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Dow Jones, Nasdaq, S&P 500 Hoffnung auf Konjunkturerholung treibt US-Börsen

Nach einem schwachem Auftakt gehen an der Wall Street alle großen Indizes deutlich fester aus dem Handelstag. Gefragt war vor allem Rohöl.

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In der berühmten Straße befindet sich der Sitz der New York Stock Exchange. Quelle: dpa

Hoffnungen auf eine baldige Konjunkturerholung haben die US-Börsen am Donnerstag nach einer Berg- und Talfahrt gestützt. Eine Rally bei den Finanzwerten hob zudem die Stimmung bei den Anlegern. „Die Märkte haben wohl zuletzt über die Stränge geschlagen“, sagte ein Händler. Der Dow Jones schloss nahezu auf Tageshoch mit einem Plus von 1,6 Prozent bei 23.625 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 0,9 Prozent auf 8943 Punkte vor. Der breit gefasste S&P 500 legte 1,2 Prozent auf 2852 Punkte zu.

Im frühen Geschäft hatte die Aussicht auf eine längerfristige Rezession durch die Virus-Pandemie die Händler noch verunsichert und den Dow bis zu zwei Prozent ins Minus gedrückt. Ein weiterer Belastungsfaktor waren zunächst auch überraschend schwache Arbeitsmarktdaten. In der vergangenen Woche beantragten knapp drei Millionen Amerikaner Arbeitslosenhilfe. Experten hatten lediglich mit 2,5 Millionen gerechnet.

Gefragt war Rohöl. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um mehr als neun Prozent auf 27,75 Dollar je Barrel (159 Liter). Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg verwies auf Anzeichen eines zurückgehenden Überangebots, nachdem die US-Lagerbestände zuletzt erstmals seit Januar gefallen waren. Ölwerte gehörten zu den Gewinnern. Die Aktien von Exxon unc Chevron verteuerten sich um rund ein Prozent.

Am Mittwoch hatten die Warnungen von Fed-Chef Powell vor der schärfsten Rezession der US-Geschichte die Wall Street noch auf ein Drei-Wochen-Tief gedrückt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss daraufhin 2,2 Prozent tiefer auf 23.247 Punkten.

Zudem erwägen die USA Präsident Donald Trump zufolge, ob chinesische Konzerne amerikanische Bilanzregeln folgen müssen, wenn sie an Börsen in den Vereinigten Staaten gehandelt werden. Trump äußerte sich am Donnerstag in einem Interview des Senders Fox Business Network außerdem „sehr enttäuscht“, dass China das Corona-Virus nicht eingedämmt habe.

Covid-19 komme aus der Volksrepublik und Peking hätte es stoppen können. Das werfe einen Schatten auf seinen Handelsdeal mit China. Die Tinte unter dem Vertrag sei kaum trocken gewesen, da sei auch schon das Übel mit dem Virus gekommen.

Eine andere Aussage von Trump wirkt sich positiv auf den Dollar-Index aus: Er zieht an und gewinnt 0,2 Prozent auf rund 100 Punkte, nachdem der US-Präsident sich positiv zu der Stärke der US-Devise geäußert hat. Entgegen früheren Aussagen sagte Trump zum TV-Sender Fox Business, es sei „eine hervorragende Zeit, um einen starken Dollar zu haben.“ Zuvor war genau das Trump ein Dorn im Auge gewesen. Er hatte deswegen bei der US-Notenbank auf Zinssenkungen gedrängt.

Am Donnerstag teilte auch das US-Arbeitsministerium in Washington die neuen Arbeitslosenzahlen mit. Die neuen Zahlen sind im Vergleich zur Vorwoche etwas niedriger. In der vergangenen Woche stellten 2,98 Millionen Bürger einen Antrag auf staatliche Stütze. Zuvor waren es noch mehr als drei Millionen Anträge.

Allerdings hatten von Reuters befragte Experten lediglich mit einem Wert von 2,5 Millionen gerechnet. Seit dem 21. März summierten sich diese Anträge auf rund 36 Millionen. Die Zahl der Anträge nimmt aber seit einigen Wochen kontinuierlich ab. Der Höhepunkt wurde in der Woche bis zum 28. März mit 6,86 Millionen erreicht.

