Elsässers Auslese

Ein Family Office zahlt sich aus

Markus Elsässer Value Investor

Die See für Anleger wird rauer, sichere Anlagemodelle und substanzielle Zinseinnahmen gehören der Vergangenheit an. Mit Family Offices kann das Vermögen aber wachsen – wenn es die richtigen sind. Eine Kolumne.

Deutschen Börse in Frankfurt am Main (Hessen) Quelle: dpa

Die Banken ziehen sich immer mehr aus dem klassischen Beratungsgeschäft zurück. Die Börse ist schwankungsanfällig und reagiert selbst auf die kleinste Nachricht mit großen Ausschlägen.

Um eine permanente Auseinandersetzung mit dem Faktor „Risiko“ kommt man nicht mehr herum. Viele Anleger ziehen sich verängstigt in ihr Kämmerlein zurück. Andere geben ganz auf und verabschieden sich vom Finanzmarkt. Sie kaufen in ihrer Not eine Immobilie nach der anderen. Kapitalanleger sind gut beraten, über einen alternativen Weg nachzudenken: Die Interessen der Familienmitglieder in einem eigenen „Family Office“ zu bündeln.

Für mich ist es das Modell der Zukunft - auch für kleinere Vermögen. Aber es braucht die richtige Kombination aus Kapital und Talent. Und da liegt die Herausforderung. Einem jungen Berufstätigen sollte man die Frage stellen: Was ist wertvoller: 20 Millionen Euro auf dem Konto oder Talent? Schwer zu beantworten? Ich glaube nicht. Jedes für sich allein ist limitiert und von vornherein begrenzt oder sogar gefährdet. Beides zusammen, das macht den Unterschied. Was aber bedeutet das in der Konsequenz?

Zur Person


1. Psychologie und Persönlichkeit

Fangen wir mit der psychologischen Ausgangsbasis bei den Kapitalbesitzern an. Ohne Frage hat ein großes Vermögen Gewicht. Es eröffnet einem den Zugang zu guten Adressen, Konditionen und Möglichkeiten in der Welt der Finanzen. Demgegenüber ist die Zersplitterung eines Vermögens von Nachteil. Das Abrutschen des Geldanlegers in den Amateurstatus ist programmiert. Windigen Beratern und schlechten Anlagevorschlägen sind Tür und Tor geöffnet. Leider stelle ich aber immer wieder fest, dass der „Freiheitsdrang“ bei den Geldanlegern durchschlägt. Gerade beim Übergang von einer Generation auf die nachfolgende atmen Familienmitglieder erleichtert auf, wenn sie endlich - jeder für sich - ihrer Wege gehen können. Auch unter Geschwistern oder Cousins gibt es wenig Bereitschaft, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und offen über die Finanzen zu sprechen.

