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Euromicron im TecDax "50 Prozent des Gewinns als Dividende"

Der Netzwerkdienstleister Euromicron ist in den TecDax aufgestiegen. Wie der Chef auf 500 Millionen Euro Umsatz kommen will, was das Wachstum für Aktionäre bedeutet.

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Willibald Späth, Vorstandschef von Euromicron Quelle: Pressebild

Herr Späth, Sie haben keine Produkte, die man kennt. Was ist Ihr Geschäftsmodell?

Späth: Unsere 1550 Mitarbeiter planen, installieren und warten die Infrastruktur von Kommunikations-, Sicherheits- und Datennetzen.

Das klingt langweilig. Wie verdient man damit Geld?

Alle neuen Mobilfunkanwendungen erfordern ein modernes Netz mit hohen Übertragungsraten. So bauen wir kontinuierlich die Infrastruktur von Mobilfunknetzen aus. Dazu gehören Funkstationen, aber auch Rechenzentren und Verteilerstationen.

Ist das der einzige Treiber für Ihr Wachstum?

Nein, ein weiterer ist das Cloud Computing, bei dem Nutzer ihre Daten auf externe Rechner auslagern. Auf der Seite der großen DataCenter-Hersteller bauen wir Rechenzentren und Serverzentralen aus, organisieren Handelsräume von Banken und Börsen und erneuern alte Kupferinfrastrukturen durch moderne Hochgeschwindigkeitsnetze. Auf diesen Gebieten liegt unser Kerngeschäft bei Aufträgen zwischen einer Million und acht Millionen Euro.

2011 haben Sie Ihre Prognose übertroffen und 305 Millionen Euro umgesetzt. Wie geht es weiter?

Wir gehen weiterhin von einer fünf- bis zehnprozentigen Steigerung aus organischem Wachstum aus. Inklusive der Unternehmen, die wir 2011 gekauft haben, rechnen wir 2012 mit 330 bis 345 Millionen Euro Umsatz. Ende 2015 haben wir das Ziel von 500 Millionen Euro Umsatz im Fokus.

Das geht nur durch eine Übernahme, oder?

Zunächst wollen wir den Umsatz 2013 organisch um weitere fünf bis zehn Prozent steigern, sodass wir Ende 2013 die 400 Millionen Grenze im Blick haben. Den nächsten Zukauf planen wir ab 2014, spätestens 2015. Wir schauen uns vier Unternehmen an, analysieren Geschäftsberichte, Kunden, Preise, wer es managt. Die Unternehmen machen je 50 bis 100 Millionen Euro Umsatz.

Wie gut ist denn Ihre Kriegskasse für eine weitere Übernahme gefüllt?

50 Millionen Euro – per sofort aus Kreditlinien, zusätzlich zum eigenen Cash-Flow.

2010 und 2011 haben Sie Wachstum per Kapitalerhöhung von Aktionären finanzieren lassen. Planen Sie das erneut?

Richtig, wir haben zuletzt Zukäufe auch über die Ausgabe von rund 1,5 Millionen Aktien finanziert. Bei den geplanten 500 Millionen Euro Umsatz halte ich zehn Millionen Stückaktien für eine ausgewogene Entwicklung. Das bedeutet, dass wir in den nächsten vier Jahren bis zu 3,3 Millionen Aktien ausgeben müssten. Mit einem Kurs von nachhaltig über 30 Euro im Markt zu stehen wäre ein anspruchsvolles Ziel.

"Bis zu 3,3 Millionen neue Aktien"

Kommunikations- und Datennetze sind das Geschäft von Euromicron Quelle: dpa

Wie wollen Sie vorgehen?

Für 2013 ist eine kleine Kapitalerhöhung mit Ausschluss des Bezugsrechts vorgesehen, um ausgewählten Investoren eine Chance zu geben. Im weiteren Verlauf ist nochmals eine größere Erhöhung mit etwa zwei Millionen Aktien vorgesehen, die parallel unser Wachstum unterstützen soll, um nachhaltig rund 45 Prozent Eigenkapital sicherzustellen.

Je mehr Aktien Sie ausgeben, desto mehr wird das Kapital Ihrer Altaktionäre verwässert. Keine Angst, dass dann der Kurs rutscht?

Späth: Wir haben einen strategischen Fokus: Die Marktkapitalisierung soll auch in nach unten schwankenden Börsen die Grenze von 100 Millionen Euro nicht mehr unterschreiten. Mit der letzten Kapitalerhöhung haben wir bewiesen, dass die Rücknahme des Kurses im Rahmen der Erhöhung schnell wieder aufgeholt werden kann.

Wie stark sind Sie beteiligt?

Ich halte 20.000 Aktien, habe bisher noch nie verkauft und beabsichtige dies auch nicht.

Was bedeutet Ihre Wachstumsstrategie für die Dividende?

Wir behalten unsere Dividendenpolitik bei und werden der Hauptversammlung 2012 vorschlagen, erneut rund 50 Prozent des Gewinns auszuschütten. Das wäre eine Dividende von 1,15 Euro je Aktie. Obwohl eine Reihe von Investoren uns häufig empfiehlt, das Geld für schnelles Wachstum einzusetzen, sind wir überzeugt, dass unsere rund 10.000 Aktionäre auf eine gute Verzinsung ihres Kapitals Wert legen.

Sie machen 87 Prozent vom Umsatz in Deutschland. Verschiebt sich das künftig?

Das ist nicht in großem Umfang zu erwarten, der deutsche Markt hat in den nächsten 10 bis 15 Jahren enormes Potenzial für unser Geschäft. Kommunikationsstrukturen haben extremen Modernisierungsbedarf, um die Anforderungen der Zukunft zu bewältigen.

Ihr Börsenwert liegt bei nur rund 150 Millionen Euro, was nicht mal dem halben derzeitigen Jahresumsatz entspricht. Werden Sie selber zum Übernahmeziel?

Ich hätte nichts gegen einen Anker-, wohl aber was gegen einen Private-Equity-Investor, der ein Unternehmen nur verschulden würde. Das hat das Unternehmen hinter sich gebracht, als es die 55 Millionen Euro Schulden in meinen ersten fünf Jahren aus dem operativen Geschäft tilgen musste, das brauchen wir nicht noch mal. Ich werde mich daher mit aller Kraft für eine ausgewogene Aktionärsstruktur einsetzen.

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