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Dax-Umfrage „Konflikt zwischen USA und Iran ist noch nicht ausreichend am Aktienmarkt eingepreist“

Die aktuelle Stimmung unter den Anlegern zeigt: Die siebenwöchige Rally der Aktien könnte eine Verschnaufpause einlegen.

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Düsseldorf Professionelle Investoren sind sowohl in Europa als auch in den USA neutral positioniert. Privatanleger hingegen sind sehr zufrieden mit der aktuellen Entwicklung an den Aktienmärkten, doch eine euphorische Stimmung, die als Kontraindikator die aktuelle Rally gefährden könnte, zeigt sich noch nicht.

Vielmehr haben sich Anleger nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Wochen vor künftigen Verlusten kräftig abgesichert und entsprechend viele Short-Produkte gekauft, die bei fallenden Kursen an Wert gewinnen. Das ist aus Sicht der Sentimentanalyse ein Kontraindikator und macht einen größeren Rückschlag am Aktienmarkt unwahrscheinlich.

Die Börsenstimmung lässt sich aus dem Umfrageergebnis des Dax-Sentiments ablesen, einer Umfrage des Handelsblatts unter mehr als 3000 Anlegern. Aus den Antworten der Erhebung und der Auswertung weiterer Indikatoren zieht der Sentiment-Experte Heibel, gleichzeitig Inhaber des Analysehauses Animusx, Schlüsse und gibt Anlegern eine Orientierung bei ihrer Geldanlage.

Wie gut seine Prognosequalität ist, zeigen unter anderem seine Aussagen nach Auswertung der Umfrage am vergangenen Montag. Daraus schloss er, dass es an der Börse weiter bergauf gehen würde. Die Aktienmarktrally dürfte, so seine Aussage am Montag, in den kommenden Wochen durchaus nochmals Fahrt aufnehmen. „In diesem Jahr könnte sich ‚Sell in may and go away‘ als falsch herausstellen“, sagte er vor einer Woche.

Das Resultat: Das deutsche Börsenbarometer legte in der vergangenen Handelswoche um 1,4 Prozent zu. Begründung für das Kursplus waren gute Quartalszahlen, die Aussicht auf eine Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China, sowie die greifbare Einigung im Korea-Streit.

Zudem rutschte in der vergangenen Woche der Euro-Wechselkurs zum US-Dollar im Wochenverlauf unter 1,18 und damit auf den tiefsten Stand seit Ende 2017. Ein schwacher Euro ist positiv für die exportstarken Dax-Werte.

Allerdings hat sich nach Heibels Meinung gegenüber der Vorwoche einiges verändert. „Der schnelle Stimmungsanstieg in den vergangenen Wochen, sowie einige kurzfristige Indikatoren, die ich neben diesen Sentiment-Werten beobachte, deuten darauf hin, dass einige Anleger beim aktuellen Dax-Stand von um die 13.000 Punkte Gewinne mitnehmen oder sich weiterhin zumindest absichern möchten“, erläutert Heibel. „Die Rally könnte also eine Verschnaufpause einlegen, die Kurse möglicherweise sogar leicht nachgeben.“

Doch darauf zu spekulieren, hält er für schwierig. „Solche Verschnaufpausen dauern oft nur wenige Stunden oder Tage.“ Das ist die Börsenlage aus Sicht der Sentimentanalyse.

Doch in den vergangenen Monaten waren die Märkte immer wieder politisch beeinflusst. Aktuell ist ein neuer Krisenherd entstanden: Die USA haben das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt. „Eine Zuspitzung dieses Konfliktes wäre sowohl aus militärischer Sicht, als auch für die Wirtschaft Europas und insbesondere Deutschlands eine schlimme Sache. Bislang ist dieser Konflikt meiner Einschätzung nach noch nicht ausreichend im aktuellen Kursniveau eingepreist.“

Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zeigen, dass die Kursgewinne am deutschen Aktienmarkt in der vergangenen Woche auch die Stimmung der Anleger aufgehellt haben. Inzwischen attestieren 43 Prozent (plus neun Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Anleger dem Dax einen Aufwärtsimpuls, jeder Vierte (plus zwölf Prozentpunkte) betrachtet die aktuelle Entwicklung als Topbildung. Nur noch 28 Prozent (minus 15 Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus.


