Europäische Banken Die Zombies melden sich zurück, der Dax erschrickt

Das Bankensystem der Eurozone ist überdimensioniert, unterkapitalisiert und de facto insolvent. Daran wurden Anleger in der vergangenen Woche wieder erinnert. Wegen der hohen Bedeutung von Bankaktien für die europäischen Börsen, tauchten die Aktienindizes ab.  

Bad Banks in Deutschland und Europa
Laut einem Bericht der französischen Zeitung
CommerzbankInterne Bad Bank: Portfolio Restructing UnitZum 30. September 2009 sammelte die Commerzbank 44 Milliarden Euro an Schrottpapieren in einer firmeninternen Bad Bank. 2012 schrumpfte das Portfolio der internen
Hypo Real Estate - FMS WertmanagementDie Bad Bank der verstaatlichten Münchener Immobilien Bank besaß bei ihrer Gründung zum 1. Oktober 2010 Schrottpapiere im Wert von 175,6 Milliarden Euro. Zum 30. Juni 2011 hat sie den Bestand auf 160,5 Milliarden Euro reduziert. 2012 konnte die Abwicklungsbank FMS einen Überschuss von 37 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Trend hatte sich bereits im ersten Halbjahr abgezeichnet. So hatte das Institut unterstützt von anziehenden Finanzmärkten von Januar bis Juni seinen Verlust auf 50 (Vorjahreszeitraum: 689) Millionen Euro reduziert. Auch in der zweiten Jahreshälfte hatte sich die Erholung an den Finanzmärkten weitgehend fortgesetzt. Dadurch hätten sich die Altlasten um 38 Milliarden Euro reduziert, sagte ein Insider. Quelle: dapd
HSH NordbankEine interne Bad Bank kümmerte sich um die Altlasten der Landesbank von Hamburg und Schleswig Holstein. Am 31. Dezember 2010 startete der Finanzfriedhof mit 69 Milliarden Euro. 2012 haben die Schifffahrtskrise und hohe Gebühren für Staatsgarantien der HSH Nordbank Verluste eingebrockt. Wegen der Lasten durch drohende Kreditausfälle in der internen Bad Bank und steigender Garantiekosten geht die Landesbank 2013 von einem weiteren Fehlbetrag aus. Erst 2014 ist ein Lichtstreif am Horizont in Sicht. Dann will das seit Jahren kriselnde Institut dank weiterer Fortschritte im Kerngeschäft „ein deutlich positives Konzernergebnis“ erwirtschaften. Im abgelaufenen Jahr musste die HSH, die nach wie vor in der Schiffsfinanzierung führend ist, erneut viel Geld für drohende Kreditausfälle zurücklegen. Hinzu kamen 473 Millionen Euro an künftigen Gebühren für Garantien, die bereits jetzt in der Bilanz verbucht wurden. Der Vorsteuerverlust verringerte sich dennoch leicht auf 185 (Vorjahresminus: 206) Millionen Euro, weil es im Kerngeschäft bereits besser lief. Quelle: dpa
WestLBDie vom übrigen Institut abgespaltene Bad Bank
BayernLBDie Bayern tauften ihre interne Bad Bank Projekt Herkules. Ein passender Name. Mit 67,2 Milliarden Euro Finanzschrott startete das Projekt am 1. Juli 2009. Zum Jahresende 2011 waren es nur noch 27 Milliarden Euro. Der Freistaat haftet mit einer Garantie von 4,8 Milliarden Euro für Verluste durch strukturierte Altkredite aus der Finanzkrise. Bislang reichte der Eigenanteil der Bank in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die Lasten der Vergangenheit aufzufangen. Davon ist jedoch bereits die Hälfte aufgebraucht. Die Landesbanker verwalten ihre 27 Milliarden Euro schwere Bad Bank intern in der eigenen Bilanz. Gut 40 Prozent davon entfallen auf sogenannte ABS-Papiere. Das sind gebündelte und verbriefte Kleinkredite, von denen keiner weiß, ob und in welchem Umfang die Schuldner sie zurückzahlen können. Quelle: dpa
Bank of Ireland - NAMADie irische Regierung gründete im September 2009 die erste Bad Bank in Europa - die National Asset Management Agency (NAMA) Sie übernahm faule Kredite im Wert von 47 Milliarden Euro. Irland erhielt eine Finanzspritze des IWF über 67,5 Milliarden Euro und Gelder aus dem EU-Rettungsschirm, um den Bankensektor zu stabilisieren. Übrig blieben nur zwei von fünf Banken - die Bank of Ireland und die Allied Irish Banks. Bis zum 31. März 2012 wurden Immobilienverkäufe im Wert von insgesamt acht Milliarden Euro genehmigt – 90 Prozent davon betrafen Objekte im Ausland. Eingenommen hatte die NAMA (Stand September 2011) bis dato allerdings nur 2,7 Milliarden Euro. Quelle: dapd

