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Deutsche Börse Siemens Healthineers steigt in TecDax auf

Bei den deutschen Aktienindizes gibt es Bewegung: Delivery Hero, Scout24 und Puma sind ab dem 18. Juni im MDax. Stada muss ihn hingegen verlassen.

Siemens Healthineers hat den Sprung in den TecDax-Index geschafft. Quelle: Reuters

FrankfurtIn den Dax-Indizes gibt es zahlreiche Änderungen. Das gab die Deutsche Börse nach ihrer quartalsweisen Überprüfung der Indizes am Dienstagabend bekannt. Die größte Neuerung: Der Börsenneuling Siemens Healthineers zieht in den TecDax ein und wird zum viertschwersten Unternehmen in dem 30 Werte umfassenden Technologie-Index werden. Siemens hatte seine Medizintechniksparte Mitte März mit einem Volumen von knapp 4,2 Milliarden Euro erfolgreich an die Börse gebracht. Die Aktie hat seitdem mehr als 20 Prozent zugelegt.

Siemens Healthineers ersetzt Aumann. Der auf die Autobranche spezialisierte Maschinenbauer wird künftig nicht mehr als Technologiewert geführt und wechselt in den Kleinwerte-Index SDax. Dort trifft Aumann auf die DWS. Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank war ebenfalls im März an die Börse gegangen.

Die Anteilsscheine haben sich seitdem zwar enttäuschend entwickelt und notieren rund 15 Prozent unter ihren Ausgabepreis. Dennoch erfüllt Deutschlands in diesem Jahr zweitgrößter Börsengang die Kriterien für die Indexaufnahme. Genauso wie der Kochbox-Versender Hellofresh, der im November 2017 an die Börse gegangenen war.

Zudem steigen der Abfüllanlagenhersteller Krones sowie das Büro-Immobilienunternehmen Alstria Office vom MDax – dem Index der mittelgroßen Unternehmen – in den SDax ab.

Den SDax verlassen im Gegenzug die Aktien des IT-Dienstleisters Diebold Nixdorf und des Online-Wettanbieters Bet-at-home, ebenso wie die Titel des Online-Plattform-Betreibers Scout24, des Essenslieferanten Delivery Hero sowie des Sportartikelherstellers Puma, die in den MDax aufsteigen.

Wenig überraschend endet im MDax zudem die Mitgliedschaft der Aktie von Stada. Index-Experten hatten den Abschied des Generikaherstellers schon seit Monaten vorhergesehen. Es galt nur als „eine Frage der Zeit“, bis die Aktie des Bad Vilbeler Pharmaunternehmens nach erfolgreicher Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven den MDax verlässt – spätestens seit dem Ende März angekündigten Antrag des Stada-Vorstandes an die Frankfurter Wertpapierbörse, die Aktien aus dem streng regulierten Börsenbereich Prime Standard zu entfernen.

Der Schritt wurde von Marktbeobachtern als Signal der Stada-Käufer an die verbliebenen Anteilseigner gesehen, ihre Aktien möglichst umfänglich anzudienen. Denn nur Firmen, die im Prime-Segment geführt werden, können der Dax-Familie angehören. Und nur wer ihr angehört, steht in der Regel im Fokus der Investoren. Da der Pharmaproduzent in das weniger streng regulierte Börsensegment General Standard wechselt, steigt er auch nicht in den SDax ab.


Das sind die Regeln für die Indexzuteilungen

Anders als bei den deutschen Nebenwerteindizes bleibt beim Leitindex Dax alles beim Alten. Die jetzt beschlossenen Änderungen werden zum 18. Juni wirksam.

Die meisten basieren auf den sogenannten „Fast Entry“- und „Fast Exit“-Regeln der Deutschen Börse, nach denen der Börsenbetreiber seine Indizes zusätzlich zu seinen regulären Prüfungen weiteren Untersuchungen unterzieht. Dafür gibt es wie bei den regulären Prüfungen zwei Kriterien: erstens die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien gemessen am Durchschnittskurs der vergangenen 20 Handelstage und zweitens den Börsenumsatz.

Allerdings sind die Hürden für einen Wechsel in den Indizes bei den außerordentlichen Prüfterminen höher. Die reguläre Prüfung für den deutschen Leitindex Dax findet jährlich im September statt. Für MDax, SDax und TecDax gibt es zusätzlich im März eine reguläre Überprüfung. Die zusätzlichen Überprüfungen nach den „Fast-Entry“- und „Fast-Exit“-Regeln werden jeweils am dritten Handelstag in den verbleibenden Quartalsendmonaten durchgeführt – so wie jetzt im Juni.

Die außerordentlichen Indexanpassungen verfolgen laut dem Börsenbetreiber den Zweck, signifikanten Verschiebungen auf den Ranglisten Rechnung zu tragen, die etwa durch Großemissionen wie bei Siemens Healthineers oder DWS entstehen können.

Die Fast-Exit und -Entry Regeln im Detail: Ein Unternehmen wird aus dem Index genommen, wenn es sich in einem der beiden Kriterien Marktkapitalisierung oder Börsenumsatz nicht mehr auf den entsprechenden Rängen 45 im Dax, 65 im MDax, 115 im SDax und 45 im TecDax befindet.

Ersetzt wird das bisherige Indexmitglied durch einen Nicht-Index-Wert, der bei der Marktkapitalisierung und dem Börsenumsatz mindestens Rang 35 im Dax, 55 im MDax, 105 im SDax und 35 im TecDax erreicht.

Neu aufgenommen in den jeweiligen Index wird ein Unternehmen, wenn es sich in beiden Prüfkriterien mindestens auf Rang 25 im Dax, 45 im MDax, 95 im SDax und 25 im TecDax befindet. Aus dem Index scheidet jener Wert aus, der in mindestens einem der beiden Kriterien einen Rang schlechter als 35 im Dax, 55 im MDax, 105 im SDax und 35 im TecDax aufweist.

Der nächste Termin für eine planmäßige Überprüfung der Indizes ist der 5. September 2018.

Die Aufnahme in einen namhaften Index bedeutet in der Regel wesentlich mehr Aufmerksamkeit für diese Unternehmen, insbesondere von Seiten internationaler Investoren. Wichtig sind Veränderungen in den Börsenmesslatten zudem für die boomenden passiven Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs), die einfach Börsenbarometer strikt nachbilden statt ausgeklügelte eigene Anlagestrategien zu verfolgen. Wer also in die Indizes aufgenommen wird, wird auch von diesen Fonds gekauft. Und wer rausfliegt, wird verkauft.

So werden in Deutschland beispielsweise fünf ETFs auf den MDax angeboten, die insgesamt immerhin auf ein Anlagevolumen von rund 3,3 Milliarden Euro kommen. Änderungen in deren Investitionsverhalten können daher schon bei den mittelgroßen Unternehmen spürbare Auswirkungen auf die Aktienkurse ausüben. Erst recht aber gilt dies für Deutschlands erste Börsenliga im Dax: Allein die hierzulande gehandelten Dax-ETFs konzentrieren derzeit über 17 Milliarden Euro Anlagegeld auf sich. Das sind mehr als 1,3 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung im Bluechip-Index.

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