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Dow Jones, Nasdaq, S&P 500 Virus-Sorgen drücken Dow ins Minus – Nasdaq aber auf Rekordhoch

Der technologielastige Nasdaq setzt zum vierten Mal in fünf Handelstagen eine Bestmarke. Doch die Sorgen über die Corona-Neuinfektionen überwiegen.

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In der berühmten Straße befindet sich der Sitz der New York Stock Exchange. Quelle: dpa

Aus Furcht vor einem Rückschlag bei der Erholung der Wirtschaft von den Coronavirus-Folgen hat sich ein Großteil der Anleger aus der Wall Street am Donnerstag zurückgezogen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 1,4 Prozent tiefer auf 25.706 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,6 Prozent auf 3152 Punkte ein. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen getrieben von Kursgewinnen bei Amazon Microsoft und Apple um 0,5 Prozent auf einen Rekord von 10.547 Punkte vor.

Sorgen bereiteten Investoren die weiter steigenden Coronavirus-Infektionen. „Eine zweite große Pandemie-Welle hätte einen verheerenden Effekt auf die bereits angeschlagenen Volkswirtschaften“, warnte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. „Die Regierungen spielen mit hohem Einsatz.“ Sie lockerten die Restriktionen, während die weitere Entwicklung der Virus-Krise unklar sei.“

„Die Stimmung war sowieso angeschlagen, erhielt durch die Schlappe für US-Präsident Donald Trump durch den Supreme Court aber einen weiteren Hieb“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die Richter entschieden, dass Trump seine Steuerunterlagen herausgeben muss. „Die könnten für Wähler interessant sein.“

Trumps Umfragewerte sind wegen seines Vorgehens in der Virus-Krise bereits im Keller. Sollte sein demokratischer Herausforderer Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl im November gewinnen, rechnen Börsianer mit einer strengeren Regulierung und höheren Steuern.

Die etwas besser als erwartet ausgefallenen US-Jobdaten trugen kaum zur Aufhellung der Stimmung bei. In der vergangenen Woche beantragten 1,31 Millionen Amerikaner Arbeitslosenhilfe, nach 1,41 Millionen in der Woche zuvor. Der Rückgang fiel größer aus als erwartet. „Die Erholung der Wirtschaft verläuft aber nicht so glatt wie diese Daten suggerieren“, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Die Dynamik scheine nachzulassen.

Vor diesem Hintergrund behauptete sich die „Antikrisen-Währung“ Gold über der wichtigen Marke von 1800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), die sie am Mittwoch erstmals seit etwa neun Jahren übersprungen hatte. „Wenn Investoren daran glaubten, dass die Wirtschaft bald wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreicht, würde der Goldpreis nicht auf Neun-Jahres-Hoch klettern“, sagte Hussein Sayed, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses FXTM.

Die Weltleitwährung war ebenfalls gefragt. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,3 Prozent. Im Gegenzug verbilligte sich der Euro um 0,4 Prozent auf 1,1288 Dollar.

Ein erneuter Ausverkauf an den Aktienbörsen wie im März sei aber nicht zu erwarten, sagte Finanzmarkt-Experte Edward Park vom Vermögensverwalter Brooks Macdonald. „Wenn sich die Lage in den USA weiter verschlechtert und es erneut eine Art Lockdown gibt, werden zusätzliche Wertpapierkäufe der Notenbank Fed wahrscheinlicher.“

Blick auf die Einzelwerte

Vor diesem Hintergrund flogen Freizeit- und Touristik-Werte, die besonders stark unter einer erneuten Verschärfung der Beschränkungen leiden würden, erneut aus den Depots. Die Aktien der Hotelketten Marriott und Hilton, der Fluggesellschaften American, Delta und United Airlines sowie der Kasino-Betreiber Las Vegas Sands, MGM und Wynn rutschten um bis zu 7,2 Prozent ab.

Die Anteilsscheine von Cisco Systems legten indes um rund zwei Prozent zu, nachdem Morgan Stanley den Netzwerkausrüster auf „übergewichten“ hochgestuft hatte.

Microsoft, ebenfalls von einer positiven Morgan-Stanley-Studie gestützt, erreichten im Handelsverlauf ein neues Rekordhoch bei etwas über 216 Dollar. Die Papiere des Software-Konzerns gaben dann jedoch einen Teil der Gewinne wieder ab und schlossen mit 0,7 Prozent auf etwas über 214 Dollar im Plus.

Neue Rekordhöhen erklommen zudem die Anteilsscheine des iPhone-Herstellers Apple, des Online-Handelsgiganten Amazon, des Photoshop-Anbieters Adobe und des Streamingdienstes Netflix.

Unternehmensseitig standen im Dow die Aktien von Walgreens Boots Alliance mit Zahlen im Blick. Die Apothekenkette enttäuschte mit ihrem Bericht zum dritten Geschäftsquartal und verwies auf die Corona-Krise. Die Experten der Credit Suisse bemängelten insbesondere das hinter den Markterwartungen zurückgebliebene Ergebnis je Aktie. Nun will der Konzern rund 4000 Stellen abbauen und setzt seine Aktienrückkaufpläne aus. Die Aktien sackten als schwächster Index-Wert um 7,8 Prozent ab.

Die Papiere von Bed Bath & Beyond brachen an der Nasdaq um 24,5 Prozent ein. Der Einzelhändler für den Wohnbedarf will angesichts der Verwerfungen durch die Coronakrise in den kommenden zwei Jahren 200 seiner fast 1500 Geschäfte schließen.

Der Großhändler Costco Wholesale steigerte dagegen im Juni seinen Umsatz erheblich stärker, als Analysten prognostiziert hatten. Die Papiere zogen daraufhin um 2,9 Prozent an.

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