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Ehrhardt, Flossbach, Galler und Grünewald Das sagen Börsenexperten über das Finanzjahr 2016

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"Die langfristige Perspektive in China ist gut"

Wie groß ist die Gefahr einer Finanzkrise?

Flossbach: Ich komme gerade von einer Asienreise. Klar, es gibt in China Probleme, das Wachstum hat sich abgekühlt, und es mag statistisch geschönt sein. Aber einen Bankencrash, eine chinesische Lehman-Krise, sehe ich nicht. Hedgefonds haben oft darauf gewettet und sich die Finger verbrannt.

Ehrhardt: Es gibt viele staatliche Stützungsmaßnahmen, wie 2015 eine geringere Mehrwertsteuer auf kleine Autos, oder weniger Eigenkapitalanforderungen für Kredite. Da fragt man sich natürlich, was alles noch kommen muss, bis die Wirtschaft wieder von alleine stabil ist. Aber der Staat wird seine Banken nicht pleitegehen lassen.

Welche Aktien die Jahresendrally mitmachen – und welche nicht

Grünewald: Die langfristige Perspektive in China ist gut: Die Bevölkerung wächst, das Bildungsniveau nimmt zu, Milliarden Frauen in den Schwellenländern nehmen erstmals am Wirtschaftsleben teil, sie bringen ein riesiges Wachstumspotenzial.

Welche Regionen bevorzugen Sie 2016?

Ehrhardt: Ich bevorzuge Märkte, in denen Überschussliquidität herrscht, also mehr Geld geschaffen wird, als man zur Finanzierung des Wachstums braucht; das fließt an die Börse. Das sind im Moment Europa und Japan. Das Problem ist, dass das viele schon bemerkt haben. In China dagegen sind sie unterinvestiert, das macht den Markt langfristig wieder interessant. Ebenso die USA. Die gelten als teuer gegenüber Europa, aber da werden Äpfel mit Birnen verglichen. Innovative Unternehmen mit hohem Gewinnwachstum dürfen teurer sein; davon gibt es in Europa leider nur sehr wenige.

Welche potenziellen Risiken haben die ­Anleger noch nicht so auf dem Schirm?

Galler: Die Wahl in Spanien muss man beobachten; bei einem Sieg von Populisten, die den Reformkurs aufgeben wollen, wird die Euro-Krise wieder aufflammen. Auch der Ölpreis könnte für böse Überraschungen sorgen. Beim aktuellen Preis hat Saudi-Arabien massive Probleme, mit Folgen für die ohnehin brenzlige Region. Die Opec wird daher mit aller Macht versuchen, den Ölpreis wieder in aus ihrer Sicht etwas angenehmere Preisregionen zu manipulieren.

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Gold scheint aus der Mode gekommen, trotz Krise steigt der Preis seit 2012 nicht mehr. Sollten Anleger nachkaufen, oder war der Goldboom ein Strohfeuer?

Ehrhardt: Gold ist meiner Meinung nach eher ein Kauf. Die Asiaten dürften bald wieder mehr Gold nachfragen als in den letzten zwei Jahren, das sollte den Preis treiben.

Flossbach: Der Goldpreis reagiert weniger auf Finanzkrisen als auf die chinesische und indische Konjunktur. Mit der Schwellenländerschwäche wird auch die Goldpreisdelle überwunden werden. Wir sehen Gold als eine Art Risikolebensversicherung: Jeder freut sich, wenn er sie nicht braucht. Die Kosten dieser Versicherung sind niedrig, weil Gold, anders als früher, keine Opportunitätskosten hat: Die Zinsen sind null; Anlegern entgehen keine Zinseinnahmen, wenn sie Gold kaufen, statt Geld auf der Bank zu lassen.

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