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Dubioses Geschäftsmodell Massive Zweifel an Fairvesta

Anleger haben der Immobilienfondsgesellschaft Fairvesta 866 Millionen Euro anvertraut. Sie hoffen auf zweistellige Renditen. Doch die Zweifel am Geschäftsmodell wachsen.

Die Zweifel an der Seriosität der Immobilienfondsgesellschaft Fairvesta wachsen. Quelle: Presse

Otmar Knoll, Handlungsbevollmächtigter und starker Mann beim Immobilienfonds-Anbieter Fairvesta, gab sich bestürzt. Ein Finanzportal von zweifelhaftem Ruf hatte einen Wettbewerber angeschossen. Sogar Betrug wurde dem Konkurrenten aus Kassel vorgeworfen – wie kann man nur. Er könne „keine Schadenfreude über die negativen Beiträge“ empfinden, schrieb Knoll an seine Vertriebsmannschaft. „Wir wünschen uns unmissverständlich Frieden mit allen Mitbewerbern.“ Und natürlich steckten weder er selbst noch Fairvesta hinter den bösen Online-Artikeln über die liebe Konkurrenz.

Die Szene ist typisch für Knoll, der sich gern als friedliebenden und ehrlichen Geschäftsmann inszeniert. Sein Vertrauter Dieter Müller* konnte es kaum fassen. „Manchmal frage ich mich, wieso du kein Politiker geworden bist. Die schaffen es nicht, so viel Geflunker in nur einem Satz unterzubringen“, schrieb er an Knoll.

Müller muss es wissen. Offenbar hatte er mit Knolls Wissen einen Plan ausgeheckt, um dem Kasseler Konkurrenten zu schaden. Knoll-Freund Müller gab sich als Vertriebspartner der Kasseler aus und erstattete anonym Anzeige gegen deren Vorstände. Darin heißt es: Er und Kollegen würden angehalten „riskante Geldanlagen ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Risikohinweise an unbedarfte, normale Menschen zu verkaufen“. Mit dem frisch eingezahlten Geld der Anleger würden Alt-Anleger ausgezahlt. „Dem Internet entnehme ich, dass man so was als Schneeballsystem bezeichnet“, schrieb Müller betont naiv.

„Schneeballsystem“ – das ist auf dem grauen Kapitalmarkt, auf dem sich die Kasseler und Fairvesta tummeln, das unaussprechliche S-Wort, der härteste Vorwurf. Wer ein Schneeballsystem betreibt, dessen Fonds schaffen es nicht, die versprochenen Beträge mit Immobilien oder Schiffen zu erwirtschaften. Er muss neue Anleger anwerben und mit deren Geld alte Kunden zu bedienen – bis das Modell auffliegt.

Knoll hat das Treiben seines Vertrauten gekannt: „Hallo Otmar“, schrieb Müller im August 2009 an Knoll „es ist vollbracht. Anliegend erhältst du den Finalentwurf für die Strafanzeige.“ Änderungswünsche erbat Müller „in einer anderen Farbe“. „Es ist jetzt deine Entscheidung ob und wann Feuer frei.“ Damit konfrontiert, sagen Müller und Knoll heute, Knoll habe die Anzeige weder beauftragt noch bearbeitet. Knoll habe ihn wissen lassen, sagt Müller, „dass er sich nicht an sowas beteiligen wolle“. Fakt ist: Die Staatsanwaltschaft ermittelte später gegen Knolls Kasseler Konkurrenten, stellte das Verfahren aber ein.

Solche Aktionen werfen kein gutes Licht auf die Branche. Die Fairvesta-Gruppe mit Sitz in Tübingen hat bei Anlegern 866 Millionen Euro eingesammelt. Das Geschäftsmodell ist simpel: Fairvesta will Immobilien billig einkaufen und sie nach kurzer Zeit mit hohem Gewinn weiterveräußern. Im Schnitt, so gibt Fairvesta an, sollen mit derlei Geschäften jährlich zweistellige Renditen erwirtschaftet werden.

