Der große Dax-Check Kaufen, halten, verkaufen - was Dax-Anleger jetzt tun sollten

Die 30 Dax-Konzerne haben ihre Gewinnerwartungen deutlich verfehlt, die Schätzungen waren viel zu hoch. Was die Kurse dennoch treibt, bei welchen Aktien Vorsicht geboten ist und wo Anleger bei der Stange bleiben dürfen.

Diese Dax-Aktien sollten Anleger kaufen

Sie kennen doch noch den Scheinriesen Tur Tur? In den legendären Geschichten von Michael Ende begegnen ihm Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer in der Wüste. Je mehr sie sich Tur Tur nähern, desto mehr schrumpft er zusammen, bis er am Ende Normalgröße hat.

Wie sich Kurse, Gewinne und Marktkapitalisierung im Dax 30 seit 2005 entwickelt haben Quelle: Bloomberg

Auf Normalgröße schrumpfen auch die Gewinne der 30 Unternehmen des Deutschen Aktienindex (Dax) zusammen, je mehr man sich ihnen nähert. Noch Ende 2011 erwartete die Schar der Analysten, dass die 30 Dax-Unternehmen zusammengenommen rund 72,5 Milliarden Euro an Jahresüberschüssen (Nettogewinnen) einfahren würden. Jetzt liegen alle Bilanzen vor. Eine exklusive Auswertung der WirtschaftsWoche zeigt nun, dass die Schätzungen zu hoch waren. Der Riesengewinn ist geschrumpft: Gut 63 Milliarden Euro Nettogewinn fuhren die Dax-Konzerne von Adidas bis Volkswagen zusammen ein – nur homöopathisch mehr als im Vorjahr.

Das bedeutet: Investoren, die in den vergangenen Monaten Aktien kauften, taten dies in Erwartung von deutlich zu hoch prognostizierten Gewinnen. Noch dramatischer wird die Diskrepanz bei den Dax-Werten, wenn man die Gewinnerwartung und den tatsächlichen Ertrag von VW herausrechnet. VW hatte die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Ohne VW schafften die übrigen 29 Dax-Unternehmen 41,3 Milliarden Euro Gewinn. Erwartet wurden für die 29 ursprünglich jedoch 64,2 Milliarden – 50 Prozent mehr.

Achtung bei Marktschreiern

Diese Rechenspiele sind keineswegs nur von theoretischer Bedeutung. Sie belegen vielmehr, dass die starke Erholung der Aktienkurse über die vergangenen zwölf bis 18 Monate mitnichten durch starke Unternehmensergebnisse untermauert wurde, zumindest nicht im Durchschnitt. Anleger sollten sich also in Acht nehmen vor Marktschreiern, die Tag für Tag die Mär vom günstigen Aktienmarkt verbreiten.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Haupttreiber der Aktienkurse weltweit ist vielmehr die „ultra-expansive Geldpolitik“ der Notenbanken, sagt Eberhardt Unger, Chefvolkswirt von Fairesearch in Kronberg. Zwar werde diese Politik die „Aktienmärkte weiter stützen“, so Unger. Anleger sollten sich jedoch bewusst sein, dass das Verhältnis von Kursen zu Gewinnen „schon ehrgeizig hoch ist“.

Unter „Berücksichtigung verschiedenster Bewertungsmethoden“ wie dem Verhältnis aus Marktwert zu bilanziellem Vermögenswert (Buchwert), Kurs zu den Barmittelzuflüssen und dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kommt auch Eugen Keller, Leiter der Renten- und Devisenstrategie des Bankhauses Metzler in Frankfurt, zu dem Schluss, dass „die Aktienmärkte alles andere als preiswert sind“. Das gilt aber für alle Anlageklassen. Anleihen sind überteuert, für Tagesgeld gibt es so gut wie keinen Zins, Immobilien eignen sich nicht für einen schnellen Kauf und Verkauf, der Goldpreis steht zumindest temporär unter Druck.

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