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Dax rutscht unter 12.000 Punkte Wirecard-Aktien brechen um 12 Prozent ein

Dax unter 12.000-Marke: Wirecard-Aktien brechen ein Quelle: dpa

Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich belastet: Vor allem die Papiere von Wirecard verlieren heftig. Anleger fürchten vor allem steigende US-Zinsen und Italiens Probleme mit seinem Staatshaushalt.

Steigende Zinsen am US-Anleihemarkt und die Ungewissheit um den Staatshaushalt Italiens haben am Montag den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax verlor 1,4 Prozent auf 11.947 Punkte und schloss damit so niedrig wie zuletzt im März. Vor allem deutsche Technologiewerte sind bei den Anlegern in Ungnade gefallen. „Die Investoren sind einfach verunsichert und machen lieber Kasse“, sagte ein Händler. Weit abgeschlagen am Ende des Dax fanden sich die Aktien von Wirecard wieder. Die Papiere des Index-Neulings beschleunigten am Nachmittag ihre Talfahrt und stürzten um zwölf Prozent ab, lagen damit aber immer noch knapp 80 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Ebenfalls zu den Schlusslichtern im Dax zählten Infineon. Die Papiere des Chipherstellers fielen um 2,6 Prozent.

„Der Dax gerät in unruhiges Fahrwasser“, warnte Helaba-Analyst Christian Schmidt. Vor allem die steigenden Renditen am Rentenmarkt signalisierten eine wachsende Risikoaversion der Anleger. Stephen Innes vom Handelshaus Oanda sprach in diesem Zusammenhang von einer „giftigen Kombination“ für die Aktienmärkte. Viele Anleger nähmen Reißaus. Im Dax zählte die Deutsche Bank mit Kursverlusten von 1,6 Prozent zu den Schlusslichtern.

Wegen ihrer vorangegangenen überdurchschnittlichen Kurssteigerungen seien Technologiewerte insgesamt besonders anfällig für Gewinnmitnahmen, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader. „Ein Ausverkauf dieser könnte eine stärkere Korrektur am Gesamtmarkt auslösen.“ Im deutschen Handel gerieten auch Aktien von Internetkonzernen wie Delivery Hero und Zalando unter Druck und verloren 5,8 beziehungsweise 3,3 Prozent. Die Aktien von Internetfirmen wie Delivery Hero und Zalando im MDax büßten knapp zehn beziehungsweise fünf Prozent ein. Im SDax kamen die Titel der österreichischen IT-Firma S&T unter die Räder und brachen um über elf Prozent ein. „Alles, was mit dem Netz zu tun hat, fliegt heute raus“, sagte ein Händler. So zählten im SDax auch die Papiere der Shop Apotheke mit einem Abschlag von bis zu 9,7 Prozent zu den Verlierern.

Am US-Anleihenmarkt war die Rendite zehnjähriger Staatspapiere zuletzt auf den höchsten Stand seit sieben Jahren gestiegen. Bei steigenden Renditen am Anleihemarkt können Aktien als risikoreicheres Investment an Attraktivität verlieren. Zudem können höhere Refinanzierungskosten auf Unternehmen zukommen. Ähnlich schwach zeigten sich die Leitbörsen in Paris und London. In den USA sank der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss um 0,6 Prozent. Die technologielastige Nasdaq-Börse zeigte sich mit 1,2 Prozent im Minus.
Schlechte Nachrichten gab es zudem von der deutschen Konjunktur: Die Industrieproduktion sank im August den dritten Monat in Folge.
Der Finanzsektor blieb insgesamt unter Druck, was Händler vor allem auch auf Unsicherheit bei Italien zurückführten, deren Anleihen viele im Depot haben. Der EuroStoxx50 verlor rund ein Prozent. Im EuroStoxx50 zählte die italienische Intesa SanPaolo mit Kursverlusten von 1,6 und rund drei Prozent zu den Schlusslichtern.

Für Unsicherheit sorgte auch die Entscheidung der chinesischen Notenbank, den heimischen Banken mit der Absenkung der Kapitalanforderungen unter die Arme zu greifen. Die Volksrepublik bereite sich weiter auf eine Eskalation des Handelskriegs vor, erklärte NordLB-Analyst Stefan Große. „Trotz des Abkommens zwischen den USA und Kanada respektive Mexiko scheint Peking eher skeptisch zu sein, ob Washington nun tatsächlich kompromissbereit ist. Zu oft wurde China freilich auch schon die Tür vor der Nase zugeschlagen.“

Für Unbehagen sorgte auch ein verbaler Schlagabtausch zwischen US-Außenminister Mike Pompeo und seinem chinesischen Kollegen Wang Yi. Letzterer warf den USA zum Auftakt des China-Besuchs Pompeos unter anderem vor, unberechtigte Kritik an der chinesischen Innen- und Außenpolitik zu üben. Pompeo sprach von „grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten“.

Besonders lange Gesichter gab es angesichts des andauernden Streits mit der EU über die italienische Haushaltsplanung an der Mailänder Börse, wo der Leitindex um mehr als zwei Prozent absackte. Der Ausverkauf bei den Anleihen schob die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch von 3,626 Prozent. Im internationalen Rentenhandel war es am Montag wegen eines Teil-Feiertags in den USA dagegen ruhiger. Wegen des Columbus Day blieb der Rentenmarkt am Montag geschlossen. Am Freitag hatte die Rendite zehnjähriger US-Bonds ein Siebeneinhalb-Jahres-Hoch von 3,248 Prozent markiert.

Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax fiel um 1,6 Prozent auf 24.868,92 Punkte zurück auf den niedrigsten Stand seit Februar. Die im MDax gelisteten Papiere der Commerzbank fielen um 4,6 Prozent.

Die RWE-Papiere weiteten mit minus 3 Prozent ihre herben Verluste vom Freitag aus. Der gerichtlich angeordnete Rodungsstopp im Hambacher Forst lastete erneut auf dem Aktienkurs, etliche Analysten senkten die Kursziele.

Immobilienwerte hielten sich dagegen gut und schlossen überwiegend mit Kursgewinnen. Sie profitierten als defensive Aktien von schwachen Gesamtmarkt und einer positiven Branchenstudie der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,38 Prozent am Freitag auf 0,36 Prozent. Der Rentenindex Rex legte um 0,09 Prozent auf 140,07 Punkte zu. Der Bund-Future stieg um 0,37 Prozent auf 158,15 Punkte.

Der Euro fiel wieder unter 1,15 US-Dollar und notierte zuletzt mit 1,1475. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1506 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8691 Euro gekostet.

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