Simples Geschäftsmodell

Neuer Rückschlag für Solarworld
SolarworldDer Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015. Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben. Quelle: dpa
Nordex Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent. Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen. Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen. Quelle: dpa
SolarworldDie Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn. Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Quelle: dpa
SMA SolarSchlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten. Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben. Quelle: dpa
SunwaysBeim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück .Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen. Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet. Quelle: dpa
S.A.G. Solarstrom AGDie Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen. Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland. Quelle: dpa
ProkonDer Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik. Quelle: dpa

Diese Renditen existieren bislang zum Großteil aber nur auf dem Papier. Der Grund: Fairvesta kauft Immobilien zu Preisen unter dem Verkehrswert. Der Verkehrswert ist der Preis, der sich gewöhnlich für ein Haus in der Lage und mit der Ausstattung beim Verkauf erzielen lässt. Wurde eine Immobilie unter Verkehrswert gekauft, setzt Fairvesta diese zur Renditeberechnung der Fonds aber zum Verkehrswert an. Auf dem Papier entsteht so ein Gewinn.

Warum aber bekommt Fairvesta Häuser unter Verkehrswert? Angeblich profitiert man von Sondersituationen: Verkäufe aus Geldmangel, unter Zeitdruck, bei Zwangsversteigerungen. Solche ungewöhnlichen Verhältnisse drücken den Preis, nicht aber den Verkehrswert. Für Anleger zahlt sich der Papier-Gewinn aber nur in klingender Münze aus, wenn es Fairvesta später gelingt, die Immobilien mit Aufschlag, möglichst zum Verkehrswert, zu verkaufen.

Derlei Kritik wischt Knoll mit dem Argument vom Tisch, dass er doch mit seinem Fonds Fairvesta 2 bewiesen habe, dass sein Geschäftsmodell funktioniere: Der Fonds wurde 2011 aufgelöst. Anleger bekamen ihr Kapital nebst stolzen 12,4 Prozent Rendite pro Jahr. Die zum Schluss noch dem Fonds gehörenden sechs Immobilien mit angeblich 15,3 Millionen Euro Verkehrswert will Knoll sogar über Verkehrswert an einen „ausländischen Investor“ verkauft haben. Der Verdacht, die Fondsanleger seien aus anderen Quellen – Achtung, S-Wort – bedient worden, wäre so ausgeräumt.

Den Namen des ausländischen Investors, so Knoll 2013, dürfe er nicht nennen. Der Verkauf der sechs Immobilien erfolgte auch nicht direkt, sondern über eine Verbriefung. Folge: Der 2011 eigentlich aufgelöste Fonds Fairvesta 2 steht weiter als Eigentümer der Immobilien im Grundbuch.

Doch Recherchen der WirtschaftsWoche legen den Verdacht nahe, dass auch diese Angaben nicht stimmen.

So hat der ausländische Investor, der als Käufer der sechs Immobilien mit einem Verkehrswert von 15,3 Millionen Euro genannt wird, offenbar nur 2,1 Millionen Euro selbst zur Verfügung gestellt.

Zusätzlich nahm der ausländische Investor für den Immobilienkauf einen Kredit auf. Es gibt Indizien dafür, dass bei diesem Kredit auch Gelder von Fairvesta-Anlegern im Spiel waren. Fairvesta-Handlungsbevollmächtigter Knoll bestreitet jede interne Verschiebung von Anlegergeldern.

Selbst die Summe aus 2,1 Millionen Euro Investment und dem Kredit reicht nicht für den von Fairvesta genannten Verkaufspreis der sechs Immobilien. Woher der Rest kam, ist unklar. Eventuell gab es weitere Investoren. So ist in einer anwaltlichen Stellungnahme von Fairvesta plötzlich von mehreren „ausländischen Investoren“ die Rede. Ansonsten wollten Fairvesta und Knoll gestellte Fragen nicht beantworten.

Knoll hatte den Verkauf der sechs Immobilien des Fairvesta 2 an den bisher genannten „ausländischen Investor“ als Beweis für ein funktionierendes Geschäftsmodell gewertet. Doch dieser Beweis wankt massiv.

