Devisenmarkt Wie die Schwellenländer die Zinswende verkraften

Die Währungen der Schwellenländer haben auf die Zinswende der Fed deutlich gelassener reagiert, als einige das erwartet hatten. Viele Emerging Markets sind einfach zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt.

Fed-Chefin Janet Yellen.

Selbst die eigentlichen Verlierer der US-Zinswende stehen am Ende nicht so schlecht da wie befürchtet. Noch im Oktober hatte die US-Notenbank Fed ihre Zinserhöhung im Hinblick auf die schwächelnden Schwellenländer verschoben. Auch im Dezember warnten Kritiker noch, Länder wie Brasilien, Indien oder China könnten durch den starken Dollar endgültig ins Straucheln geraten. Bisher sieht es so aus, als wären die Warnungen umsonst gewesen.

Der Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets legte am Mittwoch um rund 1,4 Prozent zu, auch am Donnerstagvormittag nach der Entscheidung der Fed, den Zinskorridor auf 0,25 bis 0,5 Prozent anzuheben, legte der Index in London um 1,1 Prozent zu. Schwellenländer-Analysten betonten, das behutsame Vorgehen der Fed, welches die Notenbank in Aussicht gestellt hat, würde insbesondere den Schwellenländern zugutekommen.

Stimmen zur Zinswende der Fed

Zudem bedeuten steigende Zinsen in den USA nicht nur schlechtes für die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Steigen die Zinsen im Dollarraum, spricht das für eine stärker wachsende US-Wirtschaft und davon wiederum profitieren auch die Schwellenländer, beispielsweise durch steigende Importe seitens der Amerikaner.

Die Währungen der Emerging Markets reagierten uneinheitlich. Chinas Yuan beispielsweise verliert gegenüber dem Dollar bereits seit einigen Tagen an Wert. Das liegt aber nicht nur an der US-Zinswende. Erst Anfang der Woche hatte Peking erklärt, die Bindung des Yuan an den Dollar lockern zu wollen. Künftig gelte nicht mehr nur der Dollar als Referenz für den Außenwert des Yuans, sondern ein Korb aus insgesamt 13 Währungen. Darin ist der Dollar zwar auch enthalten, ist aber nur mit 26 Prozent gewichtet.

Auch der brasilianische Real blieb bei seiner abwertenden Tendenz. Die Zinswende an sich sorgte aber nur für kurzfristige Schwankungen der Währung. Vielmehr belastet, dass die Ratingagentur Fitch die Bonität des Landes auf Ramschniveau (BB+) heruntergestuft hat. Das dürfte den Real deutlich stärker belasten als die etwas höheren Zinsen in den USA. Die Analysten von Fitch befürchten offenbar, das Haushaltsdefizit könnte auf mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen und gehen davon aus, dass Brasiliens Wirtschaft in diesem Jahr um 3,7 und im kommenden Jahr um 2,5 Prozent schrumpfen werde. Von einer kurzfristigen Erholung des Real ist daher nicht auszugehen. Angesichts des Ramsch-Status wird es für Brasilien immer schwieriger, sich zu refinanzieren. Sorgen bereitet den Analysten auch die politische Situation, ein großer Korruptionsskandal hemmt die Wirtschaft.

Ähnlich ist die Lage in Südafrika. Statt der Zinswende sind es vielmehr die hausgemachten Probleme, sowohl politisch als auch wirtschaftlich, welche den südafrikanischen Rand bewegen. Erst in der vergangenen Woche stürzte der Rand auf ein historisches Tief, weil Südafrikas Präsident den allseits geschätzten Finanzminister durch einen weitestgehend unbekannten ersetzte. Die Marktreaktionen fielen so dramatisch aus, dass Jacob Zuma seine Entscheidung schon nach nur vier Tagen zurückzog und einen anderen Finanzminister ernannte. Seit dem erholen sich Südafrikas Märkte langsam von ihrem Schock. Der Rand liegt weiterhin bei der kritischen Marke von fast 15 Dollar. Die weitere Entwicklung der Währung dürfte aber weniger vom US-Zins als von der heimischen Wirtschaft getrieben werden.

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Die indische Rupie verdeutlicht am ehesten, dass die Fed mit ihrer moderaten Zinserhöhung die Schwellenländer verschont hat. Die Rupie wertete um 0,5 Prozent auf, so viel wie seit fast zwei Monaten nicht mehr. Analysten rechnen damit, dass die Währung in den kommenden Monaten eine der stabilsten unter den asiatischen Devisen sein wird. Unter anderem dürfte auch der sinkende Ölpreis dazu beitragen, von dem Indien profitieren dürfte. Insgesamt seien die makroökonomischen Daten überzeugend.

Der von vielen erwartete Schwellenländer-Schock ist also vorerst ausgeblieben. Zum Vergleich: der Euro gilt als einer der Verlierer der Zinswende, er verlor rund einen halben Cent und rutschte auf unter 1,09 Dollar.

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