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Elsässers Auslese

Bei Börsenturbulenzen die Nerven behalten

Markus Elsässer Value Investor

Viele Aktionäre und Geldanleger sind orientierungslos. Hin- und hergerissen zwischen Euphorie und Verlustängsten werfen Sie ihre Anlageentscheidungen immer wieder über den Haufen. Was Sie beachten sollten.

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Die Geschichte zeigt, dass man in Krisenzeiten einen kühlen Kopf behalten sollte Quelle: dpa

Wer auf Dauer ein Vermögen aufbauen will, braucht eine wirkliche Anlagestrategie. Und von der muss der Investor rückhaltlos im tiefsten Inneren überzeugt sein. Irgendein „Nachbeten“ kluger Sprüche der Volkswirte oder Banker bringt einen nicht weiter. Für eine echte Standortbestimmung empfehle ich einmal inne zuhalten und den Blick weit schweifen zu lassen. Wie ist es eigentlich zu dem Punkt gekommen, an dem wir heute stehen? Und wie wird es weiter gehen?

Zur Person

Den meisten Geldanlegern fehlt die Zeit und Ruhe, das Gesamtbild der Weltwirtschaft im historischen Entwicklungskontext zu erfassen. Sie sind verstrickt in den psychologischen Auswirkungen, die - ausgelöst durch Tagesmeldungen und Einzelereignisse - zu extremer Verunsicherung führen. Deshalb ist es ja ein uraltes Phänomen, dass die meisten Aktionäre zum Tief des Crash das Handtuch werfen und zum Ergebnis kommen: „Die Börse, nein, die ist wirklich nichts für mich“. Die Verluste werden realisiert und einzementiert. Nie wieder Aktien, heißt es. Ab jetzt nur noch Immobilien. Und gleichzeitig warten die meisten Anleger auf neue Börsenhochstände und euphorischen Jubel, bis sie sich sicher genug fühlen, das Börsenparkett wieder zu betreten. Das unerquickliche Ergebnis dieses prozyklischen Ansatzes ist  zum Zeitpunkt des Einstiegs bereits programmiert.

Die Menschen wollten Stabilität und Sicherheit

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    Was wirklich hilft, ist zunächst einmal der Blick auf die Historie und den Globus. Das einschneidende Ereignis des 20. Jahrhunderts war der Zweite Weltkrieg. Für die heutige Betrachtung geht eine relevante Analyse ab hier los. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte sich die gesamte Welt wirklich verändert. Überwiegend stand man vor einem Scherbenhaufen. Nach 1945 musste die gesamte Anstrengung, vor allem der westlichen Welt, auf eine Priorität konzentriert werden: Das Gefühl von Stabilität und Sicherheit vermitteln.

    Nur so war es möglich, eine traumatisierte Generation von Menschen zu einem konstruktiven, lebenslänglichen Arbeitseinsatz zu bewegen. Stabile gesellschaftliche Verhältnisse, abgegrenzte Nationalgebilde, übermäßige Staatsversprechen von Altersversorgung, gesicherte Arbeitsverhältnisse usw. sorgten für eine Illusion einer von der Zeit losgelösten Scheinsicherheit. Diese hatte es in früheren Jahrhunderten nie gegeben und wird es auch künftig nicht mehr geben.

    Wirtschaft brummte nur in Nordamerika und Westeuropa

    Damit einher ging von 1945 bis 1989 eine sehr eingegrenzte Welt für die Unternehmen. Der wirtschaftliche Motor wurde im wesentlichen in Westeuropa und Nordamerika angetrieben. Dort kam das Wachstum her. Aufbauzeit. Der Ostblock wurde von zentraler Planwirtschaft geknebelt und konnte mit dem Boom des Westens nicht mithalten. Der afrikanische Kontinent war bettelarm (bis auf Rhodesien und Südafrika). In Latein- und Südamerika grassierten Hyperinflation und fragwürdige politische Regime. In Asien waren lediglich Hong Kong, Taiwan und Singapur punktuelle, glanzvolle Leuchttürme in einer allgemeinen Düsterheit aus Armut und Abgeschiedenheit. Das Reich der Mitte, die Volksrepublik China, hatte sich unter den Kommunisten vom wirtschaftlichen Mithalten verabschiedet.

    Trotz dieser geographischen Einschränkung nahmen die erfolgreichen Unternehmen des Westens in Europa und den USA in dieser Zeit einen enormen Aufschwung. Zum Wohl ihrer Aktionäre. Was bis heute aber von den meisten Investoren nicht richtig eingeordnet wird, ist die Wucht des  Umbruchs, welche nach 1989 eingeläutet wurde: Die Absatzgebiete für viele der global tätigen Unternehmen haben sich nicht einfach nur verbessert, nein, sie haben sich vervielfacht. Ein wahrer Dammbruch und Trend, der bis heute anhält und noch lange nicht zu Ende ist.