Die Liste der Banken im Euro-Raum, die vor dem Aus stehen und vom Steuerzahler gerettet werden müssen, droht immer länger zu werden. Rückblick: Im Oktober 2011 musste die französisch-belgische Großbank Dexia bereits zum zweiten Mal nach 2008 gerettet werden. Nur drei Monate zuvor hatte Dexia noch den Stresstest der European Banking Authority (EBA) als zwölftbestes unter 100 Instituten bestanden. Danièle Nouy, die neue Chefin der europäischen Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) war zuvor Aufseherin über die französischen Banken gewesen und somit auch in den Fall Dexia involviert. Gleiches gilt für EZB-Chefökonom Peter Praet, der vor seinem Wechsel nach Frankfurt bei der belgischen Zentralbank unter anderem für Aufsichtsfragen verantwortlich war. Übrigens soll Dexia ganz oder zum Teil vom neuen Stresstest der EZB ausgenommen werden. Die Bank käme den Regierungen in Paris und Brüssel wohl zu teuer. Dexia war der große Finanzier französischer Kommunen. Aber jede dritte französische Kommune sei pleite, sagt Jaques Attali, einst Wirtschaftsberater des früheren französischen Staatspräsidenten François Mitterrand. Bisher musste Dexia mit zwölf Milliarden Euro gestützt werden. Man wird vermutlich noch von Dexia hören.

Ein Jahr nach Dexia hob gleich das gesamte spanische Bankensystem die Hand. Ihm schlossen sich an in Italien die Banca Monte dei Paschi di Siena und in Holland SNS Reaal. Nicht vergessen werden in dieser Aufzählung natürlich die zyprischen und slowenischen Banken. Jetzt setzt sich der Reigen offenbar fort in Österreich und in Portugal.

Die Erste Group Bank, die größte Bank Österreichs, erhöhte ihre Rückstellungen für Wertberichtigungen auf ihr Kreditportfolio auf einen Schlag um 40 Prozent. Damit wird sich die Erste vermutlich einen Jahresverlust zwischen 1,4  und 1,6 Milliarden Euro einhandeln. Ausgelöst hatte den zusätzlichen Abschreibungsbedarf vor allem ein neues Bankengesetz in Ungarn. Dieses bürdet Banken bei Fremdwährungskrediten höhere Lasten auf. Hintergrund ist, dass viele Ungarn nach der Abwertung der heimischen Währung Forint ihre in tiefer verzinsten Fremdwährungen aufgenommenen Schulden nicht mehr bedienen können. Die Österreicher hatten dafür offenbar nicht ausreichend vorgesorgt. Das verwundert nicht. Schließlich wären Forderungen nach einer Kapitalerhöhung laut geworden. Das sollte wohl vermieden werden. Ironischerweise wurde die Erste jetzt von einer osteuropäischen Regierung zur Wertberichtigung ihrer Kredite gezwungen. Eigentlich wäre das die Aufgabe der Aufsichtsbehörden gewesen. Österreichs Banken haben in Zentral- und Osteuropa Fremdwährungskredite im Volumen von 74 Milliarden Euro ausgereicht. Das sind 43 Prozent aller ausstehenden Kredite. Den unrentablen österreichischen Banken drohen weitere Existenz bedrohende Abschreibungen.

