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Dax-Umfrage „Viele haben die Rally verpasst“

Es herrscht Feierlaune an den Märkten – auch der Dax steht kurz vor seinem Rekordhoch. Doch mit den höheren Kursen sind die Anleger interessanterweise unzufrieden. Was das für die kommenden Handelstage bedeutet.

Händler sitzten am 07.01.2016 in Frankfurt am Main (Hessen) im Handelssaal der Börse morgens an ihren Monitoren. Die andauernden Turbulenzen an Chinas Börsen rissen auch den deutschen Aktienmarkt weiter in die Tiefe, der Dax fiel deutlich unter die Marke von 10 000 Punkten. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Börse Frankfurt, best Quelle: dpa

DüsseldorfIn den USA sorgt die Unternehmenssteuerreform für Feierlaune: Die seit Jahren im Ausland gebunkerten und nach US-Recht unversteuerten Gewinne können nun zu einem verminderten Steuersatz in die USA geholt werden. Umgehend werden gigantische Investitionen verkündet, die in ihrem Volumen bereits das Volumen des Marshallplans übersteigen – und das sogar, wenn man die Inflationsrate einrechnet. Entsprechend haussieren die US-Aktienmärkte. Zudem hat China mit 6,9 Prozent erstmals seit sechs Jahren wieder ein größeres BIP-Wachstum vermeldet als von der Zentralregierung mit 6,5 Prozent geplant war.

Diese positiven Meldungen wirkten sich auch auf den Dax aus, der in der abgelaufenen Woche um 1,4 Prozent auf 13.434 Punkte zulegen konnte. Eine solche Entwicklung hatte Börsenexperte Stephan Heibel am vergangenen Montag erwartet. Der Dax hatte seiner Ansicht zuvor „Schwung geholt für den nächsten Aufwärtsschub“.

Basis für die Prognosen von Heibel, der auch die Geschäfte beim Analysehaus Animusx führt, ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2800 Anlegern. Hinter solchen Erhebungen zur Börsenstimmung stehen zwei Annahmen: Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Doch wie geht es weiter? Wird der Dax sein bisheriges Allzeithoch bei 13.525 Punkten bald überwinden? „Es sind teils widersprüchliche Signale, die wir den verschiedenen Sentiment-Indikatoren entnehmen können“, analysiert der Börsenprofi.

Auf der einen Seite sichern sich institutionelle Anleger wieder ab, das ist ein „bullishes“ Zeichen. Auf der anderen Seite spekulieren Privatanleger massiv auf steigende Kurse – auch wenn die ersten beginnen, ihre Positionen aufzulösen oder sogar auf fallende Kurse setzen. Solche Long-Spekulationen auf höhere Notierungen sind ein Indikator für künftig fallende Kurse, also „bärish“ zu werten. Denn bei einer Korrektur müssen die Anleger verkaufen, um die Verluste zu begrenzen und verstärken damit diesen Trend.

Doch laut Heibel sollten sich Profianleger durchsetzen und einen möglichen Rückschlag beim Dax begrenzen. Denn auch in den USA gibt es offenbar weiterhin großen Investitionsbedarf bei den institutionellen Anlegern, während die Privaten auch dort ziemlich optimistisch positioniert sind.

Für Heibel steht fest: „Die Rally kann durchaus weiterlaufen.“ Er wertet das Stimmungsbild positiv für die weitere Börsenentwicklung. „Rückschläge, die jederzeit erfolgen können, sind also meiner Einschätzung nach weiterhin Kaufgelegenheiten.“

Das Ergebnis der aktuellen Umfrage zeigt: Die Stimmung unter den Anlegern ist weiter hervorragend. 48 Prozent (plus fünf Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sehen in der aktuellen Entwicklung im Dax einen Aufwärtsimpuls, weitere 19 Prozent (plus vier Prozentpunkte) eine Topbildung. Nur drei Prozent (minus fünf Prozentpunkte) erkennen einen Abwärtstrend. Nach den exorbitanten Kursgewinnen zum Jahresauftakt betrachten nun 29 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) den Kursverlauf als Seitwärtsbewegung. Damit hat sich die euphorische Stimmung des Jahresbeginns weiter abgekühlt.

