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Edelmetall-Rekorde Gold glänzt – bei Silber droht ein Crash

Der Dollar taumelt und beschert den Edelmetallkursen neue Rekorde. Doch die Wege von Gold und Silber könnten sich bald trennen. Experten sehen bei Silber akute Absturzgefahr.

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Gold und Silber - endet der Gleichlauf mit einem Knall? Quelle: handelsblatt.com

Die Schwäche des Dollars und die Aussicht auf eine lang anhaltende expansive Geldpolitik haben dem Höhenflug der Edelmetalle neuen Schwung verliehen. Der Goldpreis stieg am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch bei knapp 1.536 Dollar je Feinunze. Auch der Silberpreis, der nach einem Rekordhoch zu Wochenbeginn vorübergehend stark korrigiert hatte, zog wieder an und stieg in der Spitze bis auf 40 Cent an den Höchststand bei 49,75 Dollar an.

Kurstreibend wirkte vor allem die Entscheidung der US-Notenbank, an ihrer extrem lockeren Geldpolitik festzuhalten. Die Fed beließ die Leitzinsen im Korridor von null bis 0,25 Prozent und kündigte an, ihr Anleihekaufprogramm im Volumen von 600 Milliarden Dollar wie geplant bis Ende Juni laufen zu lassen. Zudem hält die Notenbank an der Praxis fest, zufließende Gelder aus auslaufenden Staatsanleihen und Hypothekenpapieren, erneut am Markt zu investieren.

Den Dollar, der seit Wochen unter Druck steht, warf die Fed-Entscheidung weiter zurück. Gegenüber dem Euro verbilligte sich die US-Währung zeitweise auf 1,4880 Dollar je Euro. Der Dollar-Index, der die Entwicklung des Greenback im Vergleich zu sechs wichtigen Weltwährungen misst, fiel mit weniger als 73 Punkten auf den tiefsten Stand seit 2008.

Die Angst vor einem weiteren Kursverfall des Dollars treibt die Edelmetallkurse seit Monaten an. Die Sorge, dass die amerikanische Geldpolitik mittelfristig die Inflation treibt, schürt die Nachfrage nach Gold und Silber, die als wertstabile Anlagen gelten. Allerdings verläuft die Kursentwicklung seit Monaten sehr unterschiedlich. Während der Goldpreis in Dollar im laufenden Jahr gut sieben Prozent zulegte, verteuerte sich Silber um 55 Prozent. Bereits im Vorjahr hatte der Silberpreis mit 82 Prozent Zuwachs den Goldpreis, der 28 Prozent zulegte, klar in den Schatten gestellt.

Nach Meinung von Experten könnte sich das Bild in den kommenden Monaten aber drastisch drehen. Während die meisten Experten für Gold weiteres Kurspotenzial sehen, gilt die Silberrally als stark überreizt: "Silber hat das Ende der Fahnenstange erreicht", sagt Daniel Briesemann, Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank. "Die Volatilität ist in den vergangenen Tagen stark angestiegen, das zeigt die Nervosität der Investoren. Silber kann vielleicht noch abschließend über 50 Dollar steigen, aber dann könnte es zu einem regelrechten Crash kommen", erwartet Briesemann.

Berechnungen der Commerzbank haben vor allem spekulative Investoren den Silberpreis nach oben getrieben. Lege man nur die Nachfrage der Industrie zugrunde, sei lediglich ein Preis von 20 Dollar je Unze gerechtfertigt, rechnet Briesemann vor. "Ein Absturz bis auf 30 Dollar würde mich daher nicht überraschen."

Anders ist die Lage am Goldmarkt. Als traditionelle Krisenwährung sei Gold aktuell sehr gut unterstützt, sagt der Commerzbank-Analyst. Neben der Sorge vor der Inflation und der Abkehr vom Dollar sorgten auch die Schuldenkrise in den USA und der Euro-Zone sowie die Vielzahl geopolitischer Risiken für eine hohe Nachfrage. Nicht wirkten auch Goldkäufe von Zentralbanken, die ihre Devisenreserven stärker diversifizieren wollten, für Impulse. Briesemanns Fazit: "Ende des Jahres sehen wir den Goldpreis bei 1.600 Dollar."

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