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ETF Vorsicht vor börsengehandelten Indexfonds

Börsengehandelte Indexfonds sind bei Anlegern sehr beliebt, weil sie transparent, günstig und relativ risikoarm sind. Der Finanzstabilitätsrat widerspricht und warnt vor blindem Vertrauen.

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Das Investment in Indexfonds Quelle: dapd

In einem Gutachten über börsennotierte Indexfonds (ETF; als PDF in englisch) kommt der Internationale Finanzstabilitätsrat (FSB), welcher die G20-Länder zu Kapitalmarktregeln berät, zu einer wenig schmeichelhaften Bewertung, die so gar nicht dem Image dieser Produktlinie entspricht. Denn häufig werden ETF durch ihre Börsennotierung als transparente und zusätzlich kostengünstige Alternative zu gemanagten Investmentfonds beschrieben.

Dies ist nach Aussage des FSB-Gutachtens zumindest nur noch die halbe Wahrheit: Der Markt für ETF wachse, bereits im dritten Quartal 2010 lagen 1,2 Billionen US-Dollar in dieser Anlageklasse weltweit, was fünf Prozent des weltweiten Fondsmarktes ausmacht. In den letzten zehn Jahren sei dieser Sektor allerdings durchschnittlich um 40 Prozent pro Jahr gewachsen.

Derivate im Indexfonds

Damit einhergegangen ist eine ganze Palette an neuen Produktideen, so vermehren sich auch sogenannte synthetische ETF, die nicht – wie ihre physischen Geschwister – direkt einen Index, zum Beispiel den Eurostoxx 50 oder den Dax exakt durch Aktienkäufe abbilden, sondern in Derivate investieren. Der synthetische ETF besitzt also die Aktien nicht tatsächlich. Die Derivate, wie etwa ein Zertifikat auf den Dax, werden zum Beispiel von Banken ausgegeben, die zugleich auch die ETF anbieten. Hier sieht die FSB einen potenziellen Interessenkonflikt und gleichzeitig das Risiko, dass durch einen Liquiditätsengpass bei der Bank auch der ETF crasht, weil Derivate weder einen Substanzwert haben noch über die Einlagensicherung der deutschen Banken geschützt sind, sollte der Emittent - also die Bank - pleite gehen.

Der Anteil dieser Produkte am ETF-Markt ist gerade in Europa überproportional gestiegen, erreicht mittlerweile 45 Prozent Marktanteil. Das FSB erkennt hier ein großes Risiko für die Investoren: „Den Einfluss dieser Finanzinnovationen auf die Marktliquidität und Finanzinstitute insbesondere in turbulenten Marktsituationen wurde von den Marktteilnehmer noch nicht ganz durchschaut“, warnt das Gutachten.

Verbraucher, die in ETF investieren, haben die Qual der Wahl. Alleine etwa 15 Anbieter listet die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auf ihrer Website auf, die unterschiedliche Indexfonds-Produkte anbieten. „Generell ist das Hauptproblem die Transparenz“, kommentiert Annabel Oelmann, Finanzexpertin bei der Verbrauchzentrale Nordrhein-Westfalen. Eine Untersuchung habe ergeben, dass sich in Sachen Transparenz der Gebühren sowohl gemanagte Fonds und auch ETF nicht sonderlich mit Ruhm bedecken. „Verbraucher sollten nur in Anlageprodukte investieren, die sie auch verstehen.“ Das bedeutet einerseits, dass der Anlagehorizont bekannt ist und auch das Risiko des Investments. Das bedeutet andererseits aber auch, dass die synthetischen ETF von ihrer gesamten Struktur und mit ihren zahlreichen möglichen Extras – wie etwa Inflationsschutz – erhöhte Anforderungen an das Finanz-Know-how der Anleger stellen.

Gestreutes Risiko

Oelmann rät also nicht generell davon ab, sondern macht es von den individuellen Bedürfnissen und Kenntnissen des Anlegers abhängig, welche Art von ETF sinnvoll ist. „Nicht nur kaufen, weil es alle toll finden“, warnt Oelmann. „Und: Durchhaltevermögen mitbringen.“ Aktien und deren Fonds haben nämlich einen eher mittel- bis langfristigen Anlagezeitraum und sollten deshalb nicht bei plötzlichen Kursverlusten sofort verkauft werden.

Wer in Aktien investiert, geht generell ein höheres Risiko als etwa bei Zinspapieren ein, hat aber zugleich auch höhere Renditechancen. Die breite Streuung der Anlage auf alle Aktien eines Index mindert das Verlustrisiko – aber schließt es auch nicht aus. „Das A und O ist, nicht alles auf eine Karte zu setzen“, kommentiert die Finanzexpertin. „Die eigene Altersvorsorge sollte breit gestreut sein und nicht nur in ein Produkt und eine Anlagekategorie fließen.“

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