Die Virus-Krise hat dem jahrelangen Boom am US-Jobmarkt ein jähes Ende bereitet und Massenarbeitslosigkeit ausgelöst. Allein im April wurden 20,5 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft gestrichen – das war der massivste Jobabbau seit der Zeit der Großen Depression in den 1930er Jahren. Die Arbeitslosenquote stieg auf 14,7 Prozent und damit auf den höchsten Stand in der Nachkriegszeit. Ökonomen und Vertreter der US-Regierung gehen davon, dass die Quote noch weiter steigt.

Blick auf die Einzelwerte

Die in der Corona-Krise deutlich unter die Räder gekommenen Finanzwerte erholten sich merklich. An der Dow-Spitze standen American Express mit einem Plus von 7,4 Prozent. Die Aktien von JPMorgan stiegen um 4,2 Prozent. Die Aktien von Wells Fargo stiegen um 6,8 Prozent. Die vorherigen Kursverluste des Geldhauses seien überzogen gewesen, sagte Aktienhändler Dennis Dick vom Brokerhaus Bright Trading. „Dem Markt gefällt, dass in den Banken noch Leben ist.“ Die Rally bei Wells Fargo helfe den Kursen an der gesamten Wall Street.

Die Genehmigung einer Studie der mittleren Phase für ein Covid-Medikament kommt bei den Immunic-Aktionären gut an. Die Aktien schossen zum Börsenstart 25 Prozent in die Höhe. Im weiteren Verlauf lagen sie immerhin noch acht Prozent im Plus. In Deutschland hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine klinische Studie in einem mittleren Stadium für das Medikament IMU-838 zur Behandlung von Corona-Patienten genehmigt. Bei IMU-838 handelt sich um ein Mittel, das das Immunsystem aktiviert oder anregt. Der erste Testteilnehmer solle noch im Mai behandelt werden.

Gefragt waren auch Aktien von Cisco, die sich um 4,5 Prozent verteuerten. Die Umsatzeinbußen des Netzwerk-Ausrüsters durch die Virus-Krise hätten schlimmer ausfallen können, schrieb Analyst Paul Silverstein vom Vermögensverwalter Cowen. Die Ertragskraft sei beeindruckend und spreche für Ciscos anhaltende Preissetzungsmacht.

Der US-Konzern 3M erklärte, dass seine Verkäufe im April um elf Prozent zurückgegangen seien. Der Nachfrage-Anstieg nach Gesichtsmasken durch die Corona-Pandemie soll aber Rückgänge bei anderen Produktlinien ausgeglichen haben. Die Umsätze im Gesundheitsbereich stiegen um fünf Prozent, während die Umsätze im Bereich Transport und Elektronik um 20 Prozent und die Umsätze im Bereich Sicherheit und Industrie um elf Prozent zurückgingen. Die Papiere gaben 1,7 Prozent nach.

Die Titel von Norwegian Cruise Line gaben im ersten Quartal 99 Cent pro Aktie nach. Damit sind die Verluste fast doppelt so hoch, wie zuvor von Analysten, die von 50 Cent Verlust je Aktie ausgegangen sind, erwartet. Die Einnahmen wiederum entsprachen den Prognosen. Der Kreuzfahrt-Anbieter erklärte aber, er sei gut aufgestellt und könne eine 18-monatige Aussetzung von Reisen überstehen. Die Anleger zogen sich zunächst zurück, die Papiere kletterten danach aber wieder in die Gewinnzone, plus 1,6 Prozent.

Die Fluggesellschaft Delta Air Lines kündigte an, wegen der Coronavirus-Pandemie alle Langstrecken-Maschinen des Typs Boeing 777 auszumustern. Stattdessen werde man auf internationalen Routen auf die Airbus-Modelle A330 und A350 setzen, die sparsamer und günstiger zu betreiben seien. Die Delta-Papiere sanken um 0,2 Prozent, die Boeing-Aktien legten um 0,8 Prozent zu.

Das US-Schieferölunternehmen Comstock verschreckt mit einer Kapitalerhöhung vorbörslich noch seine Aktionäre. Kurz nach Handelsstart liegen die Aktien aber 0,9 Prozent im Plus. Der Eigentümer der Dallas Cowboys verkaufte 40 Millionen Aktien zum Preis von jeweils fünf Dollar, das ist ein Abschlag von 23 Prozent zum Schlusskurs vom Mittwoch.

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