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Dekadent und unrentabel Die Hedgefonds-Stars haben ausgefeiert

Die milliardenschweren Superstars der Hedgefonds-Branche können an die Erfolge der Finanzkrise nicht mehr anknüpfen. Anleger vertrauen ihr Geld lieber Computer-Nerds an als partywütigen Bankertypen.

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Ausufernde Party des Hedgefondsmanagers Brett Barna. Quelle: Rob Rich / Societyallure.com

Die 18 Tennisplätze des Fisher-Island-Clubs vor der Küste Miamis sind perfekt abgeschirmt. Die Luxusanlage ist nur per Boot zu erreichen. Bepflanzte Zäune schützen vor neugierigen Blicken. Hier prügelt Bill Ackman, Hedgefondsgründer, Milliardär und früheres Tennisass, Bälle übers Netz, um seinen Frust abzubauen. Vier Milliarden Dollar hat er mit einer Wette auf die kanadische Pharmaaktie Valeant versenkt. „Ein riesiger Fehler“, hat er in einem Brief an die Investoren seines Hedgefonds Pershing Square gestanden. Das Doppel mit Wells-Fargo-Manager Walter Dolhare läuft auch mies, 1:6 und 1:6 gegen zwei europäische Banker. Nach der Niederlage stöhnt Ackman: „Meine Karriere geht den Bach runter.“

Dem Ego schmerzt es, finanziell wird er es verkraften: Ackman besitzt privat noch 1,4 Milliarden Dollar. Er gehört zur Kaste der Börsengurus, denen vermögende Privatanleger und milliardenschwere Pensionsfonds ihr Geld anvertrauen. Weltweit verwalten Hedgefonds 3,1 Billionen Dollar in rund 9700 Fonds.

Ackman und Kollegen sind durch Börsenwetten unfassbar reich geworden. Die Milliardärsliste des „Forbes“-Magazins listet 40 Hedgefondsmanager auf, die über eine Milliarde Dollar besitzen. Die 25 Topverdiener in der Hedgefondsindustrie haben im vergangenen Jahr insgesamt elf Milliarden Dollar eingesackt. Doch Anleger bezweifeln zunehmend, ob gerade die alten Stars der Branche ihr Geld noch wert sind.

Die reichsten Hedgefonds-Manager weltweit
Platz 10: David ShawMit einem Vermögen von 4,6 Milliarden Dollar schafft es der amerikanische Investor David Shaw unter die zehn reichsten Hedgefonds-Manager weltweit. Doch im Vergleich erscheint er wie ein kleiner Fisch. Andere Hedgefonds-Manager haben über das Vierfache an Vermögen. Quelle: Hurun Report 2017 Quelle: PR
Platz 9: Bruce KovnerBruce Kovners Eltern wurden als Juden verfolgt und flüchteten aus Polen nach Amerika. Kovner fiel später in der Schule auf und erhielt ein Stipendium, das es ihm ermöglichte, in Harvard zu studieren. Über Umwege fand er schließlich in die Finanzindustrie. 1977 wettete er für 3.000 Dollar auf Sojabohnen. Der Kontrakt stieg auf 40.000 Dollar und fiel später auf etwa die Hälfte zurück. Heute zählt er mit einem Vermögen von 5,7 Milliarden Dollar zu den reichsten Hedgefonds-Managern der Welt. Quelle: PC Cam Capital
Platz 8: Kenneth GriffinDer 48-jährige Multi-Milliardär liegt mit 6 Milliarden Dollar auf Platz acht der reichsten Hedgefonds-Manager der Welt. Er gründete das Hedgefondsunternehmen Citadel und ist dessen Vorsitzender. Griffin ist ein begeisterter Kunst-Sammler und kaufte 2016 für 200 Millionen Dollar ein Bild von Jackson Pollock und für 300 Millionen Dollar eines von Willem de Kooning. Quelle: REUTERS
Platz 7: John PaulsonDer Hedgefonds-Manager John Paulson kommt auf ein Vermögen von 9,7 Milliarden Dollar. Er ist Gründer und Präsident der Investmentgesellschaft Paulson & Co. 2012 spendete er dem New Yorker Central Park 100 Millionen Dollar (etwa 77 Millionen Euro) – die bis dahin höchste Spende der Geschichte des Parks. Quelle: dpa
Platz 6: David TepperDer Gründer und Präsident von Appaloosa Management kommt auf ein Vermögen von 11 Milliarden Dollar. Bloomberg wählte ihn zur reichsten Person von New Jersey. Im Jahr 2016 wuchs sein Vermögen um 5,17 Milliarden Dollar und damit so stark wie von keinem anderen Hedgefonds-Manager. Er kommt damit auch einen Stundenlohn von 590.000 Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 5: Steven CohenDer US-amerikanische Unternehmer und Hedgefonds-Manager Steven A. Cohen ist großer Kunstliebhaber. In seinem Besitz befinden sich unter anderem Werke von Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Edvard Munch. Sein Vermögen beträgt 14 Milliarden Dollar. Damit schafft es unter die Top Fünf der reichsten Hedgefonds-Manager. Allerdings muss er sich den Platz teilen... Quelle: REUTERS
Platz 5: Stephen Schwarzman...und zwar mit Stephen Schwarzman. Der 69-jährige Blackstone-Gründer gilt als aggressiver Strippenzieher im Wirtschaftssystem. Er liegt mit 14 Milliarden Dollar Vermögen auf Platz fünf der reichsten Hedgefonds-Manager der Welt. Quelle: REUTERS

