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Europäische Zentralbank Plötzlich ist ein Strafzins für Banken in Ordnung

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Risiken und Nebenwirkungen im Test

Der Instrumentenkasten der EZB

Der Bundesbank-Chef galt bislang als härtester Gegner der lockeren Geldpolitik von EZB-Präsident Mario Draghi. Sein Sinneswandel in Bezug auf einen Strafzins für Banken ist in diesem Zusammenhang erstaunlich. Denn andere expansive Maßnahmen wie den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB lehnt er weiterhin vehement ab.

Einige Ökonomen und Kritiker befürchten Nebenwirkungen, sollte der geplante Strafzins die beabsichtigte Wirkung verfehlen. Anstatt mehr Kredite an die Unternehmen auszureichen, könnten sie erst recht ins Stocken geraten. Ein Versuch Dänemarks, begonnen 2012, führte genau in diese Falle. Anstatt mehr Unternehmenskredite gab es weniger, weil die Banken anstelle der Sparzinsen auf Guthaben lieber ihre Zinsen für Kredite erhöhten. In Dänemark betrug der Strafzins zeitweise 0,25 Prozent. Offenbar hofft die EZB, mit einem deutlich niedrigeren Strafzins solch unerwünschte Folgen zu verhindern.

Die Einführung eines Strafzinses könnte aber auch auf etwas anderes abzielen.

Dann würde der Strafzins erreichen, was Weidmann eigentlich ablehnt. Er argumentiert, angesichts der gesunkenen Renditen auf Staatsanleihen der Peripherie-Staaten gebe es jetzt erst recht keinen Grund für die Notenbank, die Papiere zu kaufen. So käme es zu Anleihekäufen durch die Geschäftsbanken, also sozusagen durch die Hintertür.

Den Euro billiger machen

Ein anderer Effekt könnte auch die Schwächung des Euro sein - was durchaus erwünscht wäre. Die EZB beobachtet den Wechselkurs des Euro offenbar mit einiger Sorge. Schließlich ist ein teurer Euro schlecht für Exporte und Investitionen aus dem Ausland außerhalb der Euro-Zone. In Dänemark jedenfalls hatte der Strafzins mildernd auf den Wechselkurs der Dänischen Krone gewirkt.

Vielleicht beugt sich Weidmann auch schlicht der Einsicht, dass ein Strafzins nach einer relativen Beruhigung in der Schuldenkrisen nun einen Versuch wert ist. Denn laut EZB-Direktor Yves Mersch befürchtet die Zentralbank Kreditengpässe, falls die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone an Fahrt gewinnt. Dann seien die Geldhäuser gefordert, den Firmen genügend Darlehen zur Verfügung zu stellen.

"Banken sollen weiterhin ihre Tätigkeit in einer funktionierenden Marktwirtschaft ausüben. Und dazu gehört, dass sie auch Kredite vergeben", betonte Mersch. Zwingen kann man sie freilich nicht. Denn letztlich sind es nicht Strafzinsen, die die Banken fürchten, sondern die Risiken, die mit Unternehmenskrediten verbunden sind.

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