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ETFs in den USA Wie kleine Fonds den ETF-Markt erobern wollen

Auf dem amerikanischen ETF-Markt haben es kleine Anbieter schwer. Mehr als drei Viertel der Investitionen vereinen sich auf drei große Unternehmen. Mit originellen Ideen wollen kleine Fonds diesen Trend stoppen.

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Kleine US-Firmen versuchen, den großen ETF-Riesen Kunden abspenstig zu machen. Quelle: gms

Frankfurt Die Stadt Nashville ist durch die Country-Musik weltberühmt geworden, mit börsennotierten Indexfonds (ETFs) bringt man die Stadt dagegen eher nicht in Verbindung. Der Anbieter LocalShares will das ändern und hat Ende September den „Nashville ETF“ aufgelegt, der nur Firmen enthält, die in der Metropole des US-Bundesstaates Tennessee beheimatet sind. Das Beispiel zeigt, welch ungewöhnliche Wege manche ETF-Anbieter in den USA mittlerweile einschlagen, um Kunden und damit Kapital anzulocken. Denn die erfolgsverwöhnte, 1,2 Billionen Dollar schwere ETF-Branche in den USA hat ein Problem: Drei große Vermögensverwalter haben den Markt quasi unter sich aufgeteilt. Für die nachrückenden Firmen bleibt eigentlich nur noch die Chance, mit Nischenprodukten Anleger anzulocken.

Auf die großen Drei – Blackrock, State Street Global Advisors und Vanguard – sind nach Angaben des zu Thomson Reuters gehörenden Datenanbieters Lipper 77,6 Prozent aller in diesem Jahr neu investierten Kundengelder entfallen. Vor einem Jahr waren es noch 60,5 Prozent. Die Schwergewichte, die 73 Prozent des ETF-Marktes in den USA auf sich vereinigen, liefern sich zudem seit einiger Zeit einen Preiskampf und wollen mit geringeren Gebühren Kunden an sich binden. Auch der Anbieter Charles Schwab versucht mit dieser Strategie, in dem heiß umkämpften Markt Boden gutzumachen.

All das macht es für neue Spieler auf dem Feld zunehmend schwieriger, sich durchzusetzen. Abzulesen ist das an den neu aufgelegten ETFs in den ersten neun Monaten des Jahres, deren Anzahl nach Angaben von IndexUniverse gegenüber dem Vorjahreszeitraum unter dem Strich um fast 69 Prozent auf lediglich 60 neue Produkte eingebrochen ist. IndexUniverse-Analyst Dave Nadig rechnet damit, dass in Zukunft nur zwischen 80 und 100 neue ETFs pro Jahr auf den Markt gebracht werden. 2011 waren es noch 222.

Auch die Zahl der geschlossenen ETFs hat sich in den ersten neun Monaten 2012 mit 86 fast verdreifacht. Nach Ansicht von Morningstar-Analyst Tim Strauts erkennen die Firmen, dass es bei insgesamt 1450 ETFs in den USA zunehmend schwieriger wird, eine Nische zu finden. Einige Anbieter, beispielsweise Scottrade und Russell Investments, haben sich in den vergangenen Monaten bereits ganz vom amerikanischen ETF-Markt zurückgezogen.


Die Lösung: klügere Angebote

Was aber ist die Lösung? „Es geht nicht zwangsläufig um billigere oder neue Angebote“, sagt Bruno del Ama, Chef von Global X Funds, dessen Firma in 31 ETFs 1,5 Milliarden Dollar verwaltet. „Es geht um klügere Angebote.“ Aber das sagt sich so leicht: Mit ETFs, die einfach nur Produkte der großen Anbieter nachahmen, gewinnt man jedenfalls keinen Blumentopf, meint IndexUniverse-Analyst Paul Baiocchi. Diese Strategie ziehe ebenso wenig genug Investoren an wie bestimmte Nischenprodukte. Ob sich ein Fonds wie der bereits erwähnte „Nashville ETF“ durchsetzt, bleibt deshalb fraglich. Ähnliche ETFs für die US-Bundesstaaten Oklahoma oder Texas mussten jedenfalls 2009 nach nur einem Jahr wieder dichtmachen.

Wie es funktionieren könnte, macht Van Eck vor. Der Anbieter hat mit dem Market Vectors Fallen Angel High Yield Bond ETF seit seinem Start im April bisher eine Rendite von sechs Prozent und 10,6 Millionen Dollar an verwaltetem Vermögen eingefahren. Hinter dem kompliziert klingenden Namen verbergen sich als „gefallene Engel“ bezeichnete Firmen, die zunächst mit einer Top-Bonität Unternehmensanleihen ausgegeben haben, dann aber herabgestuft worden sind. Die Anleihen werfen wegen des höheren Ausfallrisikos eine höhere Rendite ab, die im ETF abgebildet wird. Van Ecks Marketingchef Ed Lopez kündigt an, nach diesem Prinzip weitere Indizes für ETFs aus bestehenden Anlageklassen zu kreieren. „Es gibt eine Menge Ideen, wie man bereits existierende Produkte verbessern kann“, sagt Lopez.

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