WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen
Engelmanns Eigenhandel

Mein Leben als Kontraindikator

Unser Kolumnist zweifelt: an dem weiteren Kurspotenzial für den Dax, an der abermals von vielen Seiten ausgerufenen Zinswende - und an seiner persönlichen Chance, sein Gewicht dauerhaft zu reduzieren.

Wie gefährlich ist die Aktien-Euphorie? Wo bleibt die Zinswende? Wo werden Euro und Gold zum Ende des neuen Jahres stehen? Der Kolumnist Oliver Engelmann als Kontraindikator. Quelle: AP

Als ich nach den Weihnachtsfeiertagen in mein kleines Kaufmannskontor zurückkehrte, da wusste ich schnell, was die Stunde geschlagen hatte. Eine Kollegin aus dem Middle Office kam an meinen Platz, legte stumm ein Buch auf meinen Tisch und verschwand genauso grußlos, wie sie gekommen war. Der Schinken, den die Dame auf diese subtile Weise zur Lektüre empfohlen hatte, stammte aus der Feder eines französischen Mediziners und lüftete auf mehreren hundert Seiten das Geheimnis, das zu lüften vor ihm schon so viele andere Werke versprochen und nicht gehalten hatten: den Weg zur Traum-Figur! Seither ernähre ich mich ausschließlich von proteinhaltigen Lebensmitteln - angesichts meines derzeitigen Fleischkonsums steht zu befürchten, dass Rinder und Hühner in Deutschland schon bald zu den gefährdeten Arten gezählt werden müssen. Selbst das bei anderen Diäten erlaubte Gemüse als Beilage ist ersatzlos gestrichen; auch Obst ist verboten. Von Schokolade und anderen Leckereien, die das Leben doch erst lebenswert machen, darf man gar nicht zu träumen wagen, will man nach dem Konzept des französischen Schlankheitsgurus die Pfunde purzeln sehen. Meine Kollegen schließen bereits Wetten darauf ab, dass ich am Ende des Jahres mehr wiegen werde als jetzt! Jojo ließe doch in der Regel herzlich grüßen. Und betrachtet man die Entwicklung der vergangenen Jahre, dann dürfte das eine vergleichsweise "sichere" Wette sein.

