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Engelmanns Eigenhandel

Welche Folgen ein Wirtschaftscrash für Anleihe-Sparer hat

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Rätselhafter Aktien-Optimismus

Entwicklung der Staatanleihen in der Schuldenkrise
Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010 Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen USA Quelle: Bloomberg
Staatsanleihen Griechenland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Portugal Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Irland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Italien Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Spanien Quelle: Bloomberg

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht die fröhliche Stimmung der Freunde von Dividendentiteln trüben. Mögen alle Aktienkäufer mit ihren Papieren glücklich werden und in Wohlstand leben. Zwar ist mir der Optimismus vieler Marktteilnehmer in Bezug auf die künftige Entwicklung des deutschen Aktienmarktes schon lange ein Rätsel, doch möchte ich mich an dieser Stelle mehr mit der Frage beschäftigen, welche Folgen ein deutlicher Einbruch der Konjunktur in der gesamten Euro-Zone auf den Rentenmarkt haben könnte. Hier hilft - wie so oft in der Beurteilung wirtschaftlicher Fragestellungen - ein Blick in die Vergangenheit. Und die liegt in diesem Fall noch gar nicht so weit zurück. Vier Jahre ist es her, dass die amerikanische Investment Bank Lehman Brothers Bankrott anmelden musste. Die Bank war in den Strudel der Subprime-Krise geraten und schließlich untergegangen.

Einbruch nach Lehman aufgefangen

Die Folgen für die Weltwirtschaft waren dramatisch. Auch in Deutschland kam es zu einem signifikanten Einbruch der Konjunktur, der nur durch beherzte Maßnahmen der Regierung abgedämpft werden konnte. Immer noch muss es übrigens wie ein Wunder erscheinen, dass sich die deutsche Wirtschaft von dem Tiefschlag der Lehman-Pleite so schnell und markant erholen konnte. Im Gefolge des wirtschaftlichen Einbruchs sanken die Renditen deutscher Staatsanleihen deutlich - am stärksten am kurzen Ende. Die Renditen von Bundesanleihen mit zweijähriger Restlaufzeit fielen damals um über 200 Basispunkte; die Renditen der Zehnjährigen gingen um mehr als 100 Basispunkte zurück. Die Renditestrukturkurve nahm so einen deutlich steileren Verlauf an. Auch kam es zu einer deutlichen Ausweitung des Renditeabstandes zwischen Bundesanleihen und Swaps mit gleicher Laufzeit - ein Zeichen für die Flucht in Qualität!

Zehnjährige bei 0,5 Prozent?

Sollte es erneut zu einem wirtschaftlichen Schock Lehman'scher Dimension" kommen, darf man also ein erneutes deutliches Absacken der Renditen deutscher Bundesanleihen nicht ausschließen. Allerdings wäre die Ausgangslage dieses Mal eine andere, denn die Renditen deutscher Staatsanleihen bewegen sich bereits nahe ihrer historischen Tiefststände. Während zweijährige Bonds knapp um 0 Prozent "rentieren", handeln Zehnjährige um die 1,45 Prozent - ebenfalls nur einen Katzensprung vom Low bei 1,127 Prozent entfernt. Legt man eine ähnliche Entwicklung wie im Jahre 2008 zu Grunde, würden kurze Bunds deutlich im Minus rentieren und Anleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit könnten vielleicht sogar in Richtung 0,5 Prozent absacken. Klingt unglaublich? Vielleicht! Doch haben wir schon so manches Renditeniveau in der Vergangenheit für unwahrscheinlich erachtet und trotzdem sind die Renditen immer weiter gesunken. Von einer "Zinswende", die auf Grund der ökonomischen Daten in Deutschland schon längst eingesetzt haben müsste, redet schon lange niemand mehr.

Kursgewinne für Bund-Anleger

Für Rentenanleger wäre die oben skizzierte Entwicklung Fluch und Segen zugleich. Wer als Endanleger auf möglichst hohe Kuponzahlungen hofft, dürfte enttäuscht sein. Denn schon jetzt kann man die Rendite von Bundesanleihen nur als mickrig bezeichnen. Davon, dass Inflation und Steuer den ohnehin schon nur unter einem Mikroskop erkennbaren Ertrag vollständig auffressen, ganz zu schweigen. Wer Bundesanleihen kauft, um Kursgewinne zu erzielen, dürfte angesichts solcher Prognosen, wie sie die Chart-Techniker der Citigroup aufstellen, hingegen höchst erfreut sein. Denn die Herrscher über Kopf-Schulter-Formationen, Wimpel und Untertassen sehen eine Abwärtsbewegung der Renditen zehnjähriger Bundesanleihen zunächst auf die alten Tiefstände und später sogar in Richtung 0,6 Prozent als durchaus möglich an. Satte Kursgewinne für die Besitzer von Bundesanleihen wären die Folge einer solchen Bewegung.

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