Euro-Wechselkurs Hedgefonds wetten auf Euro-Absturz

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Deflation mit Sorge, die nächste Geldschwemme der Notenbank wird immer wahrscheinlicher. Hedgefonds setzen deshalb Milliarden auf einen fallenden Euro.

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Eigentlich hält sich der Euro wacker. Die Gemeinschaftswährung ist zwar seit einigen Wochen stärker unter Druck und der Wechselkurs zum Dollar ist so niedrig wie seit einem Jahr nicht mehr. Dafür ist der Euro mit 1,32 Dollar immer noch recht robust bewertet. Viele Hedgefonds glauben aber offenbar, dass das nicht mehr lange so bleibt - und wollen an einem fallenden Euro verdienen. Denn tatsächlich spricht einiges dafür, dass der Euro billiger wird.

Zum einen hat EZB-Chef Mario Draghi bei der Notenbankerkonferenz in Jackson Hole Ende vergangener Woche Maßnahmen in Aussicht gestellt, um eine neue Wirtschaftskrise zu verhindern. Draghi will notfalls die Teuerung mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln anheizen. Damit seien Wertpapierkäufe im großen Stil wahrscheinlicher geworden, hieß es in den Handelssälen. Die EZB berät am 4. September erneut über die geldpolitische Lage.

Zum anderen trüben sich die Konjunkturaussichten in Deutschland und anderen Ländern der Euro-Zone – vor allem in Frankreich und Italien – weiter ein. Der Konjunktur-Frühindikator des ifo-Instituts sank zum vierten Mal in Folge. Bereits nach drei Rückgängen in Folge rechnen Konjunkturbeobachter mit einem Abschwung.

Einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" zufolge nutzen nun Hedgefonds diese Konstellation, um ihre Wetten auf einen fallenden Euro deutlich zu erhöhen. Demnach haben die Hedgefonds und andere Spekulanten ihren Einsatz auf den Euro-Absturz auf 15 Milliarden Dollar erhöht – den höchsten Wert seit zwei Jahren. Damals war die Euro-Krise auf einem Höhepunkt angelangt, die Aussichten für die europäische Währung mehr als finster.

Doch so düster sind die Prognosen diesmal nicht. Mit einem Schlusskurs von 1,3184 Dollar am gestrigen Handelstag notierte der Euro gegenüber dem US-Dollar zwar so niedrig wie seit elf Monaten nicht. In nur drei Monaten hat der Euro damit sechs Prozent seines Wertes verloren. Doch bereits an diesem Dienstag erholte sich die Gemeinschaftswährung wieder etwas von ihren Vortagesverlusten.

Die gute Nachricht: Zumindest in Deutschland ist von einem Kaufkraftverlust des Euro nichts zu spüren. Statt der angestrebten zwei Prozent Inflation, die die EZB noch als Ziel für die Preisstabilität verfolgt, lag die Teuerungsrate im Juli bei nur 0,4 Prozent. Zudem hilft eine Verbilligung des Euro im außereuropäischen Ausland der Exportwirtschaft, da deutsche Waren dadurch für die Käufer günstiger werden. Die Schwäche des Euro ist daher vor allem der Stärke der US-Wirtschaft geschuldet. Die Entwicklung des US-Dollar gegenüber einem Korb mit zehn führenden Währungen, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg erhoben wird, befindet sich auf dem höchsten Stand seit sechs Monaten.

Noch Mitte 2012 war der Euro auf rund 1,20 US-Dollar gefallen. Fast zwei Jahre lang ist der Wechselkurs danach gegenüber dem Dollar gestiegen. Bis Mai dieses Jahres war er auf 1,38 Dollar geklettert. Zur Erinnerung: 2008 - zum Höhepunkt der aus den USA herüberziehenden Finanzkrise - war der Euro kurzzeitig sogar auf 1,59 Dollar geklettert. Seitdem schwankt der Euro-Wechselkurs in einem zunehmend enger werdenden Korridor, in den vergangenen zwölf Monaten überwiegend zwischen 1,30 Dollar und 1,38 Dollar. Einige Analysten rechnen nun damit, dass der Euro in den nächsten Wochen unter die Marke von 1,30 US-Dollar fallen könnte, in der Folge vielleicht sogar unter 1,28 Euro.

Aber auch das wäre noch nicht das Ende des Euro. Seinen bislang tiefsten Stand erreichte der Euro nämlich schon wenige Monate nach der Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002. Damals kostete ein Euro weniger als 0,90 Dollar. Seine bisherige Entwicklung spricht deutlich gegen eine weiche Währung. Die jüngste Talfahrt des Euro ist daher weniger eine Schwäche, sondern vielmehr mit der Stärke der US-Wirtschaft zu erklären.

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Sollte sich die Inflation wie von Draghi gewünscht mittelfristig erhöhen, würde der Euro aller Voraussicht nach weiter an Wert einbüßen. Kurzfristig aber bereitet eher eine drohende Deflationsspirale den Marktteilnehmern Kummer. Fallende Preise könnten eine Konsumzurückhaltung auslösen. Im Sog der Spirale könnten die Löhne früher oder später sinken und den Konsum weiter drücken. Der Euro geriete wie die Wirtschaft in der Euro-Zone in einen Abwärtsstrudel – und die Hedgefonds würden frohlocken.

Das befürchtet auch Mario Draghi. Pumpt die Europäische Zentralbank nun wie erwartet bis zu 1000 Milliarden Euro durch Wertpapierkäufe in den Finanzsektor, um die Kreditvergabe und damit Investitionen anzukurbeln, dürfte der Außenwert des Euro mit anziehender Inflation zunächst weiter Federn lassen. Die Wetten der Hedgefonds würden zunächst ebenfalls aufgehen.

Erst wenn die Konjunktur aufgrund der Geldspritzen deutlich anzieht und sich die Euro-Zone wieder dynamischer als die US-Wirtschaft zeigt, würde dieser Effekt sicher umgekehrt. Die Wetten der Hedgefonds sind daher keineswegs Selbstläufer, sondern vor allem eine Frage des Timings.

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