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Deutsche Börse und Nyse Euronext Gericht bestätig Fusionsverbot

2012 wollte die Deutsche Börse mit der New Yorker Börse zur weltweiten Nummer Eins werden. Die EU-Kommission machte einen Strich durch die Rechnung. Und zwar zu Recht, wie das EU-Gericht nun entschieden hat.

Diese Unternehmen haben 2014 die Börse gerockt
AlibabaDem chinesischen Online-Riesen gelang der größte Börsengang der Finanzgeschichte: Alibaba nahm bei der Aktienplatzierung in New York am 19. September über 25 Milliarden Dollar ein. Seitdem stieg der Kurs um 20 Prozent, Alibaba ist nun 280 Milliarden Dollar wert. Quelle: REUTERS
NN GroupDer größte Börsengang in Europa war das IPO der NN Group, der Versicherungssparte des Finanzkonzerns ING mit einem Emissionsvolumen von 2,4 Milliarden US-Dollar, vor dem IPO des britischen Verkehrsclubs AA, der 2,36 Milliarden US-Dollar einbrachte. Insgesamt gab es im Jahr 2014 sieben Börsengänge deutscher Firmen in Frankfurt und elf Emissionen von ausländischen Unternehmen, die zusammen 3,4 Milliarden Euro einbrachten. Quelle: REUTERS
SLM SolutionsIm Mai wagte sich das erste deutsche Unternehmen an die Börse. Die IPO des Lübecker 3D Drucker-Herstellers SLM Solutions fiel jedoch kleiner aus als geplant. Das Unternehmen teilte nur zehn Millionen statt der geplanten bis zu 11,2 Millionen Aktien zu. Der Preis lag mit 18 Euro am unteren Ende der bis 23 Euro reichenden Preisspanne. Der SLM-Börsengang hatte damit ein Volumen von 180 Millionen Euro. Quelle: dpa
Braas Monier Im Juni machte der Dachpfannen- und Schornstein-Hersteller Braas Monier den bis dato größten Börsengang des Jahres in Deutschland perfekt. Das Unternehmen und seine Eigentümer nehmen mit der Emission bis zu 541 Millionen Euro ein. Die bis zu 22,5 Millionen Braas-Monier-Aktien würden zu je 24 Euro ausgegeben und damit im unteren Viertel der Preisspanne, die von 23 bis 28 Euro reichte. Allerding verlief der eigentliche Börsenstart. Mit 23,40 Euro wurden die Aktien zu Beginn des Handelstags unter dem Ausgabepreis von 24 Euro gehandelt. Quelle: dpa
Rocket InternetDer Startup-Entwickler Rocket Internet schürte große Erwartungen. Rocket Internet nahm 1,4 Milliarden Euro ein, doch die Aktie kippte beim Debüt am 2. Oktober unter den Ausgabepreis. Inzwischen gibt es ein Kursplus von 50 Prozent, Rocket ist 8,3 Milliarden Euro wert. Quelle: dpa
ZalandoDer Mode-Händler Zalando gab seinen Aktionären erst keinen Grund, vor Glück zu schreien. Die Zalando-Aktie fiel gleich zum Start am 1. Oktober unter den Ausgabepreis und erholte sich erst nach guten Quartalszahlen. Der Marktwert liegt damit bei 5,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
GoProDer US-Hersteller von Abenteuerkameras begann als Hobby-Projekt - und ist heute zehn Milliarden Dollar wert. Schon beim Börsengang am 27. Juni sprang die Aktie von GoPro um mehr als 30 Prozent über den Ausgabepreis. Seit dem Debüt stieg der Kurs um mehr als 150 Prozent. Quelle: REUTERS

Gut drei Jahre nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse Euronext hat die Deutsche Börse eine weitere Schlappe erlitten. Das Gericht der Europäischen Union erklärte, die EU-Kommission habe die Hochzeitspläne Anfang 2012 zu Recht durchkreuzt. Insbesondere im Börsenhandel mit europäischen Finanzderivaten hätte der Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber zu einer erheblichen Wettbewerbsbeschränkung geführt.

