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Devisen Euro knackt Marke von 1,20 US-Dollar

Nach dem erneuten Nordkorea-Raketentest suchen Anleger Sicherheit – aber nicht den US-Dollar. Der Euro steigt zum Greenback auf ein neues Mehrjahreshoch. Verliert der Dollar seinen Nimbus als sicherer Anlagehafen?

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Die europäische Gemeinschaftswährung notiert so stark wie seit Anfang 2015 nicht mehr. Quelle: Reuters

Frankfurt Nach einem erneuten Raketentest Nordkoreas gingen Anleger verstärkt in sichere Anlagehäfen: Und dazu zählt bei den Währungen neben dem japanischen Yen und Schweizer Franken auch der Euro. Gegen 9 Uhr notierte die europäische Gemeinschaftswährung wieder über der Marke von 1,20 US-Dollar – so hoch wie seit Anfang 2015 nicht mehr. Zuerst wurde in den frühen Handelsstunden ein Euro für 1,1976 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montagnachmittag auf 1,1925 (Freitag: 1,1808) Dollar festgelegt.

„Der Euro wirkt zu allen Schandtaten bereit“, heißt es in einer Analyse der DZ Bank vor dem Kursgewinn am heutigen Dienstag. Auffallend sei, dass nach dem Nordkorea-Raketentest sich die Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten deutlich in aufwertendem Yen und Franken niedergeschlagen, der US-Dollar sich aber nicht als sicherer Hafen der Wahl aufgedrängt habe. In ihrem launigen Einstieg schreiben die DZ-Experten zum Devisenmarkt: „Gut, wenn das Grauen einen Namen hat: Janet, Mario und Harvey waren es, die die Devisenmärkte gestern durchgeschüttelt haben. Über Nacht hat sich dann leider noch (Kim) Jong Un hinzugesellt, der die Koreakrise auf ein neues Eskalationsniveau gebracht hat.“

Seit Beginn des Jahres hat der Euro unter anderem wegen des konjunkturellen Aufschwungs der Euro-Zone etwa 15 Prozent an Wert gewonnen. Die runde Marke von 1,20 US-Dollar war von Devisenanalysten zu Beginn des Jahres noch kategorisch ausgeschlossen worden. Aufgrund der Konjunkturstützungs-Versprechen des neuen US-Präsidenten Donald Trump schienen Euro und Dollar auf bestem Wege zur Parität, also hin zu einem Wechselkurs ein Euro gegen einen Dollar. Wegen der ausbleibenden Stimuli aber wendete sich der Kurs. Jetzt scheint die Euro-Stärke ungebrochen.

EZB-Präsident Mario Draghi hätte dem ungebremsten Euro-Anstieg während der Sitzung der Notenbanker in Jackson Hole Ende vergangener Woche zumindest einen Dämpfer verpassen können. Kommentare zur Währung ließ er aber aus. „Als er sich auf der Juli-Pressekonferenz gleichgültig gegenüber den Euro-Wechselkursen gab, war das der Startschuss für die Euro-Dollar-Bewegung vom 1,15er-Bereich in die Region um 1,18“, erklären die Analysten der Commerzbank. „Draghi muss diesmal also sehr genau gewusst haben, dass jede Gelegenheit, bei der er nichts zur gegenwärtigen Euro-Stärke sagt, diese weiter befeuert. Eben das ist am Freitag passiert.“

Dennoch mahnen die Experten der Commerzbank, die Signale nicht überzuinterpretieren. „Draghi hat auch noch der regulären EZB-Pressekonferenz am 7. September Zeit und Gelegenheit, sich zur Wechselkursentwicklung zu äußern“, schrieb Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank bereits in seiner gestrigen Analyse. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Europas Gemeinschaftswährung in den nächsten Tagen weiter zulegt und hege eine gewisse Sympathie für Positionen auf einen steigenden Euro. Aber nur bis zum 7. September.“ Dann wachse das Risiko einer solchen Position beträchtlich.

Gerade die wirtschaftlich eher schwächeren Länder in der Euro-Zone können ein Problem bekommen, wenn die Währung zu stark wird. Denn je höher der Euro steigt, desto teurer werden ihre Waren auf dem Weltmarkt. Ihre Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Das wiederum könnte sich negativ auf die Inflation auswirken, und genau die will die EZB ja weiter nach oben treiben und nicht abwürgen.

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