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Deutsche Börse „Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe“

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Hauptsitz London?

Da hilft es auch nichts, dass Kengeters neuer Pressechef sich eine geschickte PR-Strategie überlegt hat: Der Vorstand soll Fragen eines Journalisten nicht wie zuvor bei der Börse üblich erst beantworten, bevor ein neuer Fragesteller an der Reihe ist. Nein, der neue Pressechef bündelt die Fragen mehrerer Redakteure – da fällt es schließlich nicht so auf, dass Kengeter die eine oder andere Frage mal unter den Tisch fallen lässt.

An einer Frage aber kommt er dann doch nicht vorbei: Wann würde er zurücktreten – erst im Fall einer Anklage oder nach einem Urteil? Kengeter soll schließlich Chef der fusionierten Börse in seiner Wahlheimat London werden. „Das sind rein spekulative Fragen, die ich nicht aufnehmen kann, da werde ich nicht drauf eingehen“, erwiderte Kengeter nur.

Angeblich seit Sommer 2015 in Gesprächen über eine Fusion mit London

Die Ermittlungen der Frankfurter Fahnder kommen für Kengeter zur Unzeit. Die wettbewerbsrechtliche Prüfung der EU-Kommission, an der die Fusion scheitern kann, steht kurz vor dem Abschluss. Und danach muss die hessische Börsenaufsicht den Deal durchwinken. Die Aufseher sollen von dem Fusionsvorhaben erst im Februar 2016 aus der Zeitung erfahren haben. Sie sehen es gar nicht gerne, dass die Fahnder in einer Pressemitteilung geschrieben haben, dass man bei der Börse schon seit Sommer 2015 in Gesprächen über eine Fusion mit London gewesen sei. Die Fahnder werten die „bis dato nicht veröffentlichten Vertragsgespräche“ als geheime Insiderinformation und verfolgen Kengeter daher nun wegen seiner Aktienkäufe.

Den Hessen schmeckt es auch nicht, dass die fusionierte Börse ihren Hauptsitz in London haben soll. Und die Journalisten bohren nach: Kann man an dieser Tatsache nachträglich noch etwas ändern und den Sitz etwa nach Frankfurt verlegen? Nein, hatte Kengeter früher schon mal durchblicken lassen. Vertrag ist schließlich Vertrag und dem haben die Aktionäre nun mal so zugestimmt, wie er ist. Den Vertrag kann man nicht einfach ändern. Doch in der Pressekonferenz sagt Kengeter das nicht. Er sucht Ausflüchte, faselt irgendetwas davon, dass doch gerade die Prüfung der EU laufe und danach die Hessen mit ihrer Prüfung dran seien. Er wolle dem Ganzen nicht vorgreifen. Wahr ist aber auch, dass es seinen Fusionspartner in London verärgern würde, falls Kengeter jetzt öffentlich die Frankfurt-Karte ziehen würde.

Da erledigt er lieber eins nach dem anderen. Und Probleme hat er derzeit ja ohnehin schon genug.

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