Elsässers Auslese

Pensionskassen - die wahren Börsen-Machthaber

Markus Elsässer Value Investor

Wer hat das große Geld? Es sind nicht die Banken, sondern die Pensionskassen! Sie sind die heimlichen Drahtzieher an der Börse. Ein Blick hinter die Kulissen wirft interessante Perspektiven für die Aktionäre auf.

Händler an der Börse in New York Quelle: dpa

In meiner Kolumne „Elsässers Auslese - Bei Börsenturbulenzen die Nerven behalten“ vom 26. Oktober habe ich aufgezeigt, wie die langfristige Veränderung der globalen Wirtschaftsverhältnisse die Aussichten vieler Firmen beflügeln wird. Eine dynamische Weltwirtschaft geht Hand in Hand mit Unternehmenswachstum. Doch das heißt noch lange nicht, dass die Börsenkurse automatisch steigen.

Börsenkurse steigen substanziell nur, wenn Investoren im Markt aktiv sind, die zum einen über viel liquides Kapital verfügen, zum anderen auch bereit sind, laufend höhere Preise für Aktien zu zahlen. Und nun kommt der springende Punkt: Sie müssen außerdem in der Lage sein, die Aktien lange im Bestand halten zu können. Alle drei Kriterien erfüllt eine Investorengruppe, die in Deutschland wenig bekannt ist: Die großen, global tätigen Pensionskassen.

Die Zahlen sind atemberaubend. Die 300 größten Pensionseinrichtungen der Welt verfügten Ende 2014 über 15.400 Milliarden US-Dollar. Noch vor zehn Jahren, Ende 2004, waren es 8.400 Milliarden Dollar, laut einer Studie der Agentur Towers Watson. Von dieser gigantischen Summe sind heute etwa 40 Prozent in Aktien investiert.

Zur Person

Wer sind diese Pensionsadressen? An der Spitze der Top-Pensionskassen steht beispielsweise der japanische Staatsfonds mit 1.100 Milliarden Dollar, der norwegische Pensionsfonds mit 880 Milliarden Dollar, die nationale Kasse von Südkorea mit 430 Milliarden Dollar, die Pensionskasse der öffentlichen Angestellten Kaliforniens mit 296 Milliarden Dollar, der New York City Retirement Fund mit 158 Milliarden Dollar und der dänische ATP Fund mit 122 Milliarden Dollar Volumen.

Die treibende Kraft hinter diesen enormen Kapitalien und ihren Zuwachsraten beruht auf zwei Faktoren: Erstens die stetig höhere Beschäftigungsquote in der Welt, noch dazu auf einem steigenden Gehaltsniveau. Zweitens die hohe Aktienquote in der Anlagepolitik der Pensionskassen. Sie bescherte seit 2009 im Schnitt vier bis sieben Prozent Wertzuwachs pro Jahr.

Die nachhaltigen Auswirkungen für die Börsen sind nicht zu unterschätzen. Dazu müssen wir die Kapitalbewegungen bei den Pensionskassen ins Verhältnis zu der Marktkapitalisierung der börsennotierten Aktiengesellschaften setzen. Dazu zwei interessante Fakten:

  1. Die Dividendenflut:
    Nach meinen Berechnungen fließen den Pensionskassen jährlich etwa 120 Milliarden Dollar allein an Dividendenausschüttungen zu. Zusätzlich steigt das Vermögen durch laufende Einzahlungen, vor allem in den Nationen mit junger Bevölkerungsstruktur. Diese 120 Milliarden Dollar müssen zum Großteil wieder neu angelegt werden. Jahr für Jahr aufs Neue.
  2. Anlageentscheidungen:
    Entschließt sich die Hälfte der Pensionskassen beispielsweise eine Blue Chip Aktiengesellschaft mit einem Prozent ihres Pensionsvermögens zu gewichten, so flattern an der Börse insgesamt Kauforders über 77 Milliarden Dollar ein.
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