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Dax-Umfrage „Das kann den Dax nicht ewig bremsen“

Weltweit gibt es eine Rally an den Aktienmärkten, nur in Deutschland nicht. Diese Hängepartie schlägt den Anlegern hierzulande bereits aufs Gemüt. Sie möchten ihre Positionen lieber verkaufen – was ein Fehler sein könnte.

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ARCHIV - Die Kurve des Dax ist am 30.12.2013 in Frankfurt am Main (Hessen) in der Börse zu sehen (Aufnahme mit Zoomeffekt). (Zu dpa

Düsseldorf Die beiden mit mäßiger Spannung erwarteten Notenbanksitzungen in Europa und den USA am Mittwoch und am Donnerstag vergangener Woche sind ohne große Überraschungen vorübergegangen. Anleger hatten sich im Vorfeld dieser beiden Ereignisse zurückgehalten, der Dax gab mit minus 0,8 Prozent in der vergangenen Handelswoche leicht nach. „Nun sollte sich eine neue Richtung an den Aktienmärkten zeigen“, meint der Börsenexperte Stephan Heibel. Und für ihn ist klar: Es sollte auf Sicht von mehreren Wochen nur nach oben gehen.

Basis für seine Vorhersage ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2800 Anlegern. Aus den Antworten leitet er mit einer sehr hohen Trefferquote eine Prognose ab, wie sich der Index in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte.

Der Sentiment-Experte ist bereits seit einigen Wochen „bullish“ gestimmt – allerdings tendiert die Frankfurter Benchmark bislang nur seitwärts. Seit Mitte November schwankt der deutsche Leitindex in einer Spanne von 12.850 bis 13.200 Punkten, während das US-Börsenbarometer Dow Jones ein Rekordhoch nach dem anderen erklimmen konnte.

Mögliche Gründe für die schwächelnden deutschen Aktien im Vergleich zu den amerikanischen Titeln: Eine schwierige Regierungsbildung in Deutschland und eine Furcht vor Neuwahlen mit einem ungewissen Ausgang. „Politische Börse haben aber kurze Beine, lautet ein Börsen-Sprichwort“, erläutert Heibel. „Diese Wackelpartie kann den Dax nicht ewig bremsen.“ Möglicherweise könnten die heutigen, deutlichen Gewinne am deutschen Aktienmarkt den Startschuss für eine Rally bilden.

Schließlich werde die Konjunkturschätzung für Deutschland ein ums andere Mal nach oben korrigiert. Die Weltkonjunktur brumme, nur Deutschland wird von der Aktienmarktrally seit einigen Wochen komischerweise ausgenommen.

„Von einer Überhitzung oder von Euphorie kann ich am Aktienmarkt nichts sehen“, meint Heibel. Solch ein Szenario gilt als Kontraindikator und ein Signal für bald fallende Kurse. Vielmehr vermittele sich ihm aufgrund der aktuellen Umfrageergebnisse ein weihnachtliches Bild: Anleger seien weniger handlungsbereit, möchten ihre Positionen eher auflösen als absichern und bereiten sich noch nicht gedanklich auf 2018 vor, sondern erst mal nur auf die bevorstehenden Feiertage.


Nur begrenzte Verluste möglich

Auf der anderen Seite sei das Kurspotenzial nach unten für die deutschen Aktien begrenzt. Das sieht auch Verhaltensökonom Joachim Goldberg so, der für die Börse Frankfurt eine ähnliche Umfrage wie das Dax-Sentiment erhebt. „Alles in allem bleibt das stimmungstechnische Umfeld für den Dax stabil, zumal bei erneuten Rücksetzern noch genügend Anschlussnachfrage vorhanden wäre“, meint der Anlageexperte.

Die Ergebnisse der aktuellen Handelsblatt-Umfrage zeigen: Der Seitwärtstrend der vergangenen Woche hat unseren Umfrageteilnehmern aufs Gemüt geschlagen: Die Stimmung ist abgesackt. Denn vor einer Woche sehnten die Anleger die Weihnachtsrally herbei – und wurden erneut enttäuscht.

Nur noch jeder Fünfte (minus sechs Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) betrachtet die aktuelle Dax-Entwicklung als Aufwärtsimpuls. Mit 53 Prozent (plus acht Prozentpunkte) haben sich die meisten für eine Seitwärtsbewegung ausgesprochen, unveränderte sieben Prozent meinen, bereits einen Abwärtsimpuls zu erkennen. Damit ist das Handelsblatt-Sentiment als neutral einzustufen.