Flüchtiges Kapital

Anders als die bisweilen zum Understatement neigenden Banker haben viele Hedgefondsmanager kein Problem damit, ihr Geld zu zeigen. Villa in den Hamptons, Yacht auf den Bahamas – überall, wo es etwas zu feiern gibt, lassen es die Superinvestoren krachen.

Solange es für die Geldgeber läuft, akzeptieren diese Extravaganzen und astronomische Gehälter. Versenken die Manager Milliarden, wie zuletzt Ackman, ziehen sie ihr Geld schnell ab.

Magere Rendite der Milliardäre: Die 20 wichtigsten Hedgefondsmanager und ihre Bilanz

So wie bei David Einhorn, ebenfalls ein Star der Hedgefondsszene. Er hatte sich mit Wetten auf fallende Kurse bei Tesla und Amazon verhoben. Beide gehörten zu Einhorns „Bubble Basket“. Dumm nur, dass die Blase nicht platzte. Die Quittung waren minus 2,3 Prozent für den Fonds im ersten Halbjahr. Der Aktienindex S&P 500 hatte im gleichen Zeitraum 6,9 Prozent zugelegt. 400 Millionen Dollar zogen Anleger deshalb zur Jahresmitte aus Einhorns Hedgefonds Greenlight Capital ab. 2017 könnte das sechste Jahr in Folge sein, in dem Einhorn unterdurchschnittlich abschneidet.

Einhorn setzt den Negativtrend der Hedgefondsbranche fort. 100 Milliarden Dollar an Anlegergeldern verlor die Branche 2016. Gelitten haben traditionelle Manager. Manager, die nach rein zahlengetriebenen („quantitativen“) Computermodellen anlegen, gewinnen Geld dazu. Die „Quants“, meist Mathematiker, Informatiker oder Physiker, hängen die klassischen Manager ab: Fünf der sechs größten Hedgefondsanbieter sind heute Quants, die sich nur noch auf ihre Algorithmen verlassen. Der größte, Bridgewater von Quant-Superstar Ray Dalio, managt 122 Milliarden Dollar.

Verzockt: David Einhorn, der auch als Poker-Profi mithalten könnte, verliert seine Wetten auf fallende Kurse bei Amazon und Tesla. Quelle: REUTERS

Bartt Kellermann, Chef der New Yorker Hedgefondsberatung Global Capital Acquisition, kennt die Szene. Quants seien der Gegenentwurf zu den Partyboys: „Die feiern keine Orgien, sondern ernähren sich vegan und halten sich mit Yoga fit“, sagt er. Kellermann organisiert die Veranstaltung „Battle of the Quants“, zu der sich die Zahlenfreaks regelmäßig in den großen Finanzmetropolen treffen. „Selbst beim Get-together wird gefachsimpelt“, sagt Kellermann.

