Dow Jones, S&P 500, Nasdaq: US-Börsen legen trotz schwacher Konjunkturdaten zu
Ein Straßenschild an der New York Stock Exchange.
Foto: ReutersDie Erwartung des Zinsentscheids der US-Notenbank Fed im weiteren Tagesverlauf gibt den US-Börsen einen Schub nach vorne. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notiert am Mittwoch 0,5 Prozent höher bei 33.206 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückt um 0,7 Prozent auf 4222 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewinnt 0,8 Prozent auf 12.957 Punkte.
Die meisten Marktteilnehmer rechneten bei der am Abend (19.00 Uhr MEZ) anstehenden Entscheidung damit, dass die Fed erneut eine Zinspause einlegen wird. Auch die Experten zeigten sich zuversichtlich.
„Die Fed-Sitzung dürfte recht unkompliziert verlaufen, nachdem sich die Entscheidungsträger mit Nachdruck dafür eingesetzt haben, die Ängste der Märkte vor einer weiteren Zinserhöhung zu beschwichtigen“, sagte Craig Erlam, Analyst vom Handelshaus Oanda.
Von der Konjunktur kommen derzeit gemischte Signale. Die Zahl der offenen Stellen, ein Maß für die Nachfrage nach Arbeitskräften, stieg überraschend: Diese auch für die Notenbank Fed wichtige Kennziffer legte per Ende September auf 9,553 Millionen zu, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch zu seiner monatlichen Umfrage (Jolts) mitteilte.
Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit 9,250 Millionen gerechnet. Zugleich wurde der Vormonatswert auf 9,497 Millionen von 9,610 Millionen nach unten revidiert.
Am Freitag legt die Regierung den Arbeitsmarktbericht für Oktober vor. Dabei rechnen Ökonomen mit einem soliden Stellenzuwachs von 180.000 außerhalb der Landwirtschaft, nach 336.000 im September.
ISM-Index fällt überraschend zurück
Auch hat die US-Industrie ihre Talfahrt im Oktober überraschend beschleunigt. Der Einkaufsmanagerindex für den Sektor fiel um 2,3 auf 46,7 Zähler, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einer Stagnation bei 49,0 Punkten gerechnet. Das Barometer entfernte sich damit weiter von der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.
„Eine Belebung des Verarbeitenden Gewerbes lässt weiter auf sich warten, während der Dienstleistungssektor bislang solide Werte aufwies“, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Hintergrund für den erneuten Rückgang beim Industrie-Barometer könnte laut Experten der Streik der US-Autogewerkschaft UAW sein. Diese hatte sechs Wochen lang bis zu neun Betriebe der drei Autobauer Stellantis, GM und Ford gleichzeitig bestreikt. Der Ausstand endete am Montag mit einer Einigung.
Der US-Bausektor entwickelte sich derweil trotz der gestiegenen Zinsen vergleichsweise robust. Die Bauausgaben legten im September wie erwartet um 0,4 Prozent zum Vormonat zu, wie das Handelsministerium mitteilte.
Einzelwerte im Fokus
Match: Ein pessimistischer Ausblick sorgte etwa für Kursverluste bei der Tinder-Muttergesellschaft Match. Die Aktie rutschte um 14,1 Prozent ab.
AMD: Die Titel gewannen 4,5 Prozent. Der Umsatz des Chipherstellers war im dritten Quartal um vier Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar gestiegen. Das lag über den Markterwartungen und im oberen Drittel der selbst gesteckten Ziele.
Wework: Die Krise bei Wework spitzt sich einem Insider zufolge zu. Bereits kommende Woche könnte der Büroflächen-Vermieter Insolvenz beantragen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag gegenüber Reuters. Die Aktie bricht daraufhin um 50 Prozent ein auf etwa 1,12 Dollar. Vor zwei Jahren hatten die Titel zeitweise knapp 600 Dollar gekostet.
Gesundheitswerte: Maue Aussichten angesichts erhöhter Kosten setzen die Aktien der US-Gesundheitskonzerne unter Druck. Die Titel von Humana und CVS Health bröckeln um gut vier beziehungsweise gut zwei Prozent ab. Auch die Anteilsscheine des Rivalen UnitedHealth verlieren in ihrem Sog knapp ein Prozent.
Humana hält trotz überraschend starker Ergebnisse für das dritte Quartal an seinem Jahresausblick fest. CVS erwartet indes 2024 einen Gewinn in der unteren Hälfte seiner früheren Prognose von 8,50 bis 8,70 Dollar pro Aktie. Grund seien erhöhte Kosten, da Patienten zunehmend Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nähmen, die während der Pandemie verschoben worden seien.