Fonds aus dem Steuerparadies

Die größten Reedereien der Welt
Platz 10Kapazitäten zum Transport von 509.065 Standardcontainer hat die Reederei Mitsui O.S.K Lines nach Angaben des Branchendienstes Alphaliner am 1. November 2012. Das sind drei Prozent Weltmarktanteil. Damit landet das japanische Unternehmen auf dem zehnten Platz der größten Reedereien der Welt. Foto: die Alligator Bravery im Hafen von Oakland, Kalifornien. Quelle: AP
Platz 9CSCL Die Reederei China Shipping Container Lines mit Sitz in Schanghai verfügt über eine Flotte von über 150 Schiffen. Am 1. November 2012 hatte sie Platz für 554.607 Standardcontainer, was etwas über drei Prozent Weltmarktanteil bedeutet. Das bringt in der Rangliste der größten Reedereien den neunten Platz. Foto: Der Containerriese „CSCL Europe“.
Platz 8Die American President Lines (APL) konnte am Stichtag 577.143 Standardcontainer gleichzeitig bewegen und belegt damit den achten Platz des Rankings. Das Unternehmen ist eine Tochter der Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur. Foto: APL Terminal am Hafen von Los Angeles.
Platz 7Mit einem Transportvolumen von 578.114 geht die Reederei Hanjin Shipping auf dem siebten Platz vor Anker. Das Unternehmen sitzt in Seoul und gehört mit weiteren Unternehmen wie der Fluggesellschaft Korean Air zur Hanjin Group. Die Schiffe von Hanjin fahren hauptsächlich zwischen Ostasien, Europa und der Westküste der USA. Foto: Das Containerschiff „Hanjin Cairo“.
Platz 6Das Hamburger Logistikunternehmen Hapag-Lloyd entstand 1970 aus einer Fusion der Reedereien Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) und Norddeutscher Lloyd aus Bremen. Mit einer Kapazität von 636.214 Standardcontainern landet die Reederei auf dem sechsten Platz. Foto: Containerschiff Hamburg Express von Hapag-Lloyd am Terminal Hamburg-Altenwerder.
Platz 5Auf Position fünf des Rankings: Die Reederei Cosco beziehungsweise Coscon mit Sitz in Peking besitzt am 1. November 2012 dem Branchendienst Alphaliner zufolge eine Kapazität von 719.652 Standardcontainer. Das sind über vier Prozent Weltmarktanteil. Das Unternehmen ist im Besitz der Volksrepublik China. Foto: Ein Cosco Container im Terminal des Hafens von Hongkong.
Platz 4Mit 734.845 Containern Kapazität schafft es Evergreen Line auf Position sieben. Noch zum Jahresanfang hatte die Reederei drei Plätze weiter hinten in den Top Ten rangiert. Die Evergreen Group setzt sich aus fünf Unternehmen zusammen: Evergreen Marine Taiwan, Italia Marittima, Evergreen Marine UK, Evergreen Marine Hong Kong und Evergreen Marine Singapore. Die Schiffe der Flotte tragen übrigens alle auch den Zusatz „Ever“ im Namen. Foto: Evergreen Containerschiff am Hafen von Los Angeles.

Ein Geheimnis, immerhin, ist gelüftet: Hinter Knolls ominösem „ausländischen Investor“ verbergen sich ein auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik beheimateter Fonds und eine Liechtensteiner Gesellschaft, die zwischen den Karibik-Fonds und den Immobilienverkäufer Fairvesta 2 geschaltet wurde.

Die Liechtensteiner Gesellschaft heißt REOPP Real Estate Opportunity Private Placement und residiert in einem Gewerbegebiet am Ortsausgang von Vaduz. Ihre Führung steht Fairvesta nahe: So gehörten die REOPP-Chefs laut Wertpapierprospekt auch zur Leitung der Fairvesta Europe, über die Fairvesta Anleihen ausgegeben hat. REOPP ist laut eigenem Geschäftsbericht aber nur „das Investmentvehikel eines Fonds“ – des Karibik-Fonds. Dieser Karibik-Fonds gehört tatsächlich nicht zu Fairvesta. Soweit passt die Darstellung also zu dem was Fairvesta stets behauptet hat.

Doch was der von der WirtschaftsWoche aufgespürte Manager des bislang geheimgehaltenen Karibik-Fonds sonst berichtet, deckt sich nicht mit Fairvestas Angaben. So investierte der Karibik-Fonds zum einen deutlich weniger als zur Auflösung von Fairvesta 2 nötig war. Zum anderen steckte er erst im Mai 2012 Geld in REOPP, fast ein Jahr, nachdem Fairvesta 2 angeblich aufgelöst, die Immobilien verkauft und Anleger ausgezahlt worden waren. Mit welchem Geld aber?