Hedgefondsmanager alter Schule bleiben dagegen ihrer Vorliebe für riskante Wetten und ausschweifenden Lebensstil treu. „Die feiern immer noch fast jedes Wochenende exzessive Partys mit hübschen Frauen, saufen, rauchen und konsumieren Kokain“, verrät der Nachbar eines New Yorker Hedgefondsmanagers mit Wohnsitz in den Hamptons. Eindrucksvoll etwa der Fall des Hedgefondsmanagers Brett Barna, der Gäste im letzten Sommer zu einer Wohltätigkeitsparty eingeladen hatte. „Charity“ ist wichtig in der Szene – gut fürs Image und finanziell zu verschmerzen. Diesmal muss aber einiges aus dem Ruder gelaufen sein: Der Besitzer der über Airbnb gemieteten 20-Millionen-Villa auf Long Island klagte über demoliertes Mobiliar, geklaute Kunstwerke und benutzte Kondome in den Schlafzimmern. Barna wusste von nichts, seine Gäste hätten doch nur im Garten Party gemacht. Sein Arbeitgeber, Hedgefondsmilliardär Louis Bacon, feuerte ihn trotzdem.

Herren mit Häschen-Ohren

Als unangefochtener Partykönig der Szene galt Anthony Scaramucci, der jetzt Kommunikationschef von Donald Trump wurde. In Las Vegas richtete der Gründer des Hedgefonds SkyBridge Capital in den vergangenen Jahren die Branchenkonferenz SALT aus. Deren Promidichte ist hoch: Exregierungschefs wie Bill Clinton, David Cameron oder Giorgos Papandreou treffen bei SALT auf Sportikonen wie Mike Tyson oder Hollywoodstars wie Will Smith.

In New York feiert Scaramucci vorzugsweise in Manhattans Edelrestaurant Hunt & Fish – es gehört ihm. Zur Premiere seines Buches „Hopping over the Rabbit Hole“ tragen die geladenen Damen kurze Röcke und die Herren Häschen-Ohren aus Satin. Getrunken wird 30 Jahre alter Scotch für 2500 Dollar die Flasche. Der Laden ist proppenvoll, wo etwas Platz ist, wird getanzt. Körperkontakt: kein Problem, sehr gerne.

In seinem Buch beschreibt Scaramucci, wie „Unternehmer Niederlagen zu Erfolgen machen“. Natürlich ist er selbst das beste Vorbild. Seine Hedgefondsfirma SkyBridge war in der Finanzkrise fast am Ende, danach sei er aber wie Phoenix aus der Asche gestiegen. Und jetzt mache es ihn so „stolz“, Kunden das bestmögliche Produkt zu verkaufen.

Ähnlich wie bei Trump passen bei ihm Marketing und Performance nicht zusammen: Sein SkyBridge Dividend Value Fund lief schwächer als 80 Prozent der Konkurrenz.

Flexibel: Peter Muller hängt nur so lange an Anlageideen, wie der Computer es zulässt. Quelle: Getty Images

Das Leben der Quants

Anders als Showman Scaramucci und Partyboy Barna setzt Ray Dalio, ein überzeugter Quant, auf Disziplin. Der Bridgewater-Chef entdeckte als junger Mann in Indien die Meditation. Weich hat ihn das allerdings nicht gemacht. Mitarbeitern fordert er alles ab, bei Fehlern kritisiert er gnadenlos, alle Gespräche in der Firma lässt er aufzeichnen. „Schmerz plus Reflexion gleich Fortschritt“ ist sein Credo, und so war kein Hedgefonds erfolgreicher. Dalio persönlich kassierte 1,4 Milliarden Dollar. Vor Kurzem hat sich Dalio zwar vom Chefposten zurückgezogen, bleibt aber wichtigster Anlagestratege bei Bridgewater.

Das Gegenmodell zu Dalio bei den Quants ist Pete Muller. Er gibt sich umgänglich, vermeidet autoritäres Chefgehabe. Im vergangenen Jahr hat der studierte Mathematiker sein drittes Studioalbum „Two Truths and a lie“ als Musiker veröffentlicht. In seinen Songs verarbeitet Muller seine Wall-Street-Erfahrungen. 1999 war er, völlig ausgebrannt, aus dem Börsengeschäft ausgestiegen, machte eine Weltreise und spielte in der New Yorker U-Bahn Jazz.

In den Jahren davor hatte der hochbegabte Princeton-Absolvent für Morgan Stanley PDT aufgebaut. Die Abteilung entwickelte Formeln zur Analyse von Börsentrends. PDT steht für „Process Driven Trading“, eine Methode, die Ineffizienzen in den Finanzmärkten entdecken und nutzen soll.