Was für eine Fortsetzung der Rally spricht

Die Selbstzufriedenheit der Anleger wächst – ablesbar an den Antworten auf die Frage: „Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?“. Mit 18 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) geben so viele Anleger wie selten zuvor an, die Entwicklung des Dax „voll und ganz“ richtig eingeschätzt zu haben.

Weitere 52 Prozent (minus ein Prozentpunkt) fühlen ihre Erwartungen von vor einer Woche „zum größten Teil“ bestätigt. Nur noch gut jeder Fünfte (21 Prozent, minus sechs Prozentpunkte) hat „kaum erfüllt“ angegeben. Acht Prozent wurden auf dem falschen Fuß erwischt, ihre Erwartungen haben sich „überhaupt nicht“ erfüllt.

Da jeder vierte Anleger in der aktuellen Dax-Entwicklung eine Topbildung erkennt, fürchten entsprechend viele Investoren, dass diese Rally nicht mehr lange anhält. Nur noch 17 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) glauben, dass der Dax auch in drei Monaten noch weiter steigen wird. Gut jeder Dritte (32 Prozent, plus sieben Prozentpunkte) gehen davon aus, dass sich die Märkte in drei Monaten in einer Abwärtsimpuls-Phase befinden werden.

Nach einigen Wochen mit überwiegend abwartender Haltung sind jetzt deutlich mehr Anleger bereit, zu handeln. In den kommenden zwei Wochen wollen 24 Prozent (plus drei Prozentpunkte) Aktien zukaufen, 19 Prozent (plus vier Prozentpunkte) möchten ihre Aktienpositionen verkleinern. Unentschlossen sind nur noch 57 Prozent (minus sieben Prozentpunkte).

Ein Blick auf andere Indikatoren zeigt interessante Werte. Privatanleger beispielsweise fürchten fallende Kurse. Das ist ablesbar am Euwax-Sentiment der gleichnamigen Stuttgarter Börse. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den deutschen Leitindex ermittelt.

Der Wert von minus 6,3 zeigt, dass erheblich mehr Hebelprodukte auf ein fallendes als auf ein steigendes Börsenbarometer gekauft wurden – so viel wie zuletzt im September des vergangenen Jahres.

Damals hatte die Frankfurter Benchmark wenige Wochen zuvor bei 12.000 Punkten einen Boden gebildet und war zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs zum Allzeithoch bei rund 13.500 Punkten im November 2017.

Diesmal sieht der Chart ähnlich aus, der Index ist in den vergangenen acht Wochen bereits von 12.000 auf 13.000 Punkte gestiegen. Der Kauf von sogenannten Short-Hebelprodukten als Spekulation auf schwächere Kurse oder als Absicherung vor fallenden Notierungen ist eher ein Kontraindikator.

So wird ein Top, von dem aus die Kurse fallen, nicht bei einem Wert von minus 6,3 erfolgen, sondern dann, wenn sich die Privatanleger optimistisch positionieren. „Demzufolge spricht das Euwax-Sentiment derzeit für eine Fortsetzung der Rally“, meint der Sentimentexperte.


US-Anlageprofis sorgten für steigende Kurse

Institutionelle Investoren, die sich an der Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, sind aktuell neutral positioniert. Das Put/Call-Verhältnis steht mit einem Wert von 1,6 nur leicht über dem Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate (1,5). Eine ähnliche Positionierung zeigt auch das Put/Call-Ratio für US-Anleger, das ebenfalls im neutralen Bereich notiert.

Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Index“ der US-Aktienmärkte zeigt mit 55 Prozent eine neutrale Verfassung der US-Börse an. „Eine wichtige Änderung zu den Werten der vergangenen Wochen, die bisweilen bereits extreme Angst anzeigten“, erläutert der Sentimentexperte. Angst gilt stets als Kontraindikator, weil – vereinfacht erläutert - dann viele Anleger bereits ihre Aktien verkauft haben und wenige Käufe bereits für steigende Kurse sorgen können.

Die Investitionsquote der institutionellen US-Anleger ist wieder auf 70 Prozent gestiegen, ein Plus von 17 Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche. Schlussfolgerung: Die Profis haben in der vergangenen Woche durch ihre Käufe für steigende Kurse gesorgt. Mit einem Wert von acht Prozent ist der Bulle/Bär-Index der US-Privatanleger als neutral einzustufen.

Hinter solchen Erhebungen wie dem Dax-Sentiment stehen – vereinfacht formuliert – zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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