr gestartet. Rund um den Globus konnten die Indizes neue Allzeithochs markieren. Und auch bei den Unternehmen läuft es rund. Der US-Markt blicke sehr optimistisch in die Zukunft und erwarte für 2018 ein Gewinnwachstum von 16 Prozent bei den Unternehmen im S&P 500, „was ausgewöhnlich hoch ist“, wie Bissinger sagt. Die fundamentalen Aussichten für Aktieninvestoren seien somit außergewöhnlich gut. „Gegenwind könnte hingegen von der inzwischen hohen Bewertung kommen.“

Das ist allerdings nicht der einzige potenzielle Störfaktor in der kommenden Woche. „Zwar könnten starke Bilanzzahlen in den nächsten Wochen für positive Impulse sorgen“, weiß Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Sollte der Euro weiterhin steigen, wäre der Traum von 14.000 Punkten aber zunächst einmal ausgeträumt.“ Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich in den vergangenen Tagen um etwa zwei Prozent und kletterte zeitweise auf ein Drei-Jahres-Hoch von 1,2536 Dollar – der größte Wochengewinn seit mehr als einem halben Jahr.

Ein starker Euro belastet die heimische Wirtschaft, schließlich schmälert er die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen auf dem Weltmarkt. Diese Sorgen waren auch der Grund dafür, dass der Dax sein Rekordhoch von 13.596 Punkten nicht halten konnte und in der vergangenen Woche etwa ein Prozent einbüßte. Allzu große Hoffnungen auf neue Dax-Rekorde sollten sich Investoren nicht machen, meint Cutkovic.

Starker Euro hin oder her: Bislang läuft die Konjunktur in Europa. „Ob wir in Europa wieder einmal nur eine kleine Delle sehen oder doch eine größere Korrektur oder gar das Ende des Bullenmarktes, ist im Moment noch nicht abzusehen“, sagt Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Im Börsenjargon werden die Optimisten als Bullen bezeichnet.

Vom starken Euro profitiert hat hingegen der Goldpreis. Er stieg in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit August 2016. Analysten begründen das mit dem schwächelnden US-Dollar, der Gold für viele Investoren rechnerisch günstiger macht. Der Preis für eine Feinunze Gold kletterte auf zeitweise mehr als 1365 US-Dollar. „Dass der Preisanstieg von Gold fast ausschließlich auf den schwachen US-Dollar zurückzuführen ist, zeigt auch die Reaktion von Gold in Euro gerechnet“, kommentierten die Rohstoff-Experten der Commerzbank. In Euro gerechnet kostet die Feinunze knapp 1100 Euro.

Wie stark sich der Höhenflug der europäischen Gemeinschaftswährung bereits auf die Bilanzen der deutschen Konzerne auswirkt, erfahren Anleger in den kommenden Tagen. Den Zahlenreigen eröffnet am Montag das Software-Unternehmen SAP. Am Mittwoch öffnen Siemens und Infineon ihre Bücher, am Donnerstag folgt Daimler. Die Deutsche Bank berichtet am Freitag.

Börsianer sind verhalten optimistisch, dass die Zahlen insgesamt passabel ausfallen. „Nach dem guten Start der US-Quartalszahlensaison sollten auch der Zahlenreigen und die Ausblicke europäischer Firmen die Aktienmärkte weiterhin unterstützen“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. „In diesem Umfeld bleibt der Dax vorerst auf Rekordjagd.“

Außerdem stehen diesseits des Atlantiks am Dienstag die deutschen Inflationsdaten und am Mittwoch die europäischen auf dem Terminplan. Experten erwarten, dass die für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wichtige Kernrate ohne Berücksichtigung der stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise bei einem Prozent und damit weiterhin deutlich unter dem Notenbank-Ziel von knapp zwei Prozent liegen wird. „Aufgrund der noch immer moderaten Markterwartung hinsichtlich steigender Zins- und Inflationstrends bleiben hier überraschend starke Anstiege aus unserer Sicht der größte Risikofaktor für die Finanzmärkte im Jahr 2018“, sagt Greil. Neben den Inflationszahlen werden am Dienstag das Wirtschaftsvertrauen in der Euro-Zone, am Mittwoch der Dezember-Arbeitsmarktbericht, die deutschen Einzelhandelsumsätze (Dezember) und ebenfalls der Arbeitsmarktbericht (für Januar) veröffentlicht.

In den USA stehen mit den US-Beschäftigtenzahlen am Freitag die wichtigsten Konjunkturdaten an. Einen Vorgeschmack darauf liefern die Daten der privaten US-Arbeitsagentur ADP zwei Tage vorher. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit dem Aufbau von 175.000 Stellen. Bei den Löhnen erwarteten sie keine größeren Steigerungen. Mit Spannung warten Börsianer zudem auf die Statistik zu den Ausgaben der US-Verbraucher am Montag. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Hier sagen Experten eine Verlangsamung des Wachstums auf 0,4 von zuvor 0,6 Prozent voraus.

Ferner berät die US-Notenbank Fed über ihre Geldpolitik – zum letzten Mal unter Führung der aktuellen Chefin Janet Yellen. „Eine Änderung der Leitzinsen ist nicht zu erwarten“, betont Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. „Jerome Powell, der designierte Nachfolger Yellens, wird zunächst auf dem von Yellen vorgezeichneten Weg weitergehen.“ Weidensteiner rechnet daher – wie von der Fed signalisiert – mit drei US-Zinserhöhungen im laufenden Jahr. Auch die Experten der LBBW erwarten keine Überraschungen zu Yellens Abschied. Die Fed dürfte weiter Kurs auf Zinsanhebung im März halten.

Auch einige ausländische Großkonzerne legen noch Zahlen vor, darunter die Tech-Giganten von der Wall Street. Microsoft und Facebook öffnen am Mittwoch ihre Bücher. Apple und die Google-Mutter Alphabet legen am Donnerstag Zahlen. In Europa berichten Hennes & Mauritz (H&M) am Mittwoch und Royal Dutch Shell am Donnerstag. Fakt ist: Über Langeweile können sich Börsianer nicht beklagen.

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