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Dax-Umfrage „Die Rally könnte noch am Anfang stehen“

Anleger sind euphorisch wie selten zuvor. Die exklusive Handelsblatt-Umfrage zeigt: So kann es noch einige Zeit weitergehen. Aber die Angst vor dem tiefen Einschnitt bleibt.

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Dax-Umfrage: Anleger sind euphorisch wie selten zuvor Quelle: dpa

Düsseldorf Die Furcht vor dem vermeintlich schwachen Börsenmonat September hat sich in diesem Jahr als überflüssig erwiesen. In den vergangenen vier Wochen verzeichnete der Dax jeweils ein Wochenplus – das Allzeithoch nahe der Marke von 13.000 Punkten wackelt bedenklich. Und die Vorzeichen für eine anhaltend gute Entwicklung sind gut: Geopolitische Spannungen, etwa zwischen den USA und Nordkorea, belasten die Märkte nicht mehr so stark wie zuletzt. Auch der Euro schwächelt und schiebt die Märkte an.

Deshalb blicken Anleger voller Optimismus in die kommenden Wochen. Die Sommerruhe ist längst vergessen, die Vorfreude groß auf einen Herbst mit viel Bewegung auf dem Börsenparkett. Das Dax-Sentiment des Handelsblatts bestätigt diesen Eindruck: Selten waren Anleger so euphorisch wie in diesen Tagen. Eine derart gute Stimmung hatte das Sentiment zuletzt verzeichnet, als Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt worden war und seine Investitionspläne verkündet hatte. Wöchentlich werden bei dieser Erhebung mehr als 2300 Anleger gefragt, wie sie die Lage an den Aktienmärkten einschätzen. Die Ergebnisse bewertet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung sollen Orientierung für die Geldanlage bieten. „Ich würde hier von überschäumender Euphorie sprechen“, sagt Heibel.

Es verwundert daher nicht, dass viele Anleger, nämlich mehr als die Hälfte, den Dax in einem Aufwärtsimpuls sehen. Das sind 25 Prozent mehr als vor einer Woche. Gleichzeitig hat sich die Zahl derer, die eine Seitwärtsbewegung erkennen, um fast ein Viertel auf 23 Prozent verringert. Eine Topbildung sehen 20 Prozent der Befragten. Der Anteil derer, die eine abwärts gerichtete Bewegung beziehungsweise eine Bodenbildung sehen, ist verschwindend gering.

Viele Investoren haben nach eigener Aussage diese Entwicklung kommen sehen. Nur elf Prozent sehen ihre Erwartungen an die vergangene Börsenwoche „kaum“ oder „gar nicht“ erfüllt. „Voll und ganz“ haben sich die Annahmen von 20 Prozent der Befragten (plus zehn Prozent) erfüllt, „zum größten Teil“ von 48 Prozent (minus zwölf).


58 Prozent wollen sich bei Käufen zurückhalten

Wie von selbst stellt sich die Frage, wie lange die Euphorie noch anhält – und ob Deutschlands erste Börsenliga die hohen Erwartungen auch erfüllen kann. Nur noch 32 Prozent, und damit acht Prozent weniger als in der Vorwoche, sehen den Dax in drei Monaten in einem Aufwärtsimpuls – mit der Euphorie steigt schließlich auch die Zukunftsskepsis. 21 Prozent wiederum (plus acht) erwarten zum Jahreswechsel eine Topbildung. 30 Prozent gehen von einer Seitwärtsbewegung aus.

Hinsichtlich ihrer Investitionsbereitschaft in den kommenden zwei Wochen äußern sich viele Anleger eher vorsichtig: 58 Prozent (minus zwei) wollen sich in den nächsten 14 Tagen mit Käufen zurückhalten. Gleichwohl bleibt der Anteil derer, die kaufen wollen, mit 28 Prozent (plus zwei) immer noch hoch.

Hinweise kann auch der Fünf-Wochen-Durchschnitt liefern, denn die daraus abgeleitete Prognose hat sich bereits mehrfach als richtig erwiesen. Dieser Durchschnitt dient als Kontraindikator: Vor einigen Wochen hatte er ein extremes Negativ-Niveau erreicht, und das Dax-Sentiment hatte zum Kauf geraten. Der Leitindex kannte anschließend nur eine Richtung: und zwar nach oben. Hinter dem Fünf-Wochen-Durchschnitt steht die Annahme, dass in schwachen Phasen Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken können. Umgekehrt gilt natürlich: In Boomphasen, wie es derzeit der Fall ist, hat die große Masse von Anlegern bereits gekauft. So bleiben nur noch wenige übrig, die noch zusätzlich kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können.

Nun rückt auch der Fünf-Wochen-Durchschnitt in die ganz hohen Sphären vor (siehe Grafik). Steht der große Kurssturz also unmittelbar bevor? Stephan Heibel beruhigt. „Euphorie, die infolge steigender Kurse aufkeimt, ist noch lange kein ausreichender Hinweis für bevorstehende fallende Kurse. Die Rally könnte auch noch am Anfang stehen.“ Da der Dax in den vergangenen Wochen ordentlich zulegen konnte, sei die gute Stimmung wenig verwunderlich, sagt Heibel.


Rückschlag in kommenden Wochen unwahrscheinlich

Deshalb sucht der Experte nach weiteren Indikatoren. Das Euwax-Sentiment der Stuttgarter Börse zeige, dass viele Anleger trotz Investitionen auch Absicherungspositionen eingegangen sind, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Das sei typisch für den Beginn einer Rally. „Im weiteren Verlauf werden die Absicherungspositionen dann verkleinert, schließlich aufgelöst und erst, wenn alle überzeugt sind, dass die Rally ewig weiterlaufen wird, dann kommt es zum Crash“, sagt Heibel. Seine Prognose: „In meinen Augen ist durch dieses Verhalten ein heftiger Rückschlag in den kommenden Wochen unwahrscheinlich. Dazu sind Anleger zu gut abgesichert.“ Das Euwax-Sentiment wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den deutschen Leitindex ermittelt.

Dass die Kursgewinne weiter anhalten, ist also alles andere als ausgeschlossen. Heibel erwartet, dass letztlich auch diejenigen einsteigen, die bislang noch nicht investiert haben. „Zudem haben sich ja Privatanleger abgesichert und könnten diese Absicherungsgeschäfte in steigende Kurse hinein auflösen, sprich ebenfalls weiter Aktien kaufen“, ergänzt der Experte. Sollte das Allzeithoch geknackt werden, könnte die Rally weiter im Vollgasmodus bleiben. Die große Euphorie bekommt dadurch festen Boden.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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