Niedrige Selbstzufriedenheit

Diese Entwicklung der vergangenen Handelstage wollen 54 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) zum größten Teil erwartet haben; 18 Prozent (plus drei Prozentpunkte) geben an, sogar darauf spekuliert zu haben. Kaum erfüllt sehen 22 Prozent (minus drei Prozentpunkte) ihre Erwartungen und sechs Prozent (minus zwei Prozentpunkte) wurden auf dem falschen Fuß erwischt – ihre Erwartungen an die vergangene Handelswoche haben sich „überhaupt nicht“.

„Die Selbstzufriedenheit ist trotz des hohen Dax-Standes erstaunlich niedrig“, meint der Animusx-Geschäftsführer. Zum Vergleich: Als der Dax sein Allzeithoch Anfang November des vergangenen Jahres markierte, war die Selbstzufriedenheit mehr als doppelt so hoch. Heibels Fazit: „Daraus lässt sich ableiten, dass viele die Rally zum Jahresbeginn verpasst haben.“

Auch die Erwartung an die künftige Dax-Entwicklung kühlt sich ab. Nur noch 28 Prozent (minus drei Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer erwarten für den deutschen Leitindex in drei Monaten steigende Kurse, 30 Prozent (plus drei Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Immerhin 16 Prozent (unverändert gegenüber der Vorwoche) fürchten in drei Monaten fallende Kurse.

„Doch irgendwie möchte man an der Rally doch noch partizipieren, anders kann ich die große Kaufbereitschaft nicht deuten“, meint Heibel. Schließlich will jeder Dritte (plus ein Prozentpunkt) in den nächsten zwei Wochen Aktien kaufen. Nur zwölf Prozent (plus ein Prozentpunkt) wollen in den kommenden zwei Wochen verkaufen. Mit 55 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) wollen die meisten jedoch vorerst abwarten.

Weiterhin hoher Optimismus

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger an der Börse Stuttgart zeigt weiterhin einen hohen Optimismus an – auch wenn die ersten Börsianer in den vergangenen Tagen damit begonnen haben, in die Rally hinein erste Long-Hebelprodukte zu verkaufen oder mit neuen Put-Positionen auf fallende Kurse zu setzen. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf das deutsche Börsenbarometer berechnet.

Trotz des leichten Rückgangs: Seit Mitte November wurden durchgängig mehr Long-Positionen eingegangen als irgendwann zuvor in den vergangenen zwölf Monaten. Je länger dieser Optimismus anhält, desto größer wird die Rückschlaggefahr.

Institutionelle Anleger, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, sind hingegen in der abgelaufenen Woche große Absicherungspositionen eingegangen. Mit einem Wert von 2,7 ist das Put/Call-Verhältnis so hoch wie zuletzt vor Weihnachten, als man sich für die Feiertage abgesichert hat. Davor war die Absicherungsneigung schon lange nicht mehr so hoch. Institutionelle Anleger werden also vorsichtig.

Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit 73 Prozent zwar bereits große, aber noch keine extreme Gier an. Die beginnt mit einem Wert ab 75 Prozent. Die Investitionsquote der US-Institutionellen ist leicht auf 67 Prozent angestiegen, notiert damit jedoch weiterhin auf extrem niedrigen Niveau.

Institutionelle Anleger sind unterinvestiert. Sie müssen in die steigenden Kurse hinein kaufen, wenn sie die Rallye nicht vollständig verpassen wollen. Der Bulle/Bär-Index der US-Privatanleger zeigt mit 32,7 Prozent weiterhin einen extremen Optimismus an. Zwar ist auch in den USA die Euphorie des Jahresbeginns verflogen, dennoch bleibt die Zuversicht der Privatanleger auf sehr hohem Niveau. Damit ist die Laune der US-Privatanleger deutlich besser als die ihrer deutschen Kollegen. Das ist kein Wunder, denn der Dow Jones erzielt fast täglich ein neues Allzeithoch, der Dax braucht dafür noch ein wenig.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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