Deutsche Börse Wiederwahl Fabers ist nur eine Notlösung

Joachim Faber will sich mit einem Kompromiss auf seinem Posten als Aufsichtsratschef der Deutschen Börse halten. Quelle: REUTERS

Aktionärsberater empfahlen den Investoren auf der Hauptversammlung, Joachim Faber die Entlastung zu verweigern. Der angeschlagene Aufsichtsratschef kann sich aber mit einem Kompromiss auf seinem Posten halten.

Der 68-jährige Joachim Faber ist seit 2012 oberster Kontrolleur bei der Deutschen Börse und soll auf diesem Posten dafür sorgen, dass die Manager im Sinne ihrer Aktionäre handeln. Auf der Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch stand er nach dem Schreckensjahr 2017 im Zentrum der Kritik. Was den Aktienkurs betrifft, haben sich Fabers Weichenstellungen zwar ausgezahlt. Er holte den mittlerweile zurückgetretenen Chef Carsten Kengeter, um mehr Wind in das vorher ziemlich träge Unternehmen zu bringen. Seit Kengeters Amtsantritt ist der Börsenkurs um 83 Prozent gestiegen, fast doppelt so stark wie der Aktienindex Dax.

Doch Kengeters Großprojekt, der Zusammenschluss mit der Londoner Börse, scheiterte. Noch schlimmer: Kengeter trat nach einer langen Hängepartie wegen des Verdachts des Insiderhandels in Zusammenhang mit einem überdimensionierten Aktien-Bonusprogramm zurück, dass Aufsichtsratschef Faber extra für ihn geschnürt hatte. Ein schlechteres Bild kann ein Unternehmen nicht abgeben, dass als Betreiber einer amtlichen Börse eigentlich ein leuchtendes Vorbild bei der Beachtung von Kapitalmarktregeln abgeben sollte. Aktionärsanwalt Nieding vergleicht das in seiner Rede beim Aktionärstreffen mit dem Verdacht gegen einen Bankvorstand, der Falschgeld in Umlauf gebracht habe. Angesichts der Verantwortung von Faber ist Kengeter aus Niedings Sicht nur ein Bauernopfer.

Als Aufsichtsratschef trägt Faber die fachliche und politische Verantwortung für dieses Versagen. Immerhin hat Faber mit dem Banker Theodor Weimer einen neuen Chef geholt, der Aufbruchstimmung verbreitet und die Fehler der Vergangenheit auf keinen Fall wiederholen will.

Umstritten bleibt er als Aufsichtsratschef trotz der Wiederwahl. Wichtige Aktionärsberater empfahlen den Investoren, Faber auf der Hauptversammlung die Entlastung zu verweigern. Ein Aktionärsberatungsunternehmen forderte, dass Faber sich während der bevorstehenden Amtszeit von drei Jahren zurückziehen soll. Allerdings wurde seine Wiederwahl von vielen unterstützt, um nicht unnötig weitere Unruhe in das Unternehmen zu bringen – eine Notlösung also. Internationale institutionelle Investoren stimmen standardmäßig oft so ab, wie die Aktionärsberater es empfehlen.

Wohl um den Druck auf seine Person zu reduzieren, hat Faber schon vor dem Aktionärstreffen durchblicken lassen, nach der Hauptversammlung nicht für die volle Amtszeit auf seinem Posten bleiben zu wollen. Um eine klare Ansage drückte er sich bei seiner Ansprache vor den Aktionären aber herum. Faber kündigte an, im Fall seiner Wiederwahl in den Aufsichtsrat wieder für den Vorsitz kandidieren zu wollen. Allerdings behalte er sich vor, einen Übergang beim Vorsitzposten einzuleiten. Einen Zeitpunkt dafür kann er nicht nennen, wie er sagt.

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