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Deutsche Börse DWS kritisiert Börsen-Chef Francioni scharf

Exklusiv

Die Deutsche-Bank-Tochter DWS geht nach der gescheiterten Börsenfusion mit der Strategie der Deutschen Börse ins Gericht und fordert einen Neuanfang

Reto Francioni Quelle: dpa

Durch die Konzentration auf Übernahmen habe die Börse ihr Tagesgeschäft vernachlässigt, sei zu wenig auf Kundenwünsche eingegangen und habe Marktanteile verloren, sagte Henning Gebhardt, Leiter europäische Aktien, der WirtschaftsWoche. „Die Fusionsbemühungen haben über ein Jahr lang die Kräfte des Managements gebunden. Im letzten Jahr und auch davor gab es bei der Börse eher Stillstand, da muss wieder mehr Dynamik reinkommen“, fordert Gebhardt, der ein Fondsvermögen von mehr als zehn Milliarden Euro verantwortet.

Bildergalerie: Die größten Börsenbetreiber

Die größten Börsenbetreiber der Welt
Platz 8: Hong Stock Exchange Auf Rang acht rangiert die Hong Kong Stock Exchange mit einem Handelsvolumen von 1,6 Billionen Dollar. Damit ist die Hongkonger Börse die kleinste der drei chinesischen Börsen. Gemessen an der Marktkapitalisierung (24,9 Billionen Dollar) ist der Konzern die Nummer eins der Börsenbetreiber. Die Hong Kong Stock Exchange zeichnet sich durch eine gepflegte Mittagspausevon 12.30 bis 14.30 aus. Ansonsten wird wie an der New Yorker NYSE von 10 bis 16 Uhr gehandelt. Fotos: dpa, ap, Reuters
Platz 7: Korea Exchange Mit einem Handelsvolumen von 2,0 Billionen Dollar liegt die Börse in Südkorea auf Platz sieben. Neben der Eurex und der Chicago Mercantile Exchange ist die Börse in Seoul eine der weltweit größten Derivatebörsen.
Platz 6: Shenzhen Die zweitgrößte Börse Festlandchinas kommt auf ein Handelsvolumen von 3,6 Billionen Dollar. Ihre Besonderheit: IPOs wurden in Shenzhen im Jahr 2000 eingestellt und werden nur noch an der Börse in Shanghai gehandelt. In Shenzhen wurde ein spezieller Markt für Privat- und Technologieunternehmen geschaffen.
Platz 5: Tokyo Stock Exchange Die Börse in Tokio blickt auf eine sehr viel längere Geschichte zurück als die Pendants in China. Die Börse wurde 1878 gegründet und 1943 mit anderen kleineren Börsen des Landes zur einzigen Börse Japans zusammengeschlossen. Seit 1999 gbt es keinen Parketthandel mehr, sondern nur noch den elektronischen Börsenhandels. Ihren größten Tiefpunkt erlebte das Haus im November 2005, als wegen eines Programmfehlers stundenlang nicht gehandelt werden konnte. Im Januar 2010 gab die Tokioter Börse den Start eines neuen schnellen Handelssystems mit dem Namen Arrowhead bekannt, das eine Latenzzeit von 5 Millisekunden haben soll. Das Handelsvolumen betrug 2010 3,8 Billionen Dollar.
Platz 4: London Stock Exchange/TMX Mit einem Handelsvolumen von 4,1 Billionen Dollar steht die Londoner Stock Exchange auf dem ersten Platz der größten Börsen Europas und weltweit auf Rang 4. Kein Wunder 2004 hatte die Deutsche Börse Interesse an einer Übernahme - das Angebot war der LSE allerdings zu niedrig. Mit 3 000 handelnden Unternehmen aus über 70 Ländern ist die Londoner Börse gleichzeitig auch der internationalste aller Handelsplätze und über 300 Jahre alt.
Platz 3: Shanghai Stock Exchange Die Börse Shanghai wurde im November 1990 als Wertpapierbörse in Shanghai in der Sonderwirtschaftszone Pudong gegründet. Heute ist sie mit einem Handelsvolumen von 4,5 Billionen Dollar die wichtigste Börse auf dem chinesischen Festland und im weltweiten Vergleich die Nummer 3.
Platz 2: Nasdaq OMX Im Februar ist die Nasdaq 40 Jahre alt geworden. Die Stimmung zum Jubiläum hätte besser sein können. Kritiker frotzeln: Die Revolutionäre sind alt geworden: Die Geschichte der Nasdaq begann 1961 zurück. Der US-Kongress ließ bei der Börsenaufsicht SEC das außerbörslichen Geschehen im sogenannten "Over the Counter"-Markt (OTC) beobachten, also dem außerbörslichen Handel mit Wertpapieren. Das Ergebnis war ernüchternd. Es brauchte ein System, dass diese unregulierten Geschäfte erfasste ...

Auf die Frage, ob Francioni der Richtige an der Spitze der Deutschen Börse sei, antwortete Gebhardt: „Hin und wieder muss es einen Neuanfang geben – in welcher Form auch immer.“ Francioni habe über die letzten Jahre mehrere Deals versucht und sei gescheitert. „Gerade an Herrn Francioni geht das Ganze nicht spurlos vorbei“, sagte Gebhardt.

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Gebhardt sieht auch Probleme im Geschäftsmodell der Börse. „Das Geschäftsmodell hat sich einfach zu wenig nach vorn entwickelt. Da hatte die Börse in den letzten Jahren zu wenig neue Ideen. Als Aktionär der Deutschen Börse kann ich nicht zufrieden sein.“ DWS bemängelt, dass die Börse zu wenig auf Kundenwünsche eingeht. „Die Börse hat in den letzten Jahren vor allem im Aktienhandel Marktanteile an andere Anbieter verloren. Da muss man in Klausur gehen und sagen: Was kann man auf eigener Basis besser machen?“

Die Deutsche Börse müsse eine klare Antwort darauf geben, wie man sich erfolgreich außerhalb der europäischen Märkte entwickeln wolle. „Die Musik spielt in Asien, da wird der Kuchen jetzt verteilt. Mich beschleicht die Ahnung, dass die Börse dort nicht immer der gewünschte Partner ist. Das Unternehmen muss auch stärker darauf hören, was seine Kunden wollen. Diese bemühen sich zu oft um Alternativen, weichen auf neue Plattformen wie Chi-x oder Bats aus. Das muss die Börse stoppen. Große Visionen dürfen nicht dazu führen, dass das Tagesgeschäft vernachlässigt wird.“

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