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Dax-Umfrage Anleger sind auf einen Kursrutsch gut vorbereitet

Der Dax könnte in der nächsten Zeit wieder auf die Marke von 11.800 Punkte fallen. Das wäre dann eine Kaufgelegenheit für Anleger.

Ein kleiner Plastikbulle im Handelssaal der Börse: Weniger Anleger glauben an steigende Kurse in drei Monaten, die Zahl der bullish gestimmten Investoren sinkt also. Quelle: dpa

DüsseldorfDie Zahl der Risikofaktoren für die Börsen steigt: Nach einem drohenden Handelskrieg zwischen USA und China rückte am Wochenende der Syrien-Konflikt in den Vordergrund. Die USA, Großbritannien und Frankreich haben mutmaßliche Giftgasanlagen und -depots in Syrien bombardiert.

Doch die Börsen reagieren zunächst anders als viele erwartet haben. Der Dax steigt am heutigen Montag und ist auch in den vergangenen zwölf Tagen um mehr als 600 Punkte geklettert.

„Bereits im Verlauf der vergangenen Woche hat das Trommelfeuer von US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit gegen China nachgelassen“, erklärt Börsenexperte Stephan Heibel. Dies wurde von Anlegern, die bereits am Freitag bei der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment abgestimmt haben, als relative Beruhigung wahrgenommen, zeigt das aktuelle Ergebnis. „Oder sollte ich statt Beruhigung lieber von Gewöhnung sprechen?“, fragt der Inhaber des Analysehauses Animusx. Denn die Probleme seien nicht gelöst, sondern an ihnen werde lediglich gearbeitet.

Vor allem aufgrund der Eskalation in Syrien rückt für den Sentiment-Experten die Marke von 11.800 Punkte im Dax erneut ins Blickfeld, die in den vergangenen zwei Monaten immer wieder als Unterstützung diente.

Doch aus Sentiment-Sicht ist die Gefahr, dass der Dax unter 11.800 Punkte fällt, erheblich kleiner geworden, da Anleger bereits in den vergangenen zwei Monaten Risikopositionen reduziert und Absicherungen erhöht haben. Zudem haben in den vergangenen Monaten viele Anleger ihre Positionen verkauft.

„Ein eventueller panischer Ausverkauf in den kommenden Tagen ist daher in meinen Augen eine Kaufgelegenheit für Anleger, die mit Blick auf die nächsten Monate ihr Portfolio um einige gute Dividendenaktien ergänzen möchten, die möglichst wenig von geopolitischen Themen abhängen“, rät der Experte.

Seiner Einschätzung nach werden Solar-, Automobil- und Autozulieferer- sowie Stahl- und Aluminiumunternehmen noch einige Wochen unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China zu leiden haben, bevor dann hoffentlich eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung gefunden wird. Es sei noch zu früh, sich jetzt schon in diesen Unternehmen zu positionieren.

Besser seien für die Zeit bis zum Sommer Unternehmen, die nationale oder europäische Märkte bedienen und über einen soliden Cashflow verfügen, um damit eine konstante Dividende auszuschütten.

Grundlage für seine Einschätzung der Börsenlage ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3000 Anlegern. Hinter solchen Erhebungen zur Börsenstimmung stehen - vereinfacht formuliert - zwei Annahmen: Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Da in der Nacht zum Samstag die USA Raketen auf Syrien abgefeuert haben und dadurch der Konflikt zwischen den USA und Russland zu eskalieren droht, hat Heibel die Umfrage genauer untersucht und den Unterschied zwischen den Antworten vom Freitag und vom Samstag herausgearbeitet.

Die Wahrnehmung der Anleger über die aktuelle Marktphase hat sich vor diesem Hintergrund kaum verändert. Doch die Erwartung, die diese Woche ohnehin leicht rückläufig war, brach bei einer separaten Betrachtung des Umfrageergebnisses vom Samstag deutlich ein.

Aus den Ergebnissen der aktuellen Umfrage lässt sich nicht ableiten, welche Richtung der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen nehmen könnte. Die Indikatoren sind neutral, die wöchentliche Stimmung schwankt wie immer stark mit den Tagesmeldungen. „Aus Sentiment-Sicht gibt es keinen Schiefstand, kein extremes Verhalten, das in die eine oder andere Richtung aufgelöst werden müsste“, schlussfolgert Heibel.

Aufschlussreicher ist aber der Blick auf den Fünf-Wochen-Durchschnitt der Anlegerstimmung (siehe Grafik). Die Kurve zeigt: In den Monaten Februar/März herrschte eine angespannte Stimmung. „In solchen Phasen werden selten übermäßig Spekulationen auf steigende Kurse eingegangen, die im Fall einer negativen Überraschung für fallende Kurse sorgen“.