Seit 2013 ist PDT ein unabhängiger Vermögensverwalter. Zwar steuert Muller seine Firma mit 150 Mitarbeitern offiziell von New York aus. Zwei Drittel seiner Zeit verbringt er jedoch in Santa Barbara, Kalifornien – näher dran an seinen bevorzugten Surfrevieren.

Im New Yorker PDT-Hauptquartier geht es locker zu. Jeans und Freizeithemd sind erlaubt. Pausen überbrücken Mullers Nerds mit Spielen am Tischkicker. In den Büros herrscht Start-up-Atmosphäre – ganz anders als der Testosteron-Spirit der alten Handelsräume. Muller will, anders als Dalio, nicht um jeden Preis wachsen. Wichtiger als Masse sei ihm Performance. Die lässt sich Muller gut bezahlen, mit drei Prozent pro Jahr plus bis zu 50 Prozent Gewinnbeteiligung. Bisher war das Mathegenie sein Geld wert.

Glanz verblasst

Auch wenn Muller wie der nette Kerl von nebenan wirkt, an der Börse kann er aggressiv zuschlagen, so wie alle anderen Hedgies auch. Hält er ein Unternehmen für zu teuer, leiht er sich Aktien und wettet auf fallende Kurse. Zuletzt schoss er sich auf den deutschen Telekom-Ausrüster Adva ein. Bisher sieht es gut für ihn aus. Binnen drei Tagen Ende Juli verlor Adva 27 Prozent, das Unternehmen scheint Probleme mit Großkunden zu haben.

Goldfingers Abstieg

Während Mathematiker Muller weiter Geld macht, taumelt die Karriere diverser traditioneller Hedgefondsmanager dem Ende zu. Allen voran die von John Paulson. Seine erfolgreichsten Stunden liegen weit zurück.

17. November 2008, Treffpunkt Manhattan, Metropolitan Club: Während sich viele Wall-Street-Ikonen nach der Pleite von Lehman Brothers aus dem Fenster stürzen wollen, könnte es John Paulson und seinen Investoren nicht besser gehen. Alan Greenspan, ehemaliger US-Notenbankchef und seit Anfang 2008 Berater von Paulsons Investmentfirma Paulson & Co., hält eine Rede, angestoßen wird mit 1999er-Lafite-Rothschild, Preis pro Flasche: gut 800 Dollar. Paulson hat gerade mit Wetten auf einen Crash des US-Immobilienmarktes 15 Milliarden Dollar Gewinn eingestrichen. Anschließend überschütten ihn Investoren mit Geld. In der Spitze verwaltete Paulson & Co. 36 Milliarden Dollar. Mit einem geschätzten Privatvermögen von 16 Milliarden Dollar rückte der Starinvestor 2011 im „Forbes“-Ranking der weltweiten Superreichen auf Platz 39.

Hoffnungslos abgehängt: Wie sich Hedgefonds im Vergleich zu US-Aktien entwickelt haben. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Doch heute ist Paulsons Glanz verblasst. Nach mehreren miesen Jahren suchen Investoren das Weite. Das verwaltete Vermögen schrumpfte auf unter zehn Milliarden Dollar. Allein im vergangenen Jahr versenkte Paulson drei Milliarden Dollar oder 23 Prozent des Anlagevermögens. Wie Ackman hatte er auf die Pharmaaktie Valeant gewettet. Richtig schlimm wurde es, weil sechs seiner zehn größten Positionen im Fonds Pharmaaktien waren. Allein neun Prozent des Fondsvermögens steckten im britischen Pharmakonzern Shire, dessen Aktie rund 20 Prozent einknickte. Die US-Diskussion um überzogene Medikamentenpreise setzt der Branche schwer zu. Dass Paulson als einer der Ersten an der Wall Street Trump offen unterstützt hatte und dessen Antrittsparty mit 250.000 Dollar sponserte, half dann auch nicht mehr.

Immerhin kann Paulson froh sein, dass er auf eine eiserne Reserve Gold zurückgreifen kann, um verärgerte Investoren auszuzahlen. Derzeit hält er noch rund 500 Millionen Dollar am Fonds SPDR Gold Trust.

Gold sollte für Paulson nach der Immobilienwette der nächste große Coup werden. Anfang 2009 hatte er sich dazu mit 2,8 Milliarden Dollar am SPDR Gold Trust beteiligt. Paulson erwartete damals eine zweistellige Inflationsrate und einen Anleihe-Crash, von dem Gold profitieren sollte.

