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Deutsche Börse Kengeter stellt Doppel-Holding in Frankfurt und London in Aussicht

Die Zweifel an einem Sitz der fusionierten Börse in London werden immer größer. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter steuert nun offenbar gegen.

Deutsche Börse-Chef Kengeter stellt für die Fusion mit der Londoner Börse eine Doppelholding in Aussicht. Quelle: dpa

Die geplante Börsenhochzeit zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange (LSE) ist trotz des Brexit-Votums der Briten noch nicht vom Tisch. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hinter den Kulissen Kritiker umwirbt, indem er ihnen eine Doppel-Holding in London und Frankfurt in Aussicht stellt. Es gebe also einen Sitz innerhalb der EU, wie es unter anderem von der Finanzaufsicht Bafin gewünscht wird.

Die Aufseher hatten deutlich gemacht, dass sie die Ansiedlung der fusionierten Börse in London für nicht akzeptabel hielten. "Es ist schwer vorstellbar, dass der wichtigste Börsenplatz im Euro-Raum von einem Standort außerhalb der EU gesteuert wird", sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld. Da werde man sicher nachjustieren müssen.

Problematisch ist, dass im offiziellen Fusionsangebot bisher nur London als Hauptsitz genannt wird. Offenbar wurden die Verantwortlichen vom Ausgang des Referendums in Großbritannien überrascht. Daher sollen dem offiziellen Angebot laut "SZ" nun sogenannte Nebenabreden beigelegt werden. Rechtlich bindend wären diese allerdings erst, wenn die Fusion vollzogen ist und das oberste Entscheidungsgremium zugestimmt hat.

Diese Städte wollen das nächste London sein
Die irische Hauptstadt lockt vor allem mit niedrigen Steuersätzen für Unternehmen. Damit hat Irland bereits große US-Konzerne überzeugt – und zugleich Kritik auf sich gezogen. Der IT-Riese Google zum Beispiel muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er deutschen Fiskus austrickst. Quelle: imago
Um sich dem Zugriff des Staates zu entziehen, verschieben einige Unternehmen über ihre Niederlassungen in Irland Gewinne in andere Steueroasen. Punkten kann Dublin natürlich auch damit, dass Englisch gesprochen wird. Gegen den Standort spricht aber, dass er nicht gerade zentral in der EU liegt und auch nicht gerade viele Banker unbedingt dort hinziehen werden. Quelle: imago
Der französische Staatschef François Hollande hat gleich Paris als Alternative zu London ins Spiel gebracht – und Banken Hoffnungen auf Steuererleichterungen gemacht . Die Regierung müsse daher „unsere Regeln, darunter die fiskalischen, anpassen, um den Finanzplatz Paris attraktiver zu machen“, sagte Holland. Paris hat als Bankenstadt bereits eine Bedeutung – allein schon, weil die großen französischen Banken dort ihren Hauptsitz haben. Quelle: REUTERS
Und wenn es um Kultur, Lifestyle und Nachtleben geht, hängt Paris sowieso alle anderen Städte ab. Die Attraktivität Paris‘ ist zugleich ein Manko. Die Stadt ist extrem teuer, die Wege sind weit.   Quelle: imago
Dass Luxemburg ein wichtiger Finanzplatz in der EU ist, ist unbestritten. Viele Banken, Fondsgesellschaften und Dienstleister haben dort große Büros. Der Großteil der Fonds, die in Deutschland verkauft werden, wurde nach den Luxemburger Regeln gestartet. Quelle: dpa
Und ähnlich wie Dublin hat auch das Großherzogtum Unternehmen mit geringen Steuersätzen angelockt. Diese Praxis ist aber mehr denn je hochumstritten. Zudem ist die Stadt mit rund 110.000 Einwohnern alles andere als groß. Fraglich wäre, ob dort einfach tausende weiterer Banker hinziehen könnten. Quelle: imago
New York ist das globale Finanzzentrum. Entsprechen viele Banken aus aller Welt haben ohnehin einen großen Standort dort. Deshalb dürfte in einigen Fällen – wenn es nicht um Europageschäft geht – naheliegend sein, Jobs von London nach New York zu verlagern. In einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group nannten Topbanker von sich aus New York  als beste Alternative zu London. Quelle: AP

Zunächst haben am Montag die Anteilseigner der LSE der geplanten Fusion mit einer deutlichen Mehrheit von 99,92 Prozent zugestimmt. Auf dem Weg zur Fusion galt dies aber als eines der kleinsten Hindernisse. Die Eigentümer der Deutschen Börse stimmen am 12. Juli über den geplanten Zusammenschluss ab. Laut Informationen der "SZ" rechnet Kengeter mit einer deutlichen Mehrheit von rund 95 Prozent, erforderlich ist eine Mehrheit von zwei Dritteln der Aktionäre.

Ein Referendums-Komitee von Deutscher Börse und LSE soll sich in den kommenden Wochen mit Reaktionen auf den Brexit befassen. Die große Frage ist Insidern zufolge, ob auch die britische Politik bereit ist, nach dem Brexit einen Sitz der Mega-Börse in der EU zu akzeptieren - die Deutsche Börse stellt mit Kengeter schließlich schon den Vorstandschef. Sollte Großbritannien sich beim Hauptsitz nicht bewegen, ist die Fusion aus Sicht von Insidern zum Scheitern verurteilt. Politische Sondierungsgespräche sind auf der Insel derzeit allerdings schwierig. Schließlich steht nicht fest, wer die Nachfolge von Premierminister David Cameron antritt.

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