Zehn Szenarien für 2013 - und was sie für Anleger bedeuten
Der Euro wird überlebenDie europäische Währung, Dauerpatient auf der Intensivstation, wird bis 2013 nicht sterben - davon gehen jedenfalls die Analysten der Research-Abteilung von HSBC Trinkaus aus. Ihre Prognose begründen sie mit den Treuebekundungen der europäischen Politiker zum Euro und dem Versprechen der EZB unbegrenzt Staatsanleihen klammer Staaten zu kaufen, die einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsschirm gestellt haben. Die Märkte werden sich langfristig beruhigen, sofern die Euro-Länder ihre Hausaufgaben machen. Quelle: dpa
Niedrige Zinsen, niedrige InflationDie Zinsen werden mittelfristig niedrig bleiben. Die Analysten der HSBC rechnen damit, dass die EZB ihre Niedrigzinspolitik auch noch 2013 fahren wird. Allerdings gehen sie auch von einer niedrigen Teuerungsrate aus. Paradox? Nein. Denn die Geldflut der EZB werde nicht über Kredite in die Realwirtschaft fließen und zwar wegen hoher Arbeitslosigkeit und Unterkapazitäten in der Euro-Zone. Ausnahme bleibe Deutschland: Hierzulande könnte die Inflation stärker anziehen - dank Lohnsteigerungen und robustem Arbeitsmarkt. Quelle: dpa
Keine ImmobilienblaseEine Immobilienblase in Deutschland sehen die Experten nicht. Das heißt aber nicht, dass Immobilien nicht gefragt sein werden. Dafür sprechen niedrige Zinsen und damit niedrige Finanzierungskosten. Zudem sei der Arbeitsmarkt robust - und wer einen sicheren Job hat, der will auch ein eigenes Häuschen. Doch Immobilien könnten auch als Anlageklasse interessanter werden – dank niedriger Renditen bei festverzinslichen Papieren und volatiler Aktienmärkte. Quelle: dpa
Dollar könnte unter die Räder kommenFür eine Belastung des Dollar-Kurses sehen die Analysten der HSBC für 2013 drei Faktoren. Erstens: Die lockere Geldpolitik der US-Notenbank und wahrscheinlich werden weitere quantitative Maßnahmen folgen. Zweitens driften die USA auf die Schuldenobergrenze zu. Wenn diese nicht erhöht wird, wird die US-Regierung zahlungsunfähig, was die Wirtschaft belasten und automatisch Steuererhöhungen mit sich bringen wird. Als dritten Grund sehen sie eine mögliche Verlagerung der Aufmerksamkeit. Während derzeit alle Welt auf die Staatsfinanzen der Euro-Länder schauen, könnte sich in Zukunft die Diskussion auf die USA konzentrieren. Quelle: dpa
Gold glänztDer Goldpreis wird weiter steigen. Weil Notenbanken Gold kaufen, die Realzinsen negativ sind und Währungen abgewertet werden, steigt die Beliebtheit des Edelmetalls weiter. Sorgen um eine wachsende Inflation verstärken diesen Trend noch. Die Geldflut dürfte außerdem ihren Weg zum Gold finden, das im Gegensatz zur Währung nicht beliebig vermehrt werden kann. Quelle: dpa
Unternehmensanleihen sind interessantAufgrund ihrer Prognosen für das Jahr 2013 hat die HSBC auch bestimmte Anlagestrategien empfohlen. Die Investmentgrade-Unternehmensanleihen gehören dazu. Denn selten sei der Aufschlag im Verhältnis zur Rendite so hoch gewesen. Langfristig sei das Chance-Risiko-Verhältnis besonders attraktiv. Gegen ein kurzfristiges Investment in diese Anlageklasse spreche dagegen vor allem die geringe Liquidität. Bei Staatsanleihen von Ländern mit einem guten Rating sind die Renditen kleiner als die Inflation und deshalb unattraktiv. Quelle: dpa
Spekulativ: Hoch-Zins-AnleihenIn Tagen der Niedrigzinspolitik ist bei Staatsanleihen wenig zu holen. Die Analysten der HSBC empfehlen deshalb spekulativen Investoren High-Yield-Anleihen - jedoch nur als Beimischung. Allerdings ist bei Unternehmens-Hochzins-Anleihen Vorsicht geboten: Die hohen Zinsen gibt es wegen der schlechten Kreditwürdigkeit der Unternehmen. HSBC empfiehlt deshalb, sich die Unternehmen genau anzuschauen und solche auszuwählen, die ein solides Geschäftsmodell und geringe Verschuldung. Quelle: dpa

Gefährliche Aktien-Euphorie

Viel schwieriger hingegen gestaltet sich die Vorhersage, wo die Renditen von Bundesanleihen, der Deutsche Aktienindex (DAX), Euro und Gold zum Ende des neuen Jahres stehen werden. Die Analystenzunft zeigt sich in ihren Prognosen zwar in gewohnter Eintracht - immer getreu dem Motto, wonach möglichst wenig vom Konsens abzuweichen der sicherste Weg ist, nicht unangenehm aufzufallen. Doch hat die Mehrheit am Markt auch immer Recht?

10 Tipps für Börseneinsteiger

Wer das glaubt, könnte in diesem Jahr böse überrascht werden. Vor allem bei Aktien. Denn die Euphorie, die sich mittlerweile am Aktienmarkt aufgebaut hat und die auch von schlechten Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone kaum gebremst wird, erreicht viele Kleinanleger erst auf einem Marktniveau, das man mit Blick auf die Geschichte des DAX als eher "hoch" bezeichnen muss. Ist es unter Chance/ Risiko Gesichtspunkten wirklich empfehlenswert, (deutsche) Aktien zu kaufen? Beißen nicht wie immer den letzten (Käufer) die Hunde?

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%