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Erstemission von Facebook-Aktien Netzwerk legt ein schwaches Börsendebut hin

Kein guter Anfang für den Aufstieg in die Liga der Weltkonzerne: das große Tamtam um den Börsengang von Facebook endet am ersten Handelstag der Aktie enttäuschend. Das Papier schließt knapp über dem Ausgabekurs von 38 Dollar bei 38,37 Dollar. Gleichzeitig handelte sich das Unternehmen ausgerechnet am IPO-Tag eine Klage von Nutzern ein.

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Die Gewinner des Facebook-Börsengangs
Peter Thiel ist bekannt für seine verrückten Investmentideen. Quelle: REUTERS
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Quelle: dapd
Dustin Moskovitz Quelle: dapd
Facebook-Managerin Sheryl Sandberg Quelle: REUTERS
Napster-Gründer Sean Parker Quelle: AP
Internet-Invester Yuri Milner Quelle:
Accel Partners & James BreyerZusammen mit der Investmentfirma Accel Partners war James Breyer (r.) einer der ersten Geldgeber Facebooks: 12,7 Millionen Dollar investierten die Partner 2005 in das soziale Netzwerk. Mit 201,34 Millionen Aktien hat sich dieses Investment auf jeden Fall gelohnt. Zum Börsengang planen die Geldgeber jetzt 38,2 Millionen Aktien davon zu verkaufen – und würden damit 1,34 Milliarden Dollar einstreichen. Quelle: dapd

Als die Glocke am Freitagnachmittag bei der Technologiebörse Nasdaq in New York am Times Sqaure erklingt, drücken sich immer noch einige Börsenfans an den Glasfenstern der Börse die Nase platt, um einen Blick ins Innere zu Erhaschen. Doch zu sehen gibt’s da nicht viel, der Handel an der Nasdaq läuft elektronisch ab, Börsenhändler sind da weit und breit nicht.

Die Begeisterung für den Börsengang, um den in den vergangenen Wochen und Tagen so viel Tamtam gemacht wurde, ist auch erst mal dahin. Der Schlusskurs der Facebook- Aktie liegt nach dem ersten Handelstag der Aktie bei 38,37 Dollar, ein Plus von nicht einmal einem Prozent. Analysten hatten einen Anstieg um mehr als 20 Prozent erwartet.
Böse Zungen behaupten gar, der Kurs der Aktie sei nur deshalb nicht unter den Ausgabepreis gefallen, weil die an dem Börsengang beteiligten Banken mit massiven Stützungskäufen eingegriffen hätten. Die Aktie wies am Schluss des ersten Handelstages einen Gewinn von 23 US-Cent (18 Euro-Cent) aus.

Der erste Kurs von Facebook lag bei 42 Dollar und damit gut zehn Prozent über dem Ausgabepreis, doch im weiteren Handelsverlauf konnte sich das Papier nicht halten. Facebook hatte in den vergangenen Wochen angesichts einer hohen Nachfrage mehrfach den Preis beziehungsweise die Zahl der Aktien hochgeschraubt.

Der Börsengang des Online-Netzwerkes hat auch den übrigen Kursen an der Wall Street keinen Auftrieb verschafft – zu groß sind die Sorgen der Investoren um die europäische Schuldenkrise. Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte sank um 73 Punkte auf 12.369 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging um 35 Punkte auf 2779 Zähler zurück. Die Aktien von Zynga, das Facebook als Plattform für seine Online-Spiele nutzt, musste nach heftigen Kursverlusten sogar zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt werden.

Ohne Gewinn wird die Mission scheitern

Quelle: REUTERS

Trotzdem gilt der Börsengang des Sozialen Netzwerkes als größte Internet-Emission aller Zeiten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat richtig abkassiert. Die Neuemission hat dem Unternehmen 16 Milliarden Dollar in die Kasse gespült. Mit einer Gesamtbewertung von 104 Milliarden Dollar ist das Soziale Netzwerk nun mehr Wert als Siemens oder der Autokonzern VW. Die gigantischen Ausmaße werden auch an einer Pannenserie am Handelsplatz ersichtlich: Der Auftakt verzögerte sich um eine halbe Stunde. Die Nasdaq war mit der hohen Zahl der Kauf- und Verkaufsaufträge überfordert. Händler beschwerten sich, dass sie auch nach Stunden immer noch nicht wussten, ob ihre Order nun erfolgreich war oder nicht. Dabei verspricht gerade die rein computergestützt arbeitende Nasdaq sekundenschnelle Abläufe.

Facebook-Chef Zuckerberg, der gar nicht nach New York gekommen war zum Handelsstart, sondern in seinem üblichen Kapuzenpulli von Kalifornien aus per Mausklick den Handel startete, wischte in einer Stellungnahme den enttäuschenden Start an der Börse beiseite und sprach wie schon so oft von der eigentlichen Mission der Firma: „Unsere Mission ist nicht, eine börsennotierte Firma zu sein. Unsere Mission ist, unsere Welt offener zu machen und stärker miteinander zu vernetzen.“ Den Gewinn steigern lässt sich mit Missionen allerdings kaum – das werden ihm die Investoren in den nächsten Wochen schon noch klar machen.

Ausgerechnet zum Börsendebüt der Firma flatterte dem Unternehmen auch noch eine Klage ins Haus. Nutzer werfen Facebook vor, ihre Spuren im Internet aufgezeichnet zu haben, auch nachdem sie die Webseite geschlossen hätten. In der Sammelklage verlangen sie nun im Namen aller Geschädigten in den USA Schadensersatz in Höhe von 15 Milliarden Dollar. Pro Tag und Nutzer verlangen die Kläger 100 Dollar als
Wiedergutmachung und Strafe, bis zu 10 000 Dollar pro Person. Hinzu
kommen die Kosten für Experten und Anwälte – wahrlich kein guter Anfang für den Aufstieg in die Liga der Weltkonzerne.

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