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Devisenmarkt Warum der Euro vor einer längeren Schwächephase steht

Der Euro fällt gegenüber dem Dollar auf ein Mehrmonatstief. Das zeigen auch die Renditen auf US-Bonds. Es spricht vieles dafür, dass das so bleibt.

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Warum der Euro vor einer längeren Schwächephase steht Quelle: dpa

Düsseldorf Der Euro ist am heutigen Freitag auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 1,2065 Dollar gefallen und steuert auf das größte Wochenminus seit knapp einem Jahr zu. Experten zufolge wird die europäische Gemeinschaftswährung vor allem von der Dollar-Aufwertung belastet.

Der Greenback profitierte von der Hoffnung auf eine Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China. Der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, hatte am Donnerstag gesagt, er gehe davon aus, dass anstehende Handelsgespräche mit China positiv verlaufen dürften.

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Zur Euro-Schwäche trug auch die jüngste EZB-Sitzung bei: Die Notenbank hatte sich am Donnerstag aus Sorge um eine mögliche Abschwächung der Konjunktur in der Euro-Zone mit größeren Entscheidungen zurückgehalten. Dies sei eine erneute Bestätigung gewesen, dass man sich in Europa nicht so bald vor steigenden Zinsen fürchten müsse, konstatierte Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Vieles spricht dafür, dass die kurzfristige Euro-Schwäche länger andauert. So erwartet die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, dass der Dollar seine Konsolidierungsphase beendet hat und der Euro gegenüber dem Greenback weiter fallen wird. „Strategisch sehen wir den Dollar auf Zwölf-Monatssicht weiter bei 1,15 gegenüber dem Euro“, sagt DWS-Experte Torsten Strohrmann.

Warum der US-Dollar plötzlich stärker ist

Die DWS hat sich die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen US-Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen angeschaut: Diese ist um fast 2,4 Prozent angestiegen und damit so hoch wie zuletzt 1989. Die US-Renditen laufen den deutschen also weiter davon. Wie extrem das ist, zeigt ein Vergleich mit der Zinsspitze Ende 2013: Bunds brachten damals knapp zwei Prozent, US-Bonds drei Prozent, also eine Differenz von etwa 1,0 Prozentpunkten.

Dieser aktuell hohe Renditeabstand spricht für einen stärkeren US-Dollar. Denn zwischen Zinsen und Währungen gibt es einen grundsätzlichen Kausalzusammenhang. Wenn in einem Land die Zinsen steigen, wird eine Geldanlage am dortigen Kapitalmarkt tendenziell attraktiver, sowohl für inländische als auch für ausländische Anleger. Dadurch entsteht eine höhere Nachfrage nach der Währung des Landes, die diese aufwerten lässt. Umgekehrt verläuft der Prozess, wenn die Zinsen eines Landes sinken.

„Der transatlantische Renditeabstand weitet sich seit bald zehn Jahren aus“, erläutert Strohrmann. „Dem Dollar hat das insbesondere in den vergangenen zwölf Monaten jedoch nicht auf die Sprünge helfen können“. Seit ungefähr zehn Tagen ist das anders, der Euro notiert nunmehr auf dem niedrigsten Stand seit Mitte Januar – womöglich, weil die Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen am Dienstag dieser Woche über drei Prozent gestiegen ist. So hoch lag die Rendite zuletzt für wenige Tage zum Jahreswechsel 2013/2014 und davor im Sommer 2011.

„Der seit einem Jahr bestehende Aufwärtstrend gegenüber dem Dollar ist gebrochen, das nächste Ziel liegt im Bereich um 1,20 Dollar“, meint auch Börsenexperte Anton Riedl. Im vergangenen Jahr war die Gemeinschaftswährung um bis zu 20 US-Cent auf 1,25 US-Dollar gestiegen. Allein zwischen Anfang Januar und Ende März dieses Jahres legte der Kurs um fast vier US-Cent zu.

Riedl erwartet, dass es nun im weiten Bereich zwischen 1,16 und 1,25 Dollar eine längere Schwankungsphase geben. Doch völlig abschreiben sollten Anleger den Euro nicht. Die US-Wirtschaft ist keineswegs so robust, dass der Dollar nach oben durchstartet.

Und in Europa wächst sofort wieder die Zuversicht, dass ein rückläufiger Euro das internationale Geschäft der Unternehmen beflügelt. Ein schwächerer Euro hilft den Firmen in Europa, weil ihre Waren im Welthandel günstiger werden und die Exportchancen steigen – und umgekehrt.

Mit Material von Reuters

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