Anfangs funktionierte die Goldwette auch prächtig, Paulsons Goldschatz verdoppelte seinen Wert. Doch dann ging der Goldrally die Luft aus, und Paulson baute Bestände ab. Unter dem Strich hat er mit Gold verdient. Er konnte dadurch aber nicht verhindern, dass er im Ranking der Superreichen auf Platz 196 abrutschte.

Diese Sätze zerstörten Manager-Karrieren
Paul Singer: „Kleinfeld hat eine einzigartig charismatische Persönlichkeit, er nutzt seine Beziehungen dazu, weiterhin angestellt zu sein“Elliott-Chef Paul Singer hielt den Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, der 2016 den Metallspezialisten vom Aluminiumkonzern  Alcoa abgespalten hat, schon lange für eine Fehlbesetzung. Seit Anfang 2017 hat der Hedgefonds-Manager alles daran gesetzt, den Deutschen an der Spitze von Arconic loszuwerden. Es herrsche eine hierarchische Kultur im „schicken New Yorker Konzernsitz“, weit weg vom Kunden, was schon bei der Vorgängerfirma Alcoa zu „dramatischer Minderleistung“ geführt habe. Kleinfeld habe eine „einzigartig charismatische Persönlichkeit“, er nutze seine Beziehungen dazu, „weiterhin angestellt zu sein“, stellte er zuletzt fest. Die Schlammschlacht zwischen Singer und Kleinfeld hatte die gesamte Wall Street in den Bann gezogen. Elliott durchkämmte jede Börsenpflichtmitteilung, sprach von Fabrikarbeitern bis zu Aufsichtsräten mit Mitarbeitern von Arconic. Der schwerste Vorwurf: Kleinfeld habe mit dem Geld von Arconic Stimmen von Aktionären gekauft, es soll gar eine Verbindung mit der Schmiergeldaffäre von  Siemens geben, wo Kleinfeld bis 2007 die Geschäfte führte. Quelle: Reuters
Klaus Kleinfeld: „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint‘“Erst war er Siemens-Chef, dann machte er in den Vereinigten Staaten weiter Karriere: Klaus Kleinfeld (Mitte) gilt als einer der bekanntesten deutschen Manager in den USA. Nun hat er seinen Posten als Vorstandschef und Chairman beim Metallkonzern Arconic aufgegeben. Mit diesem Rücktritt hat sich Hedgefonds-Manager Paul Singer im erbitterten Streit gegen den Manager durchgesetzt. Singers Fonds Elliott Management ist Aktionär bei Arconic – und drängte seit Monaten auf eine Ablösung des ehemaligen Siemens-Mannes. Auf eine Frage nach dem Clinch mit dem Hedgefonds antwortete Kleinfeld Anfang des Jahres auf dem Podium einer New Yorker Finanzkonferenz mit einem Scherz. „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint.‘“ Fast alle Gäste im Saal lachten. Nur zwei im Publikum verzogen keine Miene: Sie arbeiten für Elliott. Am Ende war der Druck wohl doch zu groß. Kleinfeld kommentiert seinen Rückzug nun wie folgt: „Wir haben eine Menge erreicht. Heute ist Arconic in guter Position für die nächste Phase.“ Nur künftig ohne den Manager aus Deutschland. Quelle: dpa
Paul Achleitner: „Es geht bei diesen Fragen um die Zukunft der Institution Deutsche Bank, nicht um die von Individuen.“Ein Vertrauensbeweis liest sich anders, als das Interview, das der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, kurz vor der Hauptversammlung im Mai 2015 der Wirtschaftswoche gab. Statt sich deutlich hinter die Vorstandsdoppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu stellen, ging er auf Distanz. „Niemand ist unersetzbar“, sagt er. Quelle: dpa
Ferdinand Piëch: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn"Mit einfachen Worten machte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (rechts) im April 2015 klar, dass er von seinem langjährigen Weggefährten und VW-Chef Martin Winterkorn (links) abrückt. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", ließ Piëch verlauten und verdeutlichte damit, dass er mit der Arbeit des Konzernchefs nicht mehr zufrieden ist. Winterkorns Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Dass er spätestens im Frühjahr 2017 als Aufsichtsratsvorsitzender auf Piëch folgen würde, galt bislang als ausgemacht. Ob es wirklich so kommt, ist nun äußerst fraglich. Quelle: dpa
Berthold Beitz: „Cromme bleibt"Der Industriekonzern Thyssen-Krupp kämpfte Anfang 2013 um die Existenz. Aufgrund von gut fünf Milliarden Euro Verlust durch Fehlinvestitionen, Korruption und Kartellabsprachen, stand auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme vor dem Aus. Viele Jahre hatte Patriarch Berthold Beitz nicht mit der Presse gesprochen, doch in dieser Situation griff er zum Hörer und rief beim Handelsblatt an: „Cromme bleibt“, sagte er und wollte damit Spekulationen um das Aus von Cromme ein Ende setzen. In Wahrheit offenbarte der Satz, in welcher prekärer Situation das Unternehmen war. Nur vier Monate später musste der Aufsichtsratschef Cromme den Konzern trotzdem verlassen. Quelle: dpa
Josef Ackermann: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen, Persönlichkeit aber kann man nicht lernen."Josef Ackermann verkündete im Jahr 2011, dass er zwei Jahre später als Chef der Deutschen Bank ausscheiden würde. Gleichzeitig machte er Angaben dazu, wie er sich das Profil seines Nachfolgers vorstellte: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen, Persönlichkeit aber kann man nicht lernen." Damit verdeutlichte Ackermann seine Abneigung gegen den designierten Nachfolger Anshu Jain. Vor allem warb er auch für seinen eigenen Favoriten, den Bundesbank-Chef Axel Weber. Doch all das nützte Ackermann wenig: Bereits Ende Mai 2012 musste er seinen Posten zugunsten einer Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen räumen. Axel Weber ging zur Schweizer Großbank UBS. Quelle: dapd
Metro-Aufsichtsratsmitglied: „Soweit ich das übersehe, gibt es keine Mehrheit mehr für ihn."Zwar ist unklar, wer genau der Urheber dieses Zitats war, die Botschaft vom Aufsichtsrat der Metro AG für den damaligen Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes war dennoch eindeutig. „Soweit ich das übersehe, gibt es keine Mehrheit mehr für ihn", hieß es im Jahr 2011. Für Eckhard Cordes war das der Anfang vom Ende. Zu eindeutig hatte sich eine Mehrheit gebildet, die sich gegen eine Verlängerung seines 2012 auslaufenden Vertrages aussprach. Grund dafür waren charakterliche Zweifel, nachdem sich Cordes in einer Bar im russischen St. Petersburg beleidigend über Aufsichtsratsmitglieder geäußert hatte. Hinzu kamen Zweifel, ob Cordes seine Verkaufspläne für die Konzerntöchter je würde umsetzen können. Zum 31. Dezember 2011 legte Cordes sein Amt als Vorstandschef der Metro AG nieder. Quelle: dpa