Die Börsenkandidaten für den Herbst
ABN AmroDie Privatisierung der niederländischen Großbank ABN Amro droht zum Verlustgeschäft für die Regierung zu werden. Sie teilte am Dienstag mit, 23 Prozent der Anteile an den Markt bringen zu wollen. Die Aktien würden dabei Investoren für jeweils 16 bis 20 Euro angeboten. Auf Basis dieser Preisspanne hat die Bank einen Wert von 15 bis 18,8 Milliarden Euro. Auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise 2008 wurde ABN Amro allerdings mit Steuergeldern in Höhe von mehr als 22 Milliarden Euro verstaatlicht. Quelle: AP
Match (Tinder / Friendscout24)Die Mutterfirma der Dating-Portale Tinder und OKCupid will bei ihrem anstehenden Börsengang mindestens 400 Millionen Dollar einnehmen. Das Unternehmen Match.com, zu dem auch FriendScout24 in Deutschland gehört, setzte die Spanne für den Aktienpreis auf 12 bis 14 Dollar fest, wie aus dem aktualisierten Börsenprospekt hervorgeht. Zusammen mit einer sogenannten Mehrzuteilungsoption für die betreuenden Banken könnte der Börsengang insgesamt knapp 537 Millionen Dollar schwer werden. Match.com kam zuletzt auf 59 Millionen aktive Nutzer im Monat, von denen 4,7 Millionen zahlende Kunden sind. Die Firma gehört zum Internet-Konzern IAC, der auch nach dem Börsengang die Kontrolle mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent behalten will. Match.com verdiente in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 85 Millionen Dollar - fast 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz wuchs binnen eines Jahres um 16 Prozent auf knapp 753 Millionen Dollar. Quelle: dpa
Hapag-LloydDer Schifffahrtskonzern Hapag-Lloyd hat seinen Börsengang mit letzter Kraft geschafft. Die angebotenen Aktien seien für 20 Euro je Stück verkauft worden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend (3.11.) mit. Das ist das untere Ende der bereits gesenkten Preisspanne von 20 bis 22 Euro. Zuvor hatte Hapag noch 23 bis 29 Euro haben wollen. Der angepeilte Bruttoemissionserlös von 300 Millionen US-Dollar wurde wegen der angehobenen Aktienzahl dennoch erreicht. Neben den von ursprünglich 11,5 auf 13,2 Millionen Anteilscheinen erhöhten Zahl an neuen Papieren wurden auch knapp 2 Millionen Aktien aus dem Bestand des Alteigentümers Tui verkauft. Die beiden Kernaktionäre Kühne und CSAV beteiligten sich mit je 30 Millionen Dollar an der Kapitalerhöhung. Der erste Handelstag für die Aktien im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse ist für Freitag (6.11.) vorgesehen. Quelle: dpa
ABN AmroDie niederländische Großbank hat offenbar alle Genehmigungen für einen Börsengang beisammen - und könnte noch im vierten Quartal 2015 den Sprung aufs Parkett schaffen. ABN Amro zählt zu den drei größten Banken der Niederlande und musste im Zuge der Finanzkrise 2008 verstaatlicht werden. Die niederländische Regierung will nun 15 bis 25 Prozent der Bank über die Börse verkaufen. Damit steht ein weiterer Milliarden schwerer Börsengang an: Der Buchwert der ABN Amro soll bei 15,6 Milliarden Euro liegen. Quelle: REUTERS
Börsengang von Ferrari an der New Yorker Wall Street Quelle: AP
SteilmannDer Modehersteller und -händler Steilmann backt bei seinem Börsengang mangels Nachfrage kleinere Brötchen. Statt bis zu 98 Millionen Euro begnügt sich das Unternehmen aus Bergkamen nun mit einem Erlös von 50,3 Millionen Euro, wie Steilmann am 22. Oktober 2015 mitteilte. Das Aktienangebot wird auf 14,4 Millionen von bis zu 19,55 Millionen Papiere verkleinert, der Preis dafür auf 3,50 Euro festgesetzt. Das liegt am unteren Ende der bis zu 5,00 Euro reichenden Spanne. Die Steilmann-Papiere können noch bis zum 29. Oktober. Am 3. November sollen sie erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Steilmann will mit dem Erlös vor allem den italienischen Finanzinvestor Equinox bei der Billigmodekette Adler herauskaufen und dort allein die Mehrheit übernehmen. Quelle: dpa/dpaweb
Poste ItalianeItaliens Regierung will die staatliche Post an die Börse bringen und damit eine Milliardensumme einnehmen. Die Aktien sollen nach Aussage von Geschäftsführer Francesco Caio am 26. oder 27. Oktober erstmals an der Börse gehandelt werden.  Der Börsengang der Poste Italiane soll dem Staat bis zu 3,7 Milliarden Euro einbringen, wie das Finanzministerium in Rom mitteilte. Der Staat will so etwas weniger als 40 Prozent der Post privatisieren. Es wäre der größte Börsengang in Italien seit 1999. Quelle: PR
SquareTwitter-Gründer Jack Dorsey will nun auch sein anderes Firmenbaby, den Bezahldienst Square an die Börse bringen. Die Aktie soll an der New York Stock Exchange gelistet werden und dem Unternehmen 275 Millionen Dollar in die Kasse spülen. Quelle: REUTERS
DeezerDeezer-Vorstandschef Hans-Holger Albrecht will den Musik-Streamingdienst an die Pariser Börse bringen - bis Ende Oktober. Damit will er Anschluss an den - noch immer nicht börsennotierten - Marktführer Spotify aus Schweden und das neue Angebot von Apple halten. Der Börsengang könnte an die 400 Millionen Euro schwer werden. Demnach strebt Deezer eine Börsenbewertung von 900 bis 1,1 Milliarden Euro an. Quelle: REUTERS
HelloFreshDer Lebensmittelversand schickt Zutaten und Kochrezept in einem Paket und gilt als Börsenhoffnung von Mehrheitseigner Rocket Internet, dem Internet-Start-up-Inkubator der Samwer-Brüder. Ende September deutete deren Chef Oliver Samwer einen Börsengang in den kommenden 18 Monaten an. Marktbeobachter rechnen daher mit einem Börsengang des Kochbox-Anbieters HelloFresh. Quelle: dpa
WestwingNoch ein Börsenkandidat aus dem Hause Rocket Internet. Der Online-Händler für Möbel und Wohnaccessoires gilt schon länger als Börsenkandidat, im August sah es aber so aus, als wäre ein IPO vorerst vom Tisch. Die Bewertung wird derzeit auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Bildquelle: "obs/Westwing Home & Living GmbH" Quelle: obs

Ego-Probleme, mangelndes Selbstbewusstsein, schlechte Gefühle aus Zeiten der Bevormundung machen sich hier in fataler Weise bemerkbar. Bei dem einen ist es der Spieltrieb, der sich ausleben möchte. Kapital als Spielwiese in einem sonst eher langweiligen Leben. Kritische Betrachter sind da nicht erwünscht. Bei dem anderen ist es die Möglichkeit, das Gefühl von Macht und Einfluss gegenüber seinem Berater oder Banker auszukosten. Endlich hat man jemanden an der Telefonleitung, dem man ordentlich „den Marsch blasen kann“. Wie dem auch sei, letzten Endes siegt in all diesen Fällen die Psyche über die Vernunft. Die nüchterne Einsicht bleibt auf der Strecke. Wer sein Kapital dauerhaft mehren möchte, muss sein Ego der Sache wegen hinten anstellen. Wer dazu nicht bereit ist, spielt mit dem Feuer.

2. Talent und Kompetenz

Ist der Schritt zur Zusammenarbeit von Familienmitgliedern denn getan, kommen wir zum zweiten Punkt: dem Verhältnis von Kapital zu Talent. Denn der Dynamo zur konstanten Wertentwicklung eines Vermögens wird erst richtig mit Fachwissen, Können und Erfahrung angeworfen. Da ist das Beste gerade gut genug und das kostet nun einmal Geld. Weit verbreitet ist die innere Haltung: Wir sind ja schon reich, das geht ja auch mehr oder minder von alleine, das schaffen wir schon selbst mit ein paar „Hilfsbremsern“, es sind ja eh alles gleich schlecht und so weiter. Man wiegt sich in Sicherheit angesichts großer Kapitalsummen auf den Depotauszügen.

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