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EZB-Anleihekäufe Notenbanken kaufen auch Anleihen mit Negativrendite

Das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlässt Wirkung am Anleihemarkt, auch Bonds mit negativer Rendite werden offenbar gekauft. Dabei ist bisher nicht klar, wie die Verluste ausgeglichen werden.

EZB in Frankfurt Quelle: dpa

Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt erste Wirkungen. Der Euro rutscht gefährlich nahe an die Parität zum Dollar heran. Am Dienstag fiel die Gemeinschaftswährung auf 1,0733 Dollar und war damit so billig wie seit knapp zwölf Jahren nicht mehr. Bald könnte es einen Dollar für einen Euro geben. "Die Abwärtsbewegung dürfte nur schwer aufzuhalten sein", sagte Chris Turner, Stratege bei der ING.

Auch am Anleihemarkt ist deutlich sichtbar, dass Europas Notenbanken mit den Anleihekäufen begonnen haben. Für insgesamt 60 Milliarden Euro monatlich kaufen die nationalen Zentralbanken Anleihen. Schon am Dienstag lässt die steigende Nachfrage die Kurse der Bonds steigen, die Renditen sinken dagegen weiter. Die zehnjährigen Titel Italiens, Spaniens und Irlands markierten am Dienstag ein frisches Rekordtief. Sie warfen zeitweise nur noch 1,224, 1,173 und 0,799 Prozent ab. Auch die zehnjährigen Bundesanleihen fielen um zwei Basispunkte auf 0,288 Prozent.

Negative Renditen bei Staatsanleihen

Gekauft werden die nationalen Anleihen von den jeweiligen Notenbanken. Die Bundesbank kann also froh sein, dass die zehnjährigen Papiere überhaupt noch eine kleine Rendite abwerfen. Bundesanleihen mit kürzerer Laufzeit haben längst eine negative Rendite. Bei einjährigen Bunds liegt diese etwa bei -0,23 Prozent. Diese Papiere kann die Bundesbank daher im Rahmen der quantitativen Lockerung (QE) gar nicht kaufen. Denn EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag erklärte nach der auswärtigen Sitzung des Zentralbankrates auf Zypern, dass Anleihen mit negativer Rendite nur bis zum negativen Einlagezins von -0,2 Prozent gekauft werden dürften.

Riskantere Papiere

Für die Bundesbank ist das Kaufangebot daher eingeschränkt, erst 2019 fällige Anleihen liegen leicht unter dieser Renditegrenze. Die Frankfurter müssen also etwas riskantere, weil länger laufende Papiere kaufen. Andererseits mögen die Notenbanken anderer Euro-Staaten zwar höhere Renditen für ihre Käufe kassieren, müssen aber gleichzeitig automatisch ein höheres Risiko eingehen.

Allerdings ist weiterhin nicht geklärt, wer die möglichen Verluste durch den Kauf dieser negativ rentierenden Anleihen trägt. Das berichteten mehrere Medien. Zunächst war mit den nationalen Notenbanken vereinbart worden, deren Anteil an den Risiken zu beschränken. Wie genau die Regelung aussehen soll, ist aber offenbar nicht klar. Betroffen ist nicht nur die Bundesbank, auch kürzer laufende Anleihen von sechs anderen Euro-Mitgliedstaaten rentieren negativ, darunter Frankreich, Belgien, Finnland und die Niederlande.

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Wertpapiere mit negativer Rendite

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg von zwei EZB-Vertretern erfuhr, hatte die Zentralbank vor der Sitzung in der vergangenen Woche ein Papier zu den Auswirkungen des Kaufs von Wertpapieren mit negativer Rendite zusammengestellt. Dabei gibt es die Möglichkeit, zwischen Verlusten auf das Nominalkapital und Verlusten auf den Zinsertrag zu unterscheiden. Das würde es ermöglichen, letztere zu teilen.

Alternativ könnte entscheiden werden, beide Verlustarten gleich zu behandeln und bei den einzelnen Institutionen zu belassen. Ein Kompromiss könnte darin bestehen, eine Form von Schutz vor Verlusten zu schaffen.

Während zunächst davon ausgegangen wurde, die Zentralbank könnte den Kauf der Negativpapiere aufgrund der offenen Situation zunächst meiden, wurde am Dienstag bekannt, dass die Papiere dennoch Abnehmer finden. Laut Bloomberg seien unter anderem fünfjährige Bundesanleihen gekauft worden.

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