Der englische Patient

So wie Paulson wurde auch der britische Hedgefondsmanager Alan Howard in der Finanzkrise groß: Seine Bilanz, im Schnitt 22 Prozent plus von 2007 bis 2009, ist beeindruckend. Wie Paulson fehlte ihm jedoch das Rezept für dauerhaften Erfolg. Was kurz nach der Lehman-Pleite noch funktionierte, reichte danach nicht mehr, um sich von der Masse abzuheben. Seine Strategie, Anlageentscheidungen aus makroökonomischen Trends abzuleiten, schaffte keinen Mehrwert. Im vergangenen Jahr reichte es gerade mal für ein mageres Plus von drei Prozent.

Howards Geldgeber, an Renditen um die 20 Prozent pro Jahr gewöhnt, flüchten nun. Das von seiner Investmentfirma Brevan Howard verwaltete Vermögen schmolz von 40 Milliarden Dollar im Jahr 2012 auf nur noch 15 Milliarden ab.

Enttäuschende Eitelkeit

Howard will es aber noch mal wissen. Im März legte er einen neuen Fonds auf, der nur von ihm persönlich gemanagt wird. Gut ein Drittel seines auf 1,4 Milliarden Dollar geschätzten Privatvermögens habe Howard in den Fonds gepackt, heißt es. Wer ihm noch eine Chance geben will, muss mindestens 50 Millionen mitbringen. Howard setzt für sein Comeback vor allem auf die US-Notenbank und deren Zinspolitik. Wenn sich die Zinsen bewegten, hätten seine Hedgefonds in der Vergangenheit gute Renditen abgeworfen, sagt er.

