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Engelmanns Eigenhandel

Leitzins sinkt, Krise bleibt: Wetten, dass?

Volle Auftragsbücher, steigende Indizes - wir sind trotzdem in der schwersten Krise seit mehr als 20 Jahren.

Der neue Präüsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi Quelle: dapd

Auf der Couch
Als Thomas Gottschalk am vergangenen Samstagabend zum vorletzten Mal Stars und Sternchen auf seine berühmte "Wetten dass???"-Couch lud, da saß inmitten der Vertreter des glitzernden Showbusiness der Mann, auf dem bislang alle Hoffnungen der Nation auf eine gesicherte Zukunft der großen Samstagabendunterhaltung geruht hatten: Hans-Peter Wilhelm Kerkeling - der breiten Öffentlichkeit besser bekannt als Hape Kerkeling. Kerkeling hätte an diesem Abend Geschichte schreiben und zum Helden werden können. Doch statt der Nation durch die Annahme des bald vakant werdenden Moderatorenpostens bei Europas erfolgreichster Fernsehshow die Sicherheit und Zuversicht zu geben, derer sie angesichts der sich zuspitzenden Staatsschuldenkrise und der Sorge um den Fortbestand des Euro so sehr bedarf, erteilte Kerkeling den Verantwortlichen des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) vor laufenden Kameras eine Absage und stürzte unser Land in einer schwere Krise.

Verwaister Thron
Er wolle sich, so erklärte das Multitalent, auf seine derzeitigen Projekte konzentrieren, zu Deutsch weiterhin als Horst Schlämmer investigativ für das "Grevenbroicher Tagblatt" recherchieren, bei "Terra X" in die Rolle historischer Persönlichkeiten schlüpfen und einen neuen Bestseller schreiben. Schade! Wieder einmal ist Kerkeling so einfach "mal weg"! Zwar werden nach wie vor die Namen vieler Moderatoren genannt, die Gottschalk auf dem Thron der öffentlich-rechtlichen Fernsehunterhaltung nachfolgen könnten, doch keiner scheint so recht geeignet, den harmlosen Dampfplauderer zu geben - eine Disziplin, in der es Gottschalk in über vierzig Jahren Medienschaffens wahrlich zu einer unerreichten Meisterschaft gebracht hat. Beliebt bei jung und alt, bei links wie rechts, bei arm und reich - ein Mann für alle Zielgruppen. Einzig Kerkeling wäre Ähnliches zuzutrauen gewesen. Wenn schon ein mit mehreren hunderttausend Euro pro Jahr dotierter Posten als Fernsehmoderator nicht mehr kurzfristig besetzt werden kann, dann scheint es in Deutschland um den Facharbeitermangel weit schlimmer bestellt zu sein als angenommen.

Draghis Paukenschlag
Im Gegensatz zur Suche nach einem geeigneten Nachfolger Thomas Gottschalks verlief die nach einem neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) vergleichsweise reibungslos. In der vergangenen Woche trat der Italiener Mario Draghi die Nachfolge des in den Ruhestand verabschiedeten Jean-Claude Trichet an und eröffnete seine Präsidentschaft mit einem Paukenschlag. Kaum drei Tage im Amt beschloss er gemeinsam mit seinen Kollegen im Rat der EZB, den Leitzins um 0,25 auf 1,25 Prozent zu senken. Mit dieser Entscheidung überraschte Draghi selbst die Zunft der Volkswirte. Zwar war eine Mehrzahl derjenigen, die die Politik der Notenbank hauptberuflich analysieren, angesichts der Abkühlung der Konjunktur und der Turbulenzen um die Rettung notleidender Staaten der Euro-Zone bereits davon ausgegangen, dass die EZB für geraume Zeit auf Sicht fahren und den Leitzins anschließend senken würde. Doch hatte man als Termin für einen solchen Zinsschritt eher den Dezember dieses Jahres im Auge.

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