Elsässers Auslese

Übernahme geplatzt - und wo bleibt der Aktionär?

Markus Elsässer Value Investor

Wenn trotz üppiger Angebote Übernahmen am Managerunwillen scheitern, schauen Aktionäre in die Röhre. So wie beim geplatzten Übernahmeversuch von Syngenta bei K+S, und es gibt weitere Beispiele. Das ist nicht hinnehmbar.

Lockheed Martin schluckt Black-Hawk-Hersteller
Lockheed übernimmt Airbus-Konkurrenten Quelle: REUTERS
Militärhubschrauber Black Hawk Quelle: AP
Verizon kauft AOL Quelle: dpa
Hutchison Whampoa übernimmt O2 Quelle: REUTERS
Valeant kauft Salix Quelle: AP
NXP Semiconductors kauft Freescale Quelle: dpa
Intel kauft Altera Quelle: REUTERS

Was ist eigentlich mit den Aktionären los? Sind die Vertreter des großen Kapitals wirklich noch auf Seiten der Aktionäre? Da scheitern die Übernahmeversuche bei K+S und Syngenta am Widerstand der Manager, Werte in Höhe von Milliarden Euro gehen verloren, und scheinbar regt sich keiner darüber auf. Hier zeichnet sich eine bedenkliche Entwicklung ab.

Zur Person

Zunächst einmal vorweg. Ich bin grundsätzlich dafür, dass erfolgreiche Unternehmen eigenständig bleiben sollten. Noch heute tut es mir in der Seele weh, wenn ich daran denke, wie mir im Jahre 2003 die Hilti Aktie in der Schweiz und 2008 die Kaugummifirma Wrigley an der Wallstreet per Takeover abgenommen wurden. Rückblickend wären die Aktionäre besser gefahren, wenn sie noch heute diese Aktien halten könnten.

Doch im Falle der beiden jüngst geplatzten Übernahmen, dem Schweizer Pflanzenschutz-Unternehmen Syngenta und dem deutschen Düngemittelkonzern K+S, sehe ich den Fall ganz anders. Ich hätte eine Übernahme begrüßt.

Aus welcher Perspektive sehe ich das? Nun, ganz einfach aus der des Aktionärs. Das Management hat sich vehement gegen den Aufkauf gestemmt. Der Effekt: Für die Syngenta Aktie wurden 449 Schweizer Franken - und schließlich wohl sogar 470 Franken - von einem seriösen Konkurrenten, dem amerikanischen Saatzucht-Riesen Monsanto, geboten. Nach der Ablehnung steht der Syngenta Börsenkurs nun bei 299 Franken. Ähnlich schlimm geht es den K+S Aktionären. Der kanadische Düngemittelkonzern Potash hatte 41 Euro pro Aktie geboten. Nun dümpelt die K+S Aktie auf einem Kursniveau von 24 Euro. Das sind schon beachtliche Verlustdimensionen.

Die Parallelität der beiden Fällen ist schon erstaunlich:

1. Die Börsenhistorie der beiden betroffenen Firmen ist ähnlich. Die Aktionäre wurden nicht gerade verwöhnt. K+S notierte im Juni 2008 bei mehr als 90 Euro pro Aktie in der Spitze. Seit dem ging es mit Zuckungen bergab. Im Sommer 2013 lag der Kurs der K+S Aktie schließlich im Tief bei 15 Euro. Auch Syngenta hat den Börsenaufschwung der vergangenen Jahre verpasst. Anfang 2013 stand die Aktie bei 400 Schweizer Franken, um dann in der Region bei 300 Franken vor der Übernahmeofferte zu landen. Offensichtlich haben es die Manager beider Firmen nicht verstanden, das Vertrauen der Investorengemeinschaft zu gewinnen. In keinem der beiden Fälle kann das Top-Management auf einen überragenden Erfolgsausweis zugunsten der Eigentümer verweisen.

Wer seine Aktionäre belohnt - und wer seine Mitarbeiter
Commerzbank Quelle: dpa
Lufthansa Quelle: REUTERS
Thyssen-Krupp Quelle: dpa
Infineon Quelle: dpa
Heidelberg CementHeidelberg Cement gehört zu den Dax-Konzernen, in denen die Mitarbeiter mehr vom Gewinn und Umsatz des Konzerns profitieren. Im Schnitt bekam im Jahr 2014 jeder Mitarbeiter 45.646 Euro. Das ist im Vergleich zu 2000 ein Anstieg von 23 Prozent. Zwar erhöhte der Baustoffkonzern die Dividende für seine Aktionäre um 25 Prozent auf 0,75 Euro je Aktie, doch insgesamt ist die Dividende in 14 Jahren um 35 Prozent gesunken. Quelle: dpa/dpaweb
Deutsche Börse Quelle: dpa
SAPSAP gehört wie Adidas zu den Unternehmen, bei denen sich der Aufwand pro Beschäftigtem reduzierte. 105.865 Euro waren es pro Mitarbeiter, zwölf Prozent weniger als 2000. Die Dividende erhöhte sich aber um ganze 686 Prozent – der zweithöchste Anstieg der Dax-Konzerne. Das machte zuletzt 1,10 Euro je Aktie für die Anleger. Quelle: dpa

2. In beiden Fällen war der potenzielle Aufkäufer ein hoch angesehenes Unternehmen aus der Branche. Mangelnde Kompetenz und fehlende Finanzkraft oder unlautere Absichten konnten nicht unterstellt werden.

3. Auffällig ist, dass beide Übernahmeofferten aus Nordamerika stammten. In den USA rollt seit langem eine wahre Übernahmewelle in immer größeren Ausmaßen. Wenn der Preis stimmt, ist das Unternehmen weg. Auch innerhalb Europas gibt es wenig Widerstände. Vor Kurzem wurde zum Beispiel die innereuropäische Fusion der Tür-Zugangsspezialisten Dorma+Kaba rundum begrüßt und von der Börse gutgeheißen. Hinter vorgehaltener Hand sprechen Schweizer Privatbankiers von einem allgemeinen Unmut europäischer Top-Manager, sich einer amerikanischen „Imperialisierung“ zu beugen. Es hat den Anschein, dass die Welt der „US-Corporate Culture“ sich immer weiter von der europäischen Firmenkultur entfernt. Könnte es sein, dass man sich auf den europäischen Top-Manager Etagen bedroht fühlt?

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