Die Deutsche Börse gibt sich jedoch noch nicht geschlagen. "Das Unternehmen ist nach wie vor der Meinung, dass die EU-Kommission eine zu enge Marktdefinition verwendet hat. Die Deutsche Börse AG wird prüfen, ob sie gegen das nicht rechtskräftige Urteil Rechtsmittel einlegt", so das Unternehmen. Eine Revision würde binnen zwei Monaten bei der höchsten EU-Instanz, dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), landen.

Europas oberste Wettbewerbshüter hatten damals den Zusammenschluss des Frankfurter Dax-Konzerns mit der New Yorker Börse wegen kartellrechtlicher Bedenken untersagt. Die Behörde fürchtete ein Quasi-Monopol auf dem Markt für europäische Finanzderivate, also Finanzwetten. Dagegen klagte die Deutsche Börse. Das Gericht wies die Klage nun in allen Punkten zurück. Die EU-Kommission habe weder einen Rechtsfehler noch einen Ermessensfehler gemacht.

Weitere gescheiterte Börsenfusionen

Der juristische Schlagabtausch bringt für den konkreten Fall zwar nichts mehr, denn die Nyse wurde inzwischen von der US-Börse ICE übernommen und ist damit vom Markt. Die Euronext wurde im vergangenen Jahr separat an die Börse gebracht. Die Branchenkonsolidierung hat in den vergangenen Jahren weitgehend ohne die Deutsche Börse stattgefunden. Der EuGH könnte allerdings grundsätzlich das Feld abstecken und Klarheit für künftige Deals schaffen.

Für die Anleger waren die Nachrichten zu Wochenbeginn keine große Überraschung. Die Deutsche-Börse-Aktie verlor bis zum Mittag gut ein Prozent und damit nur etwas mehr als der Gesamtmarkt.

Deutsche Börse legt Fokus auf Asien

Bei der Bilanzvorlage im Februar hatte der scheidende Vorstandschef Reto Francioni nochmals bekräftigt, die Fusion „wäre gut gewesen für Europa und den Markt“. Er würde das Brüsseler Verbot „nicht als größte Niederlage bezeichnen, eher als größte Enttäuschung“ seiner fast zehnjährigen Amtszeit. Der Schweizer verlässt nach der Hauptversammlung am 13. Mai die Deutsche Börse, an deren Spitze er seit Oktober 2005 stand. Francionis Posten übernimmt zum 1. Juni der frühere oberste Investmentbanker der schweizerischen Großbank UBS, Carsten Kengeter.

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Für Francioni war die Nyse nicht die erste gescheiterte Großfusion. Die Deutsche Börse hatte vor einigen Jahren mehrere Fusionen angestrebt, die sich aber nicht realisieren ließen. Vor dem Verbot für die Fusion mit der Nyse waren bereits Pläne zur Übernahme der Londoner Börse LSE und zur Übernahme der Vierländerbörse Euronext geplatzt. Die Deutsche Börse hat sich inzwischen anders orientiert und sucht ihr Heil vor allem in kleineren Partnerschaften in Asien.

Die Weichen für die Börse hat Francioni bereits gestellt: Bis auf weiteres treibt das Unternehmen keine Mega-Fusionen mehr in Europa und den USA voran, sondern lotet stattdessen Kooperationen in Asien aus. In naher Zukunft könnte dem Konzern hier eine umfassende Zusammenarbeit mit der Shanghai Stock Exchange (SSE) glücken, wie die Börse unlängst bestätigt hat.

Durch die Kooperation der beiden Börsenbetreiber sollen chinesische Investoren Zugang zum deutschen und europäischen Finanzmarkt erhalten. Zudem wollen die Unternehmen die deutsch-chinesische Finanzmarktinfrastruktur ausbauen und die Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi vorantreiben.

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