Dax deutlich im Plus Märkte hoffen auf Einigung im Griechenland-Streit

Dank der neuen Reformvorschläge der griechischen Regierung wittern die Märkte eine Einigung im Schuldenstreit mit Athen, der Dax legte deutlich zu. Die Erwartungen an eine tatsächliche Lösung sind allerdings gering.

Hoffnung auf Einigung im Hellas-Streit lässt Kurse deutlich steigen. Quelle: REUTERS

Hellas hat die Märkte einmal mehr im Griff. Vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Staaten am Montagabend sind Börsianer offenbar optimistisch, dass es in Sachen Griechenland noch zu einer Einigung kommt. Der Dax lag am Montagvormittag um mehr als drei Prozent im Plus, andere Indizes wie der Euro-Stoxx 50 legten ebenfalls kräftig zu.

Grund für die Euphorie sind neue Reformvorschläge, die die griechische Regierung kurz vor dem Krisengipfel präsentiert hat, sie werden von den Anlegern als gute Basis für die Verhandlungen gewertet. Laut dem neuen Plan von Regierungschef Alexis Tsipras sollen innerhalb der nächsten anderthalb Jahre insgesamt fünf Milliarden Euro eingespart werden. Zentrales Element der Reformvorschläge sind unter anderem höhere Mehrwertsteuersätze. Beispielsweise sollen Hotelgäste für eine Übernachtung künftig 13 statt 6,5 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Auch in Restaurants oder Cafés soll der Beitrag auf 23 Prozent erhöht werden, ebenso bei Grundnahrungsmitteln wie Nudeln.

Die Folgen eines „Grexits“
Das Nationalgetränk der Griechen droht für einen normalen Arbeiter zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden: Ein Frappé, also eine Nescafé mit Milch, Eiswürfeln und einem Strohhalm kostete kurz vor der Einführung des Euro etwa 100 Drachmen. Das entsprach damals rund 30 Euro-Cent. Als die Griechenland-Krise ausbrach, vor etwa sieben Jahren, kostete ein Frappé bereits zwischen 2,50 und drei Euro. Quelle: dpa
Noch im Laufe des Aprils muss Griechenland zwei Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Im Mai werden weitere 2,8 Milliarden Euro fällig, von Juni bis August muss Athen noch einmal mehr als zwölf Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar. Quelle: dpa
Die sozialen Probleme sind groß, die Renten wurden gekürzt, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Regierung Tsipras plant deshalb Steuererleichterungen und die Wiedereinstellung von Beamten. Allein diese Maßnahmen werden im laufenden Jahr nach Berechnungen der griechischen Regierung mindestens zwölf Milliarden Euro zusätzlich kosten. Quelle: dpa
Schon seit Wochen ist von einem „Grexit“ die Rede, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, vielleicht sogar verbunden mit einem drastischen Schuldenschnitt. Hinter der öffentlichen Spekulation könnte Absicht stecken. Quelle: ap
Würde eine neu eingeführte Drachme gegenüber dem Euro abwerten, könnte sich die griechische Regierung nach und nach leichter entschulden. Ein Austritt der Griechen aus dem Euro böte auch noch andere Vorteile: So würde die griechische Export-Wirtschaft von einer Abwertung der Landeswährung profitieren. Quelle: dpa
Besonders teuer würde ein „Grexit“ für Menschen mit geringem Einkommen und den Mittelstand mit Sparguthaben auf  griechischen Bankkonten, während das Geld reicher Griechen im Ausland unangetastet bliebe. Quelle: dpa
Die Gläubiger werden so oder so auf Reformen beharren. Für Tsipras kommt es deshalb eigentlich nur darauf an, seinen eigenen Wählern gegenüber eine möglichst gute Figur in den Verhandlungen abzugeben. Das gilt allerdings auch für seine europäischen Partner auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass eine Lösung der griechischen Haushaltsprobleme möglichst wenige Kollateralschaden verursacht. Quelle: dpa
Die Institutionen, die in den vergangenen Jahren Griechenland immer wieder mit neuen Krediten ausgeholfen haben, haben sich schließlich dafür selbst verschuldet. Ein Beispiel dafür ist der europäische Rettungsschirm EFSF, dem der griechische Staat 131 Milliarden Euro schuldet. Um das Geld aufzutreiben, hat der EFSF Anleihen an Fonds, Banken und Versicherungen verkauft. Diese Anleihen sind mit staatlicher Garantie versehen. Die Euro-Staaten müssten dafür geradestehen, wenn Griechenland seine Schulden nicht mehr tilgt. Deutschland etwa müsste mit 39 Milliarden Euro einspringen, Frankreich mit 29 Milliarden Euro. Quelle: Handelsblatt Online
Dasselbe Prinzip gilt für die 104 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen, die die Europäische Zentralbank in ihrer Bilanz hält. Sollte es zu einem „Grexit“ kommen und die EZB die Anleihen Griechenlands im Portfolio abschreiben müssen, dann müssten die Staaten der Eurozone nach dem vereinbarten Kapitalschlüssel das Eigenkapital der EZB aufstocken. Deutschland wäre über die Bundesbank mit rund 29 Milliarden Euro dabei. Quelle: dpa
Ein kritischer Posten sind auch die etwa 50 Milliarden Euro, mit denen Griechenland bei seinen eigenen Banken verschuldet hat. Die Institute wären bei einem offiziellen Staatsbankrott sofort pleite. Sparer müssten um ihre Einlagen fürchten. Quelle: REUTERS

