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Deutsche Telekom Was Telekom-Aktionären blüht

Nach dem gescheiterten Verkauf der US-Sparte sind die letzten Hoffnungen auf eine Wiederauferstehung der Volksaktie zerstört: Wichtige Bilanzkennzahlen der Deutsche Telekom signalisieren Schwäche, ob die hohe Dividende dauerhaft zu halten sein wird, ist fraglich. Worauf sich Aktionäre und Anleihegläubiger einstellen sollten.

Ein Telekom-Logo wird abmontiert Quelle: REUTERS

Der Milliarden-Traum vom Verkauf der US-Tochter ist geplatzt. René Obermann wird am morgigen Donnerstag in der durch die vierspurige Friedrich-Ebert-Allee in Bonn zerschnittenen Telekom-Zentrale eine rasante Kehrtwende verteidigen müssen.

Ganz im „Sinne unserer Strategie“ („Verändern, verbessern, erneuern“) und die „beste Lösung für unser Unternehmen, unsere Kunden und unsere Aktionäre“ sei der Verkauf von T-Mobile USA an den Konkurrenten AT&T, hatte der Telekom-Chef vor elf Monaten frohlockt. Doch die US-Kartellwächter untersagten das Geschäft, kurz vor Weihnachten 2011 löste Obermann die Verkaufsvereinbarung mit AT&T.

Nun müsste er verkünden, dass sich wohl doch nichts verändert, verbessert oder erneuert hat. Die Bilanzpressekonferenz der Bonner am Donnerstag böte dafür die beste Gelegenheit.

Chart: Die Aktie der Deutschen Telekom

Aktienkurse der Telekomriesen

"Schwacher Ausblick"

Der Verkauf des US-Geschäfts war als Befreiungsschlag für Aktionäre und Gläubiger der Telekom geplant. Das einst für 56 Milliarden Dollar inklusive Schulden teuer erworbene US-Geschäft wollte Obermann nach mehr als einem Jahrzehnt für noch 39 Milliarden Dollar verkaufen – und damit eine teure Altlast begraben. Die Börse jubelte, die T-Aktie machte einen Satz von bis zu 16 Prozent und erreichte mit mehr als elf Euro den höchsten Kurs seit zwei Jahren.

Die Talfahrt der T-Aktie
Deutsche Telekom Quelle: dpa
Ron Sommer zeigt den Ausgabepreis der Telekom-Aktie Quelle: dpa
Die Strategie von Telekom-Chef Ron Sommer fußte auf der Aufspaltung des riesigen ehemaligen Staatskonzerns in vier Geschäftsfelder  (T-Com, T-Mobile, T-Online und T-Systems). Ursprünglich sollte jede einzelne Gesellschaft an die Börse gehen. Letztlich gelang dies nur bei der Internet-Tochter T-Online, die ab dem 17. April 2000 an der Börse debütierte. Ausgegeben wurden die Aktien zum Stückpreis von 27 Euro, die Telekom nahm so 2,7 Milliarden Euro ein. Quelle: AP
Im Sommer 2000 ersteigerte die Mobilfunktochter T-Mobile UMTS-Lizenzen für einen Preis von umgerechnet 8,5 Milliarden Euro, die sich lange Jahre mangels entsprechender Kundennachfrage und Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung als relativ nutzlos erwiesen. Quelle: Reuters
Der Kurs der Telekom-Aktie von 2000 bis Anfang 2012
Im Mai 2001 kaufte die Telekom die US- Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für umgerechnet mehr als 39 Milliarden Euro einschließlich der übernommenen Schulden – was heftige Kritik an Konzernchef Ron Sommer hervorrief. Erst 2005 galt die mittlerweile in T-Mobile USA umbenannte Mobilfunksparte als rentabel. Quelle: AP
Anfang 2001 führte eine Wertberichtigung von Immobilienwerten um 2,2 Milliarden Euro in der Bilanz für 2000 zu einer Klagewelle von Privataktionären, die sich betrogen fühlten. Aufgedeckt hatte die allzu optimistische Bewertung der Telekom-Immobilien in der Bilanz das Anlegermagazin „Die Telebörse“ aus der Verlagsgruppe Handelsblatt. Quelle: dpa

Doch nun heißt es zurück auf Los – mit erheblichen Konsequenzen für Anleger, die von ihrer Lieblingsaktie Telekom nicht lassen können. Und das sind nicht wenige: Nach Angaben der Münchner Tetralog Systems befindet sich das T-Papier in fast jedem fünften deutschen Privatanleger-Depot – häufiger als jede andere Aktie. Zudem sind viele private Investoren Gläubiger der Bonner: 41 Schuldtitel der Telekom, meist mit einer privatanlegerfreundlichen Stückelung von 1000 Euro herausgegeben, sind an den Börsen notiert.

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