Die Ergebnisse der Umfrage im Einzelnen: Die Stimmung wird gemessen durch die Frage, in welcher Zyklusphase sich der Dax aktuell befindet. Einen Aufwärtsimpuls sehen 27 Prozent (plus 13 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Umfrageteilnehmer. Die neuen bullish gestimmten Anleger haben direkt das Lager der Bären verlassen, das um zwölf Prozentpunkte auf elf Prozent geschrumpft ist. Mit weiterhin 45 Prozent (plus drei Prozentpunkte) betrachten die meisten Anleger die aktuelle Marktphase im Dax als Seitwärtsbewegung.

Von dieser Seitwärtsbewegung der vergangenen Handelswoche fühlen sich 52 Prozent (plus acht Prozentpunkte) in ihrer Erwartung bestätigt. Weitere zwölf Prozent (plus drei Prozentpunkte) wollen auf diesen Kursverlauf sogar spekuliert haben. Kaum erfüllt haben sich die Erwartung nur noch für 28 Prozent der Anleger (minus sechs Prozentpunkte), während sieben Prozent (minus fünf Prozentpunkte) angeben, mit ihrer Erwartung auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein.

„Die Stimmung und die Selbstzufriedenheit sind damit diese Woche weiter angestiegen und notieren endlich wieder im neutralen, leicht positiven Bereich“, lautet das Fazit von Heibel.

Die aktuellen Ereignisse wie beispielsweise der Syrien-Konflikt belasten die Erwartungen der Anleger zur künftigen Kursentwicklung an den Aktienmärkten. Für den Dax in drei Monaten erwarten nur noch 28 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) einen Aufwärtsimpuls, gut jeder Dritte (34 Prozent, plus ein Prozentpunkt) erwartet eine Seitwärtsbewegung und 23 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) einen Abwärtsimpuls.


Extreme Angst an den US-Märkten

Weitere neun Prozent (plus drei Prozentpunkte) gehen zwar kurzfristig von steigenden Kursen aus, erwarten aber dann in drei Monaten eine Topbildung, also das Ende der Rally. Damit ist bei der Handelsblatt-Umfrage die Erwartung im Vergleich zur Vorwoche deutlich zurückgegangen, verbleibt aber im leicht optimistischen Bereich.

Aktien nachkaufen will in den kommenden zwei Wochen gut jeder vierte Anleger (26 Prozent, plus drei Prozentpunkte). 15 Prozent (plus ein Prozentpunkt) wollen ihre Positionen jedoch verkleinern. Damit ist das Lager derer, die mit ihren Transaktionen vorerst abwarten wollen, um fünf Prozentpunkte auf 59 Prozent geschrumpft. Anleger zeigen sich also handlungsbereit, lautet die Schlussfolgerung aus dem Abstimmungsverhalten.

Das Euwax-Sentiment der Stuttgarter Börse, an der in erster Linie Privatanleger handeln, ist deutlich ins Minus gerutscht. Privatanleger kaufen wieder verstärkt Absicherungsprodukte, um sich vor Kursverlusten zu schützen, oder spekulieren gar auf fallende Kurse. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den deutschen Leitindex berechnet.

Derweil bleiben institutionelle Anleger, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, gelassen. Die Profis haben vor zwei Wochen verstärkt auf steigende Kurse gesetzt und diese Woche ihre Positionen gehalten.

Der Blick auf die US-Aktienmärkte zeigt ein interessantes Bild. Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Index“ für die US-Indizes zeigt mit 22 Prozent noch immer extreme Angst an und kann daher Unterstützung für die Aktienbörse betrachtet werden. „Ein Ausverkauf von diesem Niveau aus kann die Aktienmärkte nicht mehr viel tiefer führen“, meint der Sentiment-Experte.

Viele Profis haben auf diese Konstellation bereits reagiert: Die Investitionsquote der institutionellen Anleger ist deutlich um zehn Prozentpunkte auf 65 Prozent gestiegen, notiert damit jedoch weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate. „Auch die US-Profis halten ihr Pulver noch trocken“, erläutert Heibel.

Für ihn überraschend: Die US-Bulle/Bär-Quote der Privatanleger ist auf minus 16 Prozent gerutscht und zeigt damit eine so große Bärenquote an, wie seit dem Amtsantritt Donald Trumps nicht mehr. „Während hierzulande die Trump-Tweets offensichtlich immer gelassener zur Kenntnis genommen werden, hat der US-Präsident es geschafft, seine Wähler vollständig zu verunsichern.“

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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