Nur noch knapp die Hälfte der Anleger (49 Prozent, minus zwei Prozentpunkte) geben an, diese Entwicklung zum größten Teil so erwartet zu haben. Weitere acht Prozent (minus drei Prozentpunkte) wollen sogar darauf spekuliert haben.

Fast jeder Dritte (32 Prozent, plus zwei Prozentpunkte) sieht seine Erwartungen als „kaum erfüllt“ an und elf Prozent (plus drei Prozentpunkte) wurden durch die Dax-Entwicklung auf dem falschen Fuß erwischt. Heibels Fazit nach den Antworten zu dieser Frage: „Es macht sich ein wenig Verunsicherung unter den Anlegern breit“.

Während die hier in Deutschland bislang ausbleibende Weihnachtsrally aufs Gemüt schlägt, bildet sich trotziger Zukunftsoptimismus: 30 Prozent (plus ein Prozentpunkt) erwarten für den deutschen Leitindex in drei Monaten steigende Kurse, weitere 14 Prozent (plus ein Prozentpunkt) gehen von einer Topbildung aus. Hingegen fürchtet nur noch jeder Fünfte (minus vier Prozentpunkte) einen Abwärtsimpuls. Jeder Dritte (plus zwei Prozentpunkte) geht von einer Seitwärtsbewegung aus.

Die Kaufbereitschaft ist weg: Nur noch 22 Prozent (minus drei Prozentpunkte) wollen während der kommenden Feiertage zukaufen. 15 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) wollen verkaufen. Mit 63 Prozent (plus ein Prozentpunkt) wollen die meisten jedoch vorerst einfach nur abwarten.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der in erster Linie Privatanleger handeln, ist vergangene Woche weiter zurückgekommen. Dieser Indikator notiert aber schon seit vier Wochen gegenüber den anderen Monaten dieses Jahres auf einem extrem hohen Niveau und zeigt an, dass Anleger überwiegend auf steigende Kurse setzen. Dieses Sentiment wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet.

Institutionelle hingegen, die an der der Frankfurter Terminbörse Eurex handeln, haben in der vergangenen Woche ihre Long-Positionen nicht weiter ausgebaut.


Mysteriöse Investitionsquote

Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Index“ des US-Börsenbarometers des S&P 500 steht mit 66 Prozent angesichts der guten Aktienmarktentwicklung in den USA im positiven Bereich. US-Privatanleger zeigen mit einer Bulle/Bär-Quote von 16 Prozent ein leichtes Übergewicht an Optimismus, doch ist man von einem Extremwert noch weit entfernt.

Die absolute Überraschung dieser Woche stammt vom Indikator NAAIM, der die Investitionsquote der institutionellen US-Anleger anzeigt: Nach einer Quote von 58,5 Prozent in der Vorwoche ist dieser Indikator nun auf 109,5 Prozent gesprungen! „Das bedeutet, dass Fondsmanager 50 Prozent ihres verfügbaren Anlagekapitals in den vergangenen fünf Tagen angelegt haben“, rechnet der Sentiment-Experte vor. „Das kann ich mir schwer vorstellen.“

Zwar sei der amerikanische Dow-Jones-Jones immerhin um 1,2 Prozent angesprungen, während Dax, Nikkei und auch der Shanghai A-Index in dieser Zeit um die Nulllinie pendelten. „Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass institutionelle Anleger binnen weniger Tage 50 Prozent ihres Kapitals einsetzen“, sagt Heibel. Er will sich in den kommenden Tagen auf die Suche machen, was genau hinter dem Sprung dieses Indexes stecken könnte. „Bis dahin nehme ich diese Zahl mit Vorsicht zur Kenntnis.“

Hinter Umfragen zur Börsenstimmung wie dem Dax-Sentiment stehen zwei Annahmen: Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben wenige übrig, die noch zusätzlich kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt natürlich Entsprechendes: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Wenn Anleger investiert haben, werden sie sich optimistisch über den erwarteten weiteren Kursverlauf äußern, wenn sie nicht investiert haben, pessimistisch. Denn für den zukünftigen Verlauf von Wertpapieren etwa pessimistisch zu sein, aber gleichzeitig investiert zu haben, würde unter normalen Umständen wenig sinnvoll erscheinen.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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