Deutsche glauben nicht ans Ende der Eurokrise
Vier von fünf Bundesbürgern (81 Prozent) sind davon überzeugt, dass die Eurokrise noch nicht ausgestanden ist. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Insa im Auftrag der „Bild“-Zeitung. Dagegen glauben nur sieben Prozent der Befragten, die Krise sei beendet. Sorgenvoll verfolgen viele Bundesbürger die Entwicklung in Griechenland. Nur 34 Prozent sehen das Land auf dem richtigen Weg. Hingegen sind 39 Prozent davon überzeugt, dass Griechenland sich nicht ernsthaft um Reformen bemüht, die das Land wieder zukunftsfähig machen. „Für die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist die Eurokrise noch nicht vorbei. Diese Befürchtung wird auch Einfluss auf die Wahlen zum Europäischen Parlament haben“, sagte INSA-Chef Hermann Binkert der Zeitung. Quelle: dpa
Der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM hat Griechenland davor gewarnt, bei einer Rückkehr an den Finanzmarkt zu viel für frisches Kapital zu zahlen. Das hoch verschuldete Land musste als erstes unter den Rettungsschirm der Euro-Länder schlüpfen und entging nur so einem Staatsbankrott. ESM-Chef Klaus Regling sagte der Wochenzeitung
Italiens neue Regierung will sich für eine Abschwächung der EU-Haushaltsziele einsetzen. Das machten Ministerpräsident Matteo Renzi und Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan bei der Vorlage ihrer Sparpläne deutlich. Beide kündigten an, Italien werde seine im Juli beginnende EU-Präsidentschaft dazu nutzen, die Vorgaben auf den Prüfstand zu stellen.
Investors George Soros und Ex-Bundesbank-Chefvolkswirt Otmar Issing diskutierten an der Frankfurter Universität über die Rolle Deutschlands in der Euro-Krise. Vor der Bundestagswahl hatte Soros betont: Deutschland muss seine Verantwortung für die Eurozone akzeptieren oder aus dem Euro austreten. Die erste Variante bedeutet nach Soros' Lesart: Deutschland soll mehr Geld auf den Tisch legen. Inzwischen habe sich die Wahl jedoch erübrigt. „Jetzt ist die einzige Alternative für Deutschland seine dominante Position zu akzeptieren.“ Es müsse als „wohlwollender Hegemon nach Wegen suchen, die Schuldnerländer aus der Schusslinie zu bringen
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, Michael Hüther, sowie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher und der Leiter der europäischen wirtschaftswissenschaftlichen Denkfabrik Bruegel, Guntram B. Wolff, haben sich in der

In Portugal spitzt sich derweil die Krise zu um die Familienholding Espírito Santo International (ESI). Nach dem Kurskollaps der Anleihen geht es hier offenbar auf dem direkten Weg in die Insolvenz. Am vergangenen Dienstag konnte ESI eine Anleihe nicht bedienen. Unmittelbar betroffen ist die in Luxemburg ansässige und von ESI kontrollierte Espírito Santo Financial Group (ESFG). Diese wiederum kontrolliert 25 Prozent des Aktienkapitals der portugiesischen Großbank Banco Espírito Santo (BES). Bis vor Kurzem war BES gemessen an der Marktkapitalisierung noch die größte Bank Portugals. Innerhalb eines Monats hat sich der Marktwert halbiert auf aktuell unter drei Milliarden Euro.

Wiwo.de hatte bereits im Mai auf die Probleme bei ESI hingewiesen und dringend vor Investments abgeraten. Am Donnerstag wurden Aktien und Anleihen von ESFG vom Handel ausgesetzt. Die Ratingagentur Moody´s hatte die Bonität tags zuvor von B2 auf Caa2 in den extrem spekulativen Bereich abgestuft. Im Klartext heißt das Ramsch. Auch die Aktien der BES wurden nach einem Kurssturz von knapp 20 Prozent vom Handel ausgesetzt. In der Folge brachen auch italienische und spanische Bankwerte ein um bis zu fünf Prozent.

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