Diese Investmentlegenden sollten Anleger kennen
Benjamin Graham (1894 - 1976) Graham wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, nachdem seine verwitwete Mutter alles Hab und Gut durch Aktienspekulationen verloren hatte. Der Ausnahmeschüler schloss bereits mit 20 Jahren sein Studium ab und arbeitete anschließend an der Wall Street, wo auch die New Yorker Börse beheimatet ist. Später lehrte er an der Columbia University Wirtschaftswissenschaften. Sein Buch "Security Analysis" (1934) gilt als Standardwerk, die spätere populärwissenschaftliche Version "Intelligent Investor" gilt als Bibel der sogenannten Value-Investoren und war ein Bestseller. Quelle: Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0 ,Equim43
André Kostolany Quelle: dpa/dpaweb
Warren Buffett Quelle: REUTERS
George Soros Quelle: dpa
Jens Ehrhardt Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Rächer der Enttäuschten

Grundsätzlich aber, so viel scheint klar, läuft etwas schief bei den ehemaligen Stars wie Ackman, Paulson oder Howard. Einigen steht wohl die eigene Eitelkeit im Weg. Wer einmal in einem Jahr Milliarden verdient hat, glaubt an die eigene Unfehlbarkeit und lässt nur schwer von Rezepten, die einmal funktionierten. Anders als den Quants fehlen den traditionellen Hedgefondsmanagern zudem Kontrollmechanismen, die sie vor schlechten Ideen bewahren. Beispielhaft dafür ist der Fall Ackman.

Dokumentarfilmer Ted Braun hat Bill Ackman bei seiner Arbeit zum Film „Betting on Zero“ persönlich kennengelernt: „Er ist per se ein sehr skeptischer Mensch. Er stellt viele und kluge Fragen, bevor er eine Entscheidung trifft.“ Allerdings: Sobald Ackman ein Urteil gefällt hat, gibt es kein Zurück mehr. „Ackman ist von sich und seinen Entscheidungen total überzeugt“, sagt Braun.

Verhoben: ill Ackmans Privatkrieg gegen Diätanbieter Herbalife brachte ihm bisher nur Verluste. Quelle: AP

Das gilt vor allem für seinen Kampf gegen Herbalife, einen US-Anbieter von Diätprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln. Immer wieder versucht Ackman das Unternehmen mit Wetten auf fallende Kurse in die Knie zu zwingen – ohne nachhaltigen Erfolg.

Für den 51-Jährigen geht es längst um mehr als um den finanziellen Erfolg. Ackman verkauft seine Herbalife-Kritik als Kampf Gut gegen Böse. Der Milliardär gibt sich als Anwalt der Armen und versammelt ehemalige Herbalife-Vertriebsleute – oft gering Qualifizierte, fast immer mit Migrationshintergrund – hinter sich, die sich vom Konzern betrogen fühlen. „Amerika geht es besser, wenn der Konzern von der Bildfläche verschwindet“, sagt Ackman.

Besonders frustrierend für Ackman ist, dass seine Zweifel an Herbalife zum Teil begründet sind. So sprach die US-Aufsichtsbehörde FTC im vergangenen Jahr ehemaligen Herbalife-Vertrieblern 200 Millionen Dollar Entschädigung zu und forderte das Management auf, das Unternehmen umzustrukturieren. Ted Brauns Film, der 2016 erstmals gezeigt wurde, hatte die umstrittenen Praktiken des als Strukturvertrieb organisierten Unternehmens aufgedeckt.

Anleger lässt das jedoch bisher kalt. Statt vom Börsenzettel zu verschwinden, hat Herbalife in diesem Jahr 46 Prozent zugelegt. Hauptprofiteur ist Carl Icahn, ein milliardenschwerer Investor, dem 24,5 Prozent von Herbalife gehören. Icahn und Ackman verbindet eine innige Feindschaft. Gut möglich, dass es beim Kampf um Herbalife auch ums Ego der beiden Alphatiere geht.

Für seine Niederlage auf dem Tennisplatz kann sich Ackman im kommenden Jahr als Co-Captain des Team USA beim Finance Cup, einem Turnier für aktivistische Investoren, revanchieren. Im Kampf gegen Icahn dagegen droht ihm bald die Luft auszugehen. Die Wetten auf fallende Kurse bei Herbalife kosten einfach zu viel Geld – das seiner Anleger und sein eigenes.

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