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Engelmanns Eigenhandel

Kate und William spenden Trost - na bravo!

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Rigide Sparprogramme

Auch die Analyse verschiedener Teilbereiche der Wirtschaft gibt Anlass zur Sorge. So sank die Aktivität im Baugewerbe im ersten Quartal um 4,7 Prozent und hierfür dürfte nicht nur allein der Winter verantwortlich gewesen sein. Auch die Staatsverschuldung und das Haushaltsdefizit stimmen sorgenvoll. Zwar versucht die neue Regierung unter Premierminister David Cameron, die Staatsfinanzen mittels rigider Sparprogramme zu sanieren - allerdings dürfte dieses Ziel erst in Jahren zu erreichen sein. Hinzu kommen deutliche Preissteigerungen, die den Briten das Leben schwer machen und auch nicht gerade dazu angetan sind, die Konsumlaune und damit das Wachstum zu steigern. Wer will es den Briten da verdenken, wenn sie sich für einen Tag der anspruchslos unterhaltsamen Farbenpracht hingeben und der königlichen Familie, den Symbolfiguren des Landes, zujubeln? Wer will es ihnen übelnehmen, wenn sie Glanz und Gloria des Empire wiederauferstehen lassen und sei es auch nur auf dem kurzen Stück zwischen Buckingham Palace und Westminster Abbey? Herzallerliebst. 

Wirtschaftswunderland?

Ganz anders stellt sich die Lage derweil in Deutschland dar. Der Kaiser hat schon vor fast 100 Jahren abgedankt und einen Balkon, von dem seine Kinder, Enkel und Urenkel winken könnten, gibt es auch nicht mehr, seitdem das Berliner Stadtschloss Erichs Lampenladen weichen musste. Und es scheint auch so, als bedürften wir hierzulande eines solchen Trostes, wie ihn eine Hochzeit in Adelskreisen spenden kann, gar nicht. Die deutsche Wirtschaft hat sich in beeindruckendem Tempo und Umfang von der Krise erholt. Am Wochenende verkündete der Leiter der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, die Zahl der Arbeitslosen sei im April um 132.000 auf nunmehr 3.078.000 gesunken. Mittlerweile gilt es als nicht mehr ausgeschlossen, dass die Arbeitslosenzahl in diesem Jahr sogar unter die Marke von 3 Millionen rutscht. Deutschland - Wirtschaftswunderland? Ein Blick auf die Aktienmärkte scheint eine solche Einschätzung ebenfalls zu stützen: Mit großen Schritten bewegen sich der Deutsche Aktienindex (Dax) und seine Familienangehörigen auf die magische Marke von 8.000 Punkten zu. Bedenkt man, dass der Index vor etwas mehr als zwei Jahren im Tief noch bei 3.588 Zählern stand, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Überall eitel Sonnenschein.  

Krisen beharrlich ignoriert

Doch frage ich mich, ob diese Entwicklung von Dauer sein kann oder ob wir uns nicht auch schon bald den Kaiser zurückwünschen werden - natürlich nur, um uns durch den Pomp einer Hochzeit seines Ur-Ur-Ur-Enkels mit der Bürgerlichen Lieschen Müller über eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation hinwegtrösten zu können. Weiterhin bleibt die Lage der Staatsfinanzen in einigen Ländern der Euro-Zone angespannt. Vertreter der Europäischen Zentralbank ließen vor kurzem verlauten, eine Restrukturierung der griechischen Staatsschulden könne ähnlich gravierende Konsequenzen haben wie die Pleite der amerikanischen Investment Bank Lehman Brothers im Jahre 2008. Könnte ganz Europa im Gefolge einer Restrukturierung erneut in eine schwere Rezession stürzen? Und was ist mit den Krisenherden in Nord-Afrika und dem Nahen Osten? Nahezu täglich erreichen uns Meldungen über blutige Auseinandersetzungen. Soll diese Instabilität der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region und auch der unseren etwa zuträglich sein? Oder ist es nicht vielmehr so, dass der deutliche Anstieg des Ölpreises die Inflation hierzulande fördert und die wirtschaftliche Aktivität dämpft?  

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