Digitalwährung Bitcoins - Mission unterbrochen

Bitcoin in der Krise: Die Pleite der Börse Mt. Gox hat das Vertrauen in die virtuelle Währung beschädigt. Welche Zukunft hat die Cyberwährung nach Abschaltung der Handelsbörse Mt. Gox jetzt noch?

Protest in Tokio gegen Abschaltung der Bitcoin-Handelsplattform Mt. Gox Quelle: REUTERS

Wer Geld in Bitcoins tauschen will, kann das in Berlin inzwischen am Automaten tun. Seit Februar steht das Gerät in der Kneipe Room 77, wo die Gäste seit 2012 mit der Digitalwährung auch bezahlen können. Nur sechs Bitcoins hat der Apparat bisher zu echtem Geld gemacht, immerhin etwa 2500 Euro.

Doch wie viele Menschen künftig noch echte Euro in die Cyberwährung wechseln möchten, ist fraglich. Nachdem die japanische Bitcoin-Tauschbörse Mt. Gox vor einigen Tagen vom Netz ging, sind die Zweifel an der Währung erheblich gestiegen. Nachdem Nutzer schon seit Tagen nicht mehr an ihre Guthaben auf der einst größten Bitcoin-Börse herankamen, ging die Plattform über Nacht offline.

Seither kursieren Gerüchte über den Verbleib von Mt. Gox: Der Betreiber sei insolvent heißt es, das Geld der Anleger gestohlen, 750.000 Bitcoins seien verschwunden. Das wären sechs Prozent aller im Umlauf befindlichen Cybermünzen. Ihr Gegenwert betrug bei einem Kurs von zuletzt 500 Dollar rund 375 Millionen Dollar.

Wie vergänglich diese Werte sind, erlebten Anleger 2013: Von zehn Dollar stieg der Kurs auf über 1000 Dollar, um dann genauso schnell abzustürzen. Die extremen Schwankungen sind ein Hemmnis, das viele Unternehmen bislang vor der Akzeptanz der Währung zurückschrecken ließ.

Die zweite Frage ist die, welche Zukunft das Computergeld jetzt überhaupt noch hat. Denn die Handelsplattformen sind die Achillesferse der jungen Internet-Währung. Hackerangriffe und unseriöse Betreiber sorgten schon früher für Verluste.

Bitcoins werden über ein kompliziertes Rechenrätsel durch Computer erschaffen. Der Algorithmus sorgt dafür, dass die Anzahl der Bitcoins begrenzt ist. Der Kurs ergibt sich aus Angebot und Nachfrage an den jeweiligen Tauschbörsen. Doch ausgerechnet diese wichtige Schnittstelle im Bitcoin-Handel sorgt nun für eine Vertrauenskrise der Digitalwährung.

Kritiker hatten immer wieder vor den Risiken gewarnt, die Bundesbank bezeichnet Bitcoins als „hochspekulatives Investment, welches jederzeit zu einem Totalausfall führen kann“. Auch die Bundesregierung ist zögerlich, was einen staatlich regulierten Handel betrifft. Zwar wurden Bitcoins im Vorjahr von Finanzminister Wolfgang Schäuble als Recheneinheit anerkannt. Dies sei jedoch kein „Gütesiegel“.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%