Er habe nach der 2,1-Millionen-Investition in REOPP von Fairvesta eine Liste mit sechs Immobilien erhalten, die REOPP angeblich von dem Geld und dem aufgenommenen Kredit gekauft habe, sagt der Karibik-Fondsmanager. Größtenteils sind das wohl die Objekte, die vorher dem Fonds Fairvesta 2 und damit den ausgezahlten Anlegern gehörten. Die Immobilien stehen jedenfalls in jenen Orten, in denen auch Fairvesta 2 Immobilien besaß.

Bei vier der sechs Immobilien (Pirmasens, Mühlhausen, Ansbach und Chemnitz) stimmen die Daten auf der dem Karibik-Fondsmanager übergebenen Liste mit den Fairvesta-Angaben zu den Objekten des Fonds Fairvesta 2 überein: gleiche Straßen und passende Quadratmeterzahlen. Bei den beiden anderen Standorten (Leipzig und Schwerin) passen die Angaben zumindest auf einen Teil der von Fairvesta 2 gehaltenen Komplexe. Wo der Rest gelandet ist, ist unbekannt.

Welche Ansprüche Anleger bei geschlossenen Fonds haben und wie sie ihr Geld retten können

Neue Hinweise auf interne Verschiebungen von Anlegergeldern, die Fairvesta weiter bestreitet, liefert der zum Kauf der sechs Immobilien aufgenommene Kredit. Der Karibik-Fonds wollte nach Aussage des Fondsmanagers, dass REOPP Bankkredite aufnimmt. So sollten mit anfangs 2,1 Millionen Euro Kapital des Karibik-Fonds Immobilien höheren Wertes gekauft werden. Tatsächlich nahm REOPP laut Geschäftsbericht 2012 auch einen Kredit auf.

Woher dieser Kredit stammt, ist unklar. Einige Indizien legen den Verdacht nahe, dass dieser aus den von Fairvesta aufgelegten und an Privatanleger vertickten Maximus-Anleihen stammen könnte. So heißt es im REOPP-Geschäftsbericht 2012, dass der aufgenommene Kredit „durch erstrangige Briefgrundschulden auf ein Immobilienportfolio im Verkehrswert von 9,005 Millionen Euro abgesichert“ sei. Auf gut Deutsch: REOPP hat seinem Kreditgeber Immobilien mit diesem Gegenwert als Kreditsicherheit gestellt. Im Geschäftsbericht 2012 der Fairvesta Europe, die die Maximus-Anleihen begeben hat, taucht nun ein vergebener Kredit auf, dem Sicherheiten mit dem selben Verkehrswert – 9,005 Millionen Euro – gegenüberstehen sollen.

