Deutsche Börse Privatanleger bleiben auf der Strecke

Viele Unternehmen wollen noch schnell an die Börse. Doch hohe Einstiegspreise machen den Markt kaputt - und verprellen Anleger.

Parkett der Deutschen Börse in Frankfurt am Main Quelle: dpa

Die Zeit drängt, das Sommerloch steht an, die Aktienkurse fallen. Immer mehr Unternehmen wagen sich daher in diesen Tagen aus der Deckung. Sie wollen an die Börse. Die Finanzaufsicht BaFin prüft aktuell noch fünf Wertpapierprospekte von Börsenkandidaten, und auch das Frankfurter Börsenparkett, so hört man, wurde rege für Erstnotierungspartys gebucht. In den Startlöchern stehen etwa der Modehändler CBR, das auf Berliner Immobilien spezialisierte Unternehmen Ado Properties, Ökoenergieproduzent Chorus Clean Energy und die Deutsche Pfandbriefbank pbb. Letztere ist der gesunde Teil der verstaatlichten Pleitebank Hypo Real Estate. Dass so viele noch schnell an die Börse wollen, lässt sich nicht allein mit der bevorstehenden Urlaubszeit erklären. Aktienverkäufer und Banken wollen die immer noch vergleichsweise hohen Börsenkurse nutzen, bevor etwa eine mögliche Griechenlandpleite Investoren die Laune verdirbt.

Per se habe ich nichts gegen Börsengänge (IPOs). Was mir aber nicht gefällt: Auffällig oft überziehen Investmentbanker jetzt beim Preis. Sie versuchen, selbst verlustträchtige Unternehmen überteuert an den Markt zu bringen. Weil hinter vielen IPOs große Banken mit vielen Kunden stehen, schaffen sie es oft sogar, die Aktien zum IPO teuer zu verticken. Danach folgt der Kurssturz.

Neulinge auf dem Parkett: Wer jetzt an die Börse geht

Jüngster Rohrkrepierer: der defizitäre Online-Händler windeln.de. Seit dem Börsengang Anfang Mai ist die Aktie um rund 36 Prozent gefallen. Aktuell ist windeln.de noch gut 300 Millionen Euro an der Börse wert. Es war ein Absturz mit Ansage: Keine eineinhalb Jahre vor dem IPO ist die Internet-Bude nur mit 95 Millionen Euro bewertet worden. Vertrauen gewinnt man anders.

Teuer auch der Online-Schmuckhändler Elumeo. Er peilt 250 Millionen Euro Börsenwert an, obwohl er 2015 weniger als 90 Millionen Euro umsetzen dürfte. Übersetzt: Banken verlangen den 2,8-fachen Jahresumsatz. Komisch: Der börsennotierte Schmuckhändler Bijou Brigitte kommt auf weniger als die Hälfte.

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Wenig elegant war auch der abgesagte Börsengang der Parfümeriekette Douglas. Stattdessen übernimmt nun der Finanzinvestor CVC Capital Partners die Mehrheit vom bisherigen Mehrheitsaktionär, dem Finanzinvestor Advent.

Ich werde das Gefühl nicht los: Gute Unternehmen werden weggeschnappt, der Rest teuer vertickt. Börse macht so keinen Spaß, der Markt wird zerstört. Wie sollen sich Privatanleger wieder nachhaltig für Aktien begeistern, wenn sie solche Dinge beobachten? Die Banker, deren Honorar auch vom Preis der beim IPO verkauften Aktien abhängt, sollten überlegen, was sie wollen: das schnelle Geld oder langfristig im Geschäft bleiben – auch mit privaten Anlegern.

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