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Elsässers Auslese

Der Finanzvorstand – der Botschafter der Aktionäre

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Vorstände sind meist nicht visionär genug oder größenwahnsinnig

Allen Divisionen ist gemeinsam, dass sie mit schlagkräftigen Argumenten eloquent ihren Standpunkt verteidigen. Diese sind nicht so ohne weiteres vom Tisch zu wischen. Der Vorstandsvorsitzende hat zwar die letzte Entscheidungshoheit, doch nicht in jedem CEO schlägt ein Herz mit Liebe zugunsten der Kapitalverzinsung der Aktionäre. 

Die Vorstandsvorsitzenden, die ich erlebt habe, kann man letztlich in zwei Gruppen einteilen. Entweder sie sind nicht visionär genug und gehen zu ängstlich vor. Sie kleben an den vorgegebenen Budgetzahlen. Voller Furcht begegnen sie den Bankanalysten und lassen sich von diesen im „Klein-Klein“ der angekündigten Bilanz- und Ergebnisdaten festnageln. Der große Wurf, die Entfaltung des eigentlichen Potenzials des Unternehmens, kommt zu kurz.

Wer bei den Dax-Konzernen kommt und geht
Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Adidas, Herbert Hainer Quelle: dpa
Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Marijn Dekkers Quelle: dpa
Thomas-B. Quaas (M), Vorstandsvorsitzender der Beiersdorf AG, und die Vorstandsmitglieder Ulrich Schmidt (l) und Markus Pinger (r) Quelle: dpa
CEO der Commerzbank, Martin Blessing Quelle: dpa
Renata Jungo Brüngger Quelle: dpa
Deutsche Bank CFO Marcus Schenck, COO Kim Hammonds, co-CEO Juergen Fitschen and Chief Executive John Cryan Quelle: REUTERS
Eon Vorstandsmitglied Bernhard Reutersberg Quelle: dpa

Der Finanzvorstand braucht eine starke Rolle

Auf der anderen Seite haben wir den Vorstandsvorsitzenden, der einen ausgeprägten Hang zum Größenwahn hat. Er arbeitet rein wachstumsorientiert und denkt in quantitativen Größenordnungen von Umsatz und Marktanteilen. Für die „Finanzfritzen“ hegt er eher Mitleid. Er verachtet den CFO letzten Endes und ärgert sich über ihn. Für diesen Typ von CEO ist der Finanzvorstand der klassische kleinkarierte „Geschäftsbremser“. Glauben Sie mir, das habe ich alles schon erlebt.

Aus all diesen Gründen ist es für den Geldanleger und Aktionär wichtig, sich ein klares Bild über „seinen“ Finanzvorstand zu machen. Es reicht nicht aus, einen Finanzexperten zu beschäftigen, der im nach hinein die Daten korrekt erfasst und dokumentiert. Dem Finanzvorstand muss von Anfang innerhalb des Vorstands eine starke Rolle zugedacht sein. Er ist entscheidend, dass dauerhaft vernünftige Geschäfte gemacht werden. Da muss er von der Stunde „Null“ mit involviert sein.

Mir ist es am liebsten, wenn hinter einer großen CEO-Persönlichkeit, als Nummer zwei im Unternehmen ein extrovertierter CFO steht. Seine Position darf nicht angefochten werden. Dabei sehe ich einen guten Finanzvorstand nicht nur in einer unternehmens-internen starken Position.

Nach außen hin ist der Finanzvorstand der entscheidende Mann, die intelligenteste Form der Finanzierung aufzutreiben. In schweren Krisen ist es an ihm, die Bonität des Unternehmens gegenüber der Finanzwelt zu verteidigen. Ein „Wegducken“ ist für den Aktionär da nicht hinnehmbar.

Vor einer Kaufentscheidung die Hauptversammlung besuchen

Außerdem stehe ich auf dem Standpunkt, dass der CFO auch eine Mitverantwortung trägt, dass die Börse das Unternehmen richtig versteht und es auf Dauer zu einer fairen Kursnotierung kommt. Das Argument, welches ich schon oft zu hören bekommen habe, „für die Börsenkurse können wir ja nichts“ ist nicht stichhaltig. So läuft es nicht im realen Leben. 

Aufschlussreich ist der Besuch einer Hauptversammlung. Beobachten Sie genau die Vorstandsbühne. Alleine an der Körpersprache werden Sie einen Eindruck von dem Tandem CEO und CFO bekommen.

Achten Sie darauf, wer welche Fragen beantwortet. Und vor allem wie. Wird die ganze Show vom Vorstandsvorsitzenden dominiert? Falls der Finanzvorstand mit zusammen gesunkenen Schultern, wie eine graue Maus, da oben vor dem Aktionärsplenum sitzt, der Beantwortung kniffliger Fragen ausweicht und eher „mauert“, dann würde ich mein Engagement in der Aktiengesellschaft gründlich überdenken. Ein guter Botschafter Ihrer Interessen wird er sicher nicht sein.

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