Verquere Verkehrswerte

Die größten Anlagenbauer
NordexNach zwei verlustreichen Jahren und vielen Einsparungen lief es 2013 für Nordex wieder besser. Der Windturbinenbauer kehrte in die Gewinnzone zurück. In der Vergangenheit trennte sich Nordex unter anderem verlustreichen Produktionsstätten in den USA und China und konzentrierte sich ganz auf den Bau von Onshore-Anlagen. Mit der Strategie konnte das Unternehmen in Deutschland Marktanteile gewinnen. 2012 kam Nordex auf 3,5 Prozent, 2013 waren es im On- und Offshore-Bereich zusammen bereits sieben Prozent. Auch die Aussichten sind gut: Für 2014 rechnet der Vorstand mit neue Aufträge im Umfang von 1,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Siemens WindenergiesparteSiemens ist Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und dominiert auch in Deutschland diesen Bereich. Hierzulande kommt das Unternehmen in dem Segment auf 52,1 Prozent Marktanteil. Im On- und Offshore-Bereichen zusammen hatte Siemens Wind Power 2013 einen Anteil von 9,8 Prozent und liegt damit auf Platz vier. Nach dem Verkauf der gefloppten Solarsparte will sich Siemens künftig noch mehr auf die Energie aus Wind und Wasser zu konzentrieren. Das Geschäft lief zuletzt insbesondere im Ausland gut. Im Dezember 2013 erhielt das Unternehmen mehrere Großaufträge in den USA. In Deutschland gibt es aber auch Probleme: Bei der Anbindung von vier Offshore-Windparks in der Nordsee liegt Siemens dem Zeitplan um mehr als ein Jahr hinterher. Die Verzögerungen sollen Siemens bereits mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben. Quelle: dpa
SenvionDas Hamburger Unternehmen Senvion ( ehemals Repower) ist eine Tochter des indischen Windkraftkonzerns Suzlon. Wie Nordex ist es auch dem Hamburger Unternehmen gelungen, Marktanteile zu gewinnen. 2013 installierte Senvion Anlagen mit rund 484 Megawatt und nun einen Markanteil von insgesamt 13,5 Prozent. Im Onshore-Bereich sind es sogar 16,2 Prozent. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nun eine Gesamtleistung von 2,8 Gigawatt installiert. Im März 2014 hat Senvion die Schwelle von 10 Gigawatt weltweit installierter Leistung überschritten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen allerdings auch mit deutlichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Quelle: dpa
VestasDer weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas hatte in Deutschland 2013 einen Marktanteil von 16,7 Prozent (Onshore 20 Prozent). Damit hat der Anlagenbauer zwar rund sechs Prozent an die kleineren Mitbewerber verloren, liegt aber weiterhin klar auf Platz zwei. Allein 2013 stellte das dänische Unternehmen Anlagen mit einer Leistung von 598,9 Megawatt in Deutschland auf. Wirtschaftlich ist Vestas offenbar auf einem guten Weg: Nach massiven Sparmaßnahmen in den Vorjahren hat das Unternehmen im letzten Quartal 2013 erstmals seit Mitte 2011 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Der Jahresverlust lag bei 82 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro 2012. Quelle: ZB
EnerconDas vom Windpionier Aloys Wobben gegründete Unternehmen ist unangefochtener Marktführer in Deutschland bei Anlagen auf dem Festland (49,6 Prozent Marktanteil). Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 1.484,6 Megawatt hat Enercon allein 2013 aufgestellt. Auf dem Gesamtmarkt musste der Windanlagenbauer allerdings Verluste hinnehmen. Lag der Markanteil 2012 bei 54,3 Prozent, betrug er zuletzt noch bei 41,4 Prozent. Weltweit hat das Unternehmen mittlerweile mehr als 20.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 28 Gigawatt installiert. Laut den Wirtschaftsforscher von Globaldata liegt Enercon im globalen Vergleich damit auf Platz. Geschlagen werden die Ostfriesen von der dänische Konkurrenz Vestas. Quelle: dpa

Dass es sich hierbei trotz gleicher Werte um verschiedene Portfolios handelt, ist sehr unwahrscheinlich. Zur Erinnerung: Geschäftsführer der REOPP, die einen Kredit aufgenommen hat (und Immobilien für 9,005 Millionen Euro als Sicherheit gestellt hat), zählten zumindest früher auch zur Führung der Fairvesta Europe, die einen Kredit vergeben hat (dem Sicherheiten für 9,005 Millionen Euro gegenüberstehen).

Wenn es sich um dieselben Immobilien handelt, wäre das für die Anleger ein brisantes Detail: Denn damit wäre letztlich Geld aus den an Privatanleger verkauften Maximus-Anleihen für den Kauf von Immobilien aus dem Fonds Fairvesta 2 genutzt worden. Der Fonds Fairvesta 2 wäre damit ein Beleg dafür, dass das Fairvesta-Geschäftsmodell nicht funktioniert. Denn wären die Immobilien tatsächlich so großartig, wie Knoll behauptet, wären solche Quersubventionierungen kaum nötig.

Die Liste der sechs Immobilien, die Fairvesta dem Karibik-Fondsmanager 2012 übergab, liegt der WirtschaftsWoche vor. Was Anleger misstrauisch machen dürfte: Laut Liste soll REOPP und damit letztlich der Karibik-Fonds die Immobilien zu 67 Prozent des Verkehrswertes gekauft haben. Bei der Auflösung von Fairvesta 2 hieß es gegenüber den Anlegern noch, die Fairvesta-2-Immobilien seien zu über 100 Prozent des Verkehrswerts verkauft worden.