Zudem hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Nothilfen für griechische Banken (ELA) erneut ausgeweitet. Schon in der vergangenen Woche wurden die Hilfen zweimal auf mehr als 80 Milliarden Euro erhöht. Die Notkredite sorgen dafür, dass die griechischen Banken liquide bleiben. Durch den Schuldenstreit können sich die Geldinstitute nicht über die Kapitalmärkte refinanzieren, zudem räumen viele Griechen aus Angst vor dem Grexit ihre Konten leer, den Banken gehen die Einlagen aus.

Nachhaltige Euphorie?

Für die Märkte wäre eine Einigung im Hellas-Streit wichtig, die Unsicherheit über den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone sorgte zuletzt für viele Schwankungen an den Märkten. Fraglich ist aber, wie lange die Euphorie anhalten wird. Kurzfristig gab der Dax bereits nach, als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verlauten ließ, man habe bisher "keine substanziellen Vorschläge" aus Athen bekommen.

"Den großen Wurf, den sich Vertreter der Euro-Gruppe und der Kapitalmärkte wünschen, wird es nicht geben", kommentieren Analysten der Essener Nationalbank den bevorstehenden Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs. Vor allem werde es kaum möglich sein, die griechischen Vorschläge so kurzfristig auf ihre Tragfähigkeit und Wirkung hin zu untersuchen, so die Experten. "Vermutlich gibt es einen typischen Euroland-Kompromiss: Durchwursteln".

Viele Beobachter rechnen mit einer Einigung in letzter Minute, ähnlich wie bei vorhergehenden Krisentreffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland die Euro-Zone verlasse, bleibe gering, schreibt beispielsweise die US-Bank JP Morgan in einem Kommentar. Zuletzt hatten Umfragen gezeigt, dass auch die Griechen lieber in der Euro-Zone bleiben wollen und mit der Politik ihrer Regierung nicht einverstanden sind.

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Auch zahlreiche andere Banken sehen den Grexit nicht als das wahrscheinlichste Szenario. Zudem zeigen Umfragen unter Investoren immer wieder, dass ein möglicher Grexit längst nicht der einzige Faktor ist, der Börsianer derzeit umtreibt. Mehr Unsicherheit gehen von der bevorstehenden Zinswende in den USA oder der Blasenbildung an Chinas Börse aus. Analysten betonen zudem, der Grexit könnte zu deutlichen Kursverlusten führen, mittelfristig sei aber nicht mit einer Belastung für die Börse zu rechnen.

Vieles deutet also darauf hin, dass Börsianer derzeit vor allem die Aussicht auf eine Einigung begrüßen, damit endlich wieder Klarheit herrscht. Wie diese Einigung aussehen könnte, ist zweitrangig.

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