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EU-Kommission blockiert Börsenfusion steht vor dem Aus

EU-Wettbewerbskommissar Almunia will die Fusion von Deutscher Börse und Nyse Euronext ablehnen. Die Fusionspartner starten ihre letzten Versuche, den geplanten Zusammenschluss zu retten.  

Der Handelssaal der Börse in New York Quelle: dapd

Die Mega-Fusion von Deutscher Börse und der New Yorker Nyse Euronext droht zu platzen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia habe den Börsenbetreibern signalisiert, den neun Milliarden Dollar schweren transatlantischen Zusammenschluss blockieren zu wollen. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und Nyse-Chef Duncan Niederauer wollen nun versuchen, dass Ruder mit einer Lobby-Offensive in letzter Minute herumzureißen und die Fusion zum weltgrößten Börsenbetreiber doch noch in trockene Tücher zu bringen.

Die Erfolgsaussichten sind nach Ansicht von Experten aber gering. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal noch durchgeht, sinken damit auf 20 Prozent“, erklärte UBS-Analyst Arnaud Giblat. Deutsche-Börse-Aktie notierten dennoch kaum verändert - die meisten Analysten haben den Zusammenschluss in ihre Berechnungen bisher noch nicht einkalkuliert.

Die zuständigen Beamten von Almunia, das sogenannte Case-Team, hatte bereits im Dezember erhebliche Bedenken gegen den Zusammenschluss angemeldet und will Insidern zufolge nun zusammen mit dem Wettbewerbskommissar für ein Veto gegen die Fusion plädieren. Die Mitarbeiter Almunias hätten einen Entwurf für die offizielle Ablehnung der Fusion verfasst, der bereits an andere Kommissionsabteilungen versandt worden sei. Es sei noch keine abschließende Entscheidung gefallen, sagte eine Sprecherin Almunias am Abend. Theoretisch könnte das Kollegium der 27 EU-Kommissare Almunia überstimmen, dies wäre allerdings sehr ungewöhnlich.

Fakten zur Börsenfusion

Den EU-Wettbewerbshütern ist besonders die Marktmacht des fusionierten Unternehmens im Handel mit Optionen und anderen Derivate-Papieren ein Dorn im Auge. Die Deutsche-Börse-Tochter Eurex und die zur Nyse gehörende Londoner Liffe kämen im Derivate-Handel an europäischen Börsen zusammen auf einen Marktanteil von über 90 Prozent. Den außerbörslichen Handel (OTC), der einen Großteil des Marktes ausmacht, blendete die Behörde dagegen aus. Diese - aus Sicht der Börse falsche - Betrachtungsweise wollen die Unternehmen nun in den Gesprächen mit den übrigen Kommissaren und der Politik thematisieren. Die EU-Kommission will in den nächsten Jahren Teile des Handels und der Abwicklung an die regulierten Börsen zurückbringen.

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