    Die Schwellenländer haben aufgeholt

    Das führende technische Know How und die Weltkonsum-Markenartikel der westlichen Unternehmen Europas und Amerikas sind die großen Gewinner. Nach und nach öffneten sich die Weltmärkte. Osteuropa ist unternehmerisch zugänglich. Südamerika hat sich im Vergleich zu der Zeit vor 1989 zu einer stabileren Absatzregion gemausert. Nicht einfach zu bedienen, aber machbar. Das kommunistische China alter Prägung gestand sich die Niederlage ein, und legte mit einem 50-Jahre Aufholprogramm eine sensationelle Wende hin. 

    Ganz Asien schreitet Schritt für Schritt der Neuzeit entgegen. Und selbst in Afrika ist trotz vieler Schreckensbilder im TV unternehmerisch mehr los, als man allgemein ahnt. Überall, auch in politisch schwierigen Gebieten, wird investiert. Das internationale Geld ist mutig und weitsichtig. Mir fallen lediglich Nord-Korea und Zimbabwe als die Länder ein, die sich momentan ausgeklinkt haben.

    Es beginnt die Weltversorgungs-Epoche

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      Es handelt sich um Absatzgebiete und Bevölkerungszahlen in ungeahnten Größenordnungen für die westlichen Unternehmen, die sich langsam und organisch bis 1989 darauf hin vorbereiten konnten. Der eigentliche, langfristige Aufwärtstrend befindet sich noch in der Anfangsphase dieser, ich nenne mal „Weltversorgungs-Epoche“. Auf meinen Geschäftsreisen kann ich immer wieder die Basis für diese Weltdynamik feststellen: Die Menschen sind sich trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Kultur recht gleich. Die Bedürfnisse nach einem angenehmen Leben ähneln sich.

      In den großen Mega-Städten in den Emerging Markets wollen die Menschen mit Fahrstühlen in den Wolkenkratzern in ihre Wohnungen und Büros fahren. Sie brauchen gute sanitäre Verhältnisse. In den Tropen ist es ohne Klimaanlage einfach nicht angenehm und der Gesundheit abträglich.  Die Menschen sind es leid, auf dem Dach überfüllter Vorortzüge zu sitzen, wenn sie zur Arbeit fahren. Sie sehnen sich nach Privatsphäre und einem modernen Leben westlicher Prägung. Die Liste lässt sich stundenlang fortsetzen. Da gibt es auch nichts zu debattieren.

      Alle wollen das Gleiche

      Und hier kommt das Erstaunliche. Nicht die landeseigene Kultur der Emerging Markets ist der Gewinner dieser Entwicklung. Nein, es sind genau die gleichen Bedürfnisse, welche sie und ich in Europa und Amerika haben, welche weltweit einen Siegeszug antreten. Nahezu alles, was unsere Kinder cool finden, wird über Internet nach Malaysia, Kapstadt und Uruguay eins zu eins vermittelt. Mehr oder minder zeitgleich. Ob wir es schön finden oder nicht. Eine unglaublich uniforme Weltgesellschaft.

      Den Takt geben die Unternehmen an, die qualitativ hochwertige technische Produkte in modernem Design anbieten und diese zu vermarkten verstehen. Und diese sind vorrangig in Westeuropa und den USA zu Hause. Ausgefeilte Vertriebssysteme, herausragende logistische Leistungen und Großeinsatz des Marketinginstrumentariums machen es möglich. Deshalb sind die Weltkonsum-Markenartikel auch so stark geworden.

      Börse



      Millionen und Abermillionen von Menschen mit steigender Bevölkerungszahl haben durchaus berechtigte Wünsche nach verbesserten Lebensverhältnissen. Sie werden nach und nach durch Fleiß und Internationalisierung des Lebens in eine Art Mittelschicht hineinwachsen. Unabhängig von Konjunkturzyklen ein Trend, auf den der langfristig denkende Aktionär getrost vertrauen kann. Vorausgesetzt, in seinem Aktienportfolio sind auch die richtigen Unternehmen, in meinem Chargon - die „Marathonläufer“. Also, bei der nächsten Börsenturbulenz - nicht so leicht die Nerven verlieren. Der Welttrend arbeitet für Sie. 

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      Dr. Markus Elsässer ist Gründer und berät den ME Fonds- Special Values (WKN: 663307) und den Rohstoff-Aktienfonds ME Fonds Pergamon (WKN: 593117). Diese beiden Fonds könnten Positionen in Titeln halten, die in dieser Kolumne genannt sind.
      Für den Fall, dass Leser dieser Kolumne Positionen eines genannten Titels in einem Umfang erwerben, der dazu geeignet ist, den Preis des Titels zu beeinflussen, könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide die Fonds im Falle der Veräußerung des Titels aus deren Portfolio nach einem solchen Kursanstieg vom Erwerb des Titels durch die Leser der Kolumne profitieren. Auch im Falle eines Verkaufs in einem entsprechenden Umfang durch Leser der Kolumne könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide Fonds von fallenden Kursen durch günstigere Einstiegskurse im Falle eines späteren Kursanstiegs profitieren.

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