Deutsche Börse Anleger zwischen Party und Katerstimmung

Was war das denn? Der breite Kursrutsch an den Börsen weltweit hat die Bezeichnung Crash verdient. Nun geht es mit Jubel wieder aufwärts. Als Etappe des Börsenzyklus passt das zumindest ins saisonale Muster.

Ein Händler beobachtet die Turbulenzen am Deutschen Aktienmarkt Quelle: AP

Mal wieder ist von einem „Schwarzen Montag“ die Rede. Der Absturz an den Börsen in New York, London, Frankfurt, Paris und nicht zuletzt Shanghai trug eindeutig Züge einer um sich greifenden Verkaufspanik. Der an den Börsen seit jeher stark ausgeprägte Herdentrieb ließ die Kurse weltweit in die Tiefe rauschen.

Dabei war die schlechte Nachricht, die den Crash auslöste, bei nüchterner Betrachtung gar nicht so dramatisch: Ein Meldung zum gebremsten Wachstum in China genügte völlig – das Wachstum sinkt dort von 6,8 auf 6,0 Prozent. Angesichts der Größe der chinesischen Volkswirtschaft ist das noch immer ein gewaltiges Wachstumsplus, aber eben deutlich weniger als erwartet und als aus den Vorjahren gewohnt.

Die Schwäche Chinas und die sich dort zusammenbrauenden Gefahren für die Weltwirtschaft und die Börsen sind aber nicht neu. Schon lange ist von sich bildenden Anlageblasen in China die Rede. Viele Wirtschaftsexperten weisen seit langem auf die wachsenden Immobilien-, Kredit- und Aktienblasen im Reich der Mitte hin. Haben Anleger weltweit erst jetzt realisiert, dass Ihre Annahmen über die globale Wirtschaft und die Konjunkturlokomotive China zu optimistisch waren?

Vermutlich nicht. Wie meist in der Geschichte der Börsencrashs genügte in der Nachbetrachtung ein relativ kleiner Anlass, um all die unterdrückten Bedenken der Anleger in den Fokus zu rücken. Dennoch stellt sich für Anleger die Frage, ob das Minus von drei bis fast fünf Prozent an den verschiedenen Börsen nun gerechtfertigt war. Falls ja, wäre es womöglich nur der Auftakt einen längeren Börsendepression, die ihre Tiefststände erst noch ausloten wird. Oder war es nur eine Verkaufswelle, verstärkt durch geringe Handelsumsätze in den Sommermonaten und Handelsalgorithmen, die auf Verkaufssignale mit Massenverkäufen in Millisekunden reagierten?

Von ruhigem Handel keine Spur

Den Grund für die dramatischen Kursbewegungen in dieser Woche in den geringen Handelsumsätzen zu suchen, wie sie für Sommermonate an der Börse typisch sind, funktioniert diesmal nicht. Zwar gilt grundsätzlich, je weniger an den Börsen gehandelt wird und je geringer die Zahl der Akteure an der Börse, umso stärker die Kursschwankungen. Aber diesmal kann von ruhigem Handel kaum die Rede sein.

Stichwort: Die schwärzesten Tage für den Dax seit 1987

Tatsächlich verzeichnet die Deutsche Börse im Xetra-Handel in diesem Jahr zwar deutlich schwankende, aber insgesamt steigende Umsätze. Vor allem die Griechenland-Krise dürfte vielen Anlegern die Ruhe in den Sommermonaten geraubt haben. Im August steuert der Xetra-Handel mit noch vier ausstehenden Handelstagen auf Monatsbasis den Handelsrekord des laufenden Jahres an. Es fehlen nur noch fünf Milliarden Euro Handelsumsatz, um den Spitzenmonat März zu toppen. Dazu dürfte ein weiterer Handelstag genügen.

Insgesamt sind die Handelsumsätze auch im Vergleich zu den Vorjahren kräftig gestiegen. Gleich mehrere Banken melden für das erste Halbjahr endlich wieder gute Geschäfte im Aktienhandel. Der Umsatz an den Aktienmärkten hat sich nach Angaben der Analysefirma Markit im ersten Halbjahr um 25 Prozent erhöht auf 1,4 Billionen Euro. Das ist der höchste Wert seit mindestens 2009 – dem Jahr, in dem die Finanzkrise an den Börsen ihren Höhepunkt erreichte.

Ein Grund für Optimismus ist das höhere Handelsvolumen daher nicht. Denn gerade wenn Verluste drohen, wird das Börsengeschäft immer hektischer.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%