Die Möbel aus der S&K-Villa
An der S&K-Villa in der Kennedyallee hängt ein riesiger Banner, der auf die Online-Pfandversteigerung des S&K-Mobiliars aufmerksam macht. Noch bis zum kommenden Freitag können Kaufinteressenten für die Möbel der Frankfurter Immobiliengruppe Gebote abgeben.
Das alte Schiffs-Modell hat bei der Online-Auktion schon einige Gebote eingeheimst. Es soll für mindestens 30 Euro unter den Hammer.
Pompös und staatsmännisch, so war die Einrichtung von Stephan Schäfer und Jonas Köller. Nicht kleckern, sondern klotzen...
Ein Kunstwerk mit den Initialen wird genauso versteigert...
...wie ein Gemälde mit Dollar-Zeichen.
Bereits geöffnete Getränkedosen mit aufgedrucktem S&K-Logo - Überbleibsel der Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller.
Von solchen Sofas können Interessierte gleich mehrere ersteigern.

Weil Fairvesta dem Karibik-Fondsmanager auf einmal viel höhere Verkehrswerte nannte, glaubte dieser an ein gutes Geschäft. Die Wertsprünge aber lassen daran zweifeln, wie viel Aussagekraft die von Fairvesta angegebenen Verkehrswerte haben. Für die Fondsanleger der 13 noch aktiven Immobilienfonds dürfte diese Frage nicht unbedeutend sein. Ob ihr Fonds in den roten oder in den schwarzen Zahlen steckt, hängt stark von den Verkehrswerten der in ihren Fonds enthaltenen Immobilien ab. Die Zahlen auf der Liste werfen jedenfalls weitere Fragen auf:

Der Wert der Chemnitzer Immobilie wurde nach dem Verkauf durch Fairvesta 2 an REOPP mit 1,1 Millionen Euro angegeben. Ein Jahr zuvor hatte Fairvesta gegenüber den Fairvesta-2-Anlegern noch von 815.000 Euro gesprochen. Wenn die Immobilie so viel wertvoller geworden ist, stellt sich die Frage, warum sie aktuell für 713.000 Euro angeboten wird.

Das Objekt in Mühlhausen bei Augsburg soll 2,2 Millionen wert sein, wurde aber im Herbst 2013 von einem Makler für 1,7 Millionen Euro zum Kauf angeboten.

Ein Leipziger Bürogebäude, das früher Fairvesta 2 gehörte, ist 2012 erneut weiterverkauft worden. Der Preis ist unklar. Der Geschäftsbericht des Käufers, eine kurz vorher gegründete Leipziger Gesellschaft, weist Sachanlagen – dazu zählen Immobilien – von 530 000 Euro aus. Es ist naheliegend, dass es sich um den Immobilienkaufpreis handelt. Die Leipziger Gesellschaft will sich dazu nicht äußern. Sollte der Kaufpreis 530.000 Euro betragen, würde auch das auf weit hergeholte Verkehrswerte hindeuten. Gegenüber dem Karibik-Fonds wurden nämlich 1,2 Millionen Euro Verkehrswert genannt.

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Weitere Hinweise darauf, dass die von Fairvesta publizierten Zahlen nicht unbedingt der Realität entsprechen, bietet ein Wohn- und Geschäftshaus in Pirmasens. Auf der Liste, die dem Karibik-Fonds zur Verfügung gestellt wurde, wird behauptet, die Mieteinnahmen betrügen 154.000 Euro pro Jahr. In einer Kundeninfo nannte Fairvesta 2012 dagegen 83.000 Euro Miete. Bei einer Pressekonferenz im Dezember 2013 sprach Knoll von 60.000 Euro. Auch zum früheren Kaufpreis machte Fairvesta widersprüchliche Angaben.

Dass Fairvesta derart mit Verkehrswerten, Mieteinnahmen und Kaufpreisen jongliert, ist ein Alarmsignal für Anleger. Sie müssen sich fragen, ob sie sich darauf verlassen können, ihre zweistelligen Traumrenditen auch tatsächlich zu erhalten.

Privatanleger haben Fairvesta noch im vergangenen Jahr 177 Millionen Euro neu anvertraut. Der Karibik-Fonds aber hat sein Vertrauen verloren. Er fordert die 2,1 Millionen Euro zurück und will das Kapitel Fairvesta dann schleunigst beenden. Ob ihm das gelingt, ist aber mehr als fraglich.

Podcast: Money Master

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