Engelmanns Eigenhandel

Französische Staatsanleihen: Kaufen, halten oder verkaufen?

Unser Kolumnist bemüht sich, zu Schulzeiten angesammelte Ressentiments nicht auf sein Anlageurteil durchschlagen zu lassen. Trotzdem bleibt er skeptisch für französische Staatspapiere.

Dunkle Wolken über der Pariser Börse - Viele Anleger fragen sich, ob französische Anleihen weiterhin als Geldanlage geeignet sind Quelle: dapd

"Laissez tous fermez, on veut repeter en peu le vocabulaire!" - mit diesen zwar melodisch klingenden, gleichsam aber nichts anderes als blanken Schrecken verkündenden Worten pflegte uns eine Französisch-Lehrerin zu Schulzeiten stets zum Unterricht zu begrüßen. Ob jene Pädagogin ernsthaft glaubte, durch ihren Vokabel-Terror in uns den Hang zur Frankophilie wecken zu können, wird wohl ebenso auf ewig ein Geheimnis bleiben wie die Antwort auf die Frage, warum Monique, pubertierender Spross der Familie Leroc, andauernd ins Schwimmbad wollte. Ständig quatschte die Göre im Lehrbuch "Bonne chance" vom "piscine" und ließ nichts unversucht, wildfremde Leute zum Besuch des Freibades zu überreden.  Nach ein paar Jahren waren mir beide gleichermaßen verhasst: die Lehrerin wie Monique Leroc. Und so fieberte ich dem Tag der Erlösung von beiden Übeln entgegen. Französisch mit Eintritt in die Oberstufe abgewählt zu haben, entpuppte sich später allerdings als Fehlentscheidung. Erst kürzlich wären umfassende Kenntnisse der französischen Sprache für mich von unschätzbarem Wert gewesen.

In der irrigen Annahme, wer an einem Flughafen arbeite, sei in der Regel auch des Englischen mächtig, versuchte ich in einer Bäckerei am "Aeroport de Luxembourg" ein belegtes Brötchen zu kaufen. Die Unterhaltung mit der Bäckersfrau gestaltete sich jedoch schwierig. Und als wir uns schließlich mit Händen und Füßen auf ein bestimmtes Brötchen geeinigt hatten, geschah, was nur durch einen beherzten Ausruf in französischer Sprache zu verhindern gewesen wäre: Die freundliche Dame hinter der Theke stopfte das belegte Brötchen zunächst in eine Mikrowelle und anschließend in ein Waffeleisen. Was dabei herauskam, war zum Mitnehmen, vor allem aber zum Verzehr, nur noch bedingt geeignet - zumindest für einen deutschen Gaumen.

Laufen die Zinsen auseinander?

10 Tipps für Börseneinsteiger

Einem ganz anderen Problem sehen sich dieser Tage viele institutionelle Anleger gegenüber. Sie fragen sich, ob französische Staatsanleihen (Obligations assimilables du Tresor, kurz OAT) weiterhin zur dauerhaften Geldanlage geeignet sind. Dabei geht es in den Überlegungen vieler Portfolio Manager weniger um die Gefahren, die ein genereller Zinsanstieg in der Euro-Zone für ein Depot französischer Anleihen bedeuten würde. Blickt man auf die Kursentwicklung deutscher Bundesanleihen, so scheinen die Renditen für Anleihen erstklassiger Emittenten tendenziell eher noch weiter zu sinken. Eine Zinswende - wiewohl von vielen schon lange erwartet - ist nach wie vor nicht in Sicht. Doch was, wenn sich die Zinsen in Frankreich anders entwickeln als die in Deutschland?

Wertverlust für Frankreich-Anleihen

Schon einmal hatten sich die Renditeabstände zwischen Bundesanleihen und OATs im Gefolge der Staatsschuldenkrise deutlich ausgeweitet, die Anleihen aus Paris also relativ zu denen aus Berlin an Wert verloren. Ihren Höhepunkt fand diese Entwicklung im letzten Quartal des vorigen Jahres, als sich der Spread zwischen zehnjährigen französischen und deutschen Papieren auf knapp unter 200 Basispunkte ausgeweitet hatte. Zwar konnten sich OATs von jenem Schlag ins Kontor in der Folgezeit wieder deutlich erholen, entwickelten sich dementsprechend im Verlauf dieses Jahres also deutlich besser als Bundesanleihen. Mittlerweile hat sich der Renditeabstand im Zehnjahresbereich zwischen 60 und 80 Basispunkten eingependelt. Doch es besteht Grund zur Sorge, dass diese positive Entwicklung sich schon bald wieder in ihr Gegenteil verkehrt.

Miese Konjunktur

Frankreich steuert im neuen Jahr auf eine Rezession zu. Die inländische Nachfrage ist seit geraumer Zeit schwach, die Arbeitslosigkeit steigt und das Verbrauchervertrauen fällt. Auch die Sparmaßnahmen der Regierung belasten die Konjunktur. Mit Blick auf die Einstufung seiner Kreditwürdigkeit durch die großen, internationalen Rating-Agenturen steht Frankreich also vor dem gleichen Dilemma wie manch anderer Staat: Auf der einen Seite ist Sparsamkeit eine der Tugenden, die von den Bonitätswächtern mit Wohlwollen beurteilt wird; auf der anderen Seite führt Sparsamkeit aber zu einer Abschwächung der Konjunktur und damit zu sinkenden Steuereinnahmen - eine Entwicklung, die von den Rating-Agenturen eher weniger gern gesehen wird. Citigroups Ökonomen rechnen damit, dass sich die französische Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um 0,2 Prozent abschwächen wird, während die Relation zwischen Schuldenstand und Sozialprodukt auf 95,8 Prozent ansteigen dürfte.

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