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EZB-Gründungsmitglied Issing fordert stärkere Kontrolle durch die Märkte

Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt glaubt an eine stabilere Eurozone unter der Kontrolle der Märkte. Müssen wir wieder mehr Vertrauen in die Märkte haben?

Otmar Issing war von 1998 bis 2006 EZB-Chefvolkswirt und ist mittlerweile International Advisor der US-Investmentbank Goldman Sachs. Außerdem ist er Präsident des Center for Financial Studies an der Uni Frankfurt. Quelle: dapd

Otmar Issing, der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), fordert mehr Kontrolle durch die Märkte. Eine stabile Währungsunion könne es nur geben, wenn die Märkte ihre Kontrollfunktion wieder wahrnehmen könnten, sagte Issing im Interview mit dem "Handelsblatt".

Im Moment sei dieser Mechanismus ausgeschaltet. Denn normalerweise müssten die Zinsen, die ein Land für seine Staatsanleihen zahlt, auch den wirtschaftlichen Zustand des Landes wiederspiegeln. Da die Euro-Zone aber kränkelnden Staaten der Eurozone gemeinschaftlich wieder auf die Beine hilft und alles dafür tut, kein Land Pleite gehen zu lassen, wird dieser Mechanismus allerdings unterlaufen.

Was den Deutschen Angst macht
Platz 19: Zerbrechen der PartnerschaftAuf dem letzten Platz des Rankings landet die Sorge vor einem Zerbrechen der Beziehung, und das trotz unvermindert hoher Scheidungsquoten in Deutschland. Mit 20 Prozent der Bundesbürger, die sich hiervor fürchten, hat diese Angst aber im Vergleich zu 2012 zugenommen: Im letzten Jahr waren es vier Prozentpunkte weniger. Etwas mehr Männer (21 Prozent) als Frauen (20 Prozent) haben Angst davor, den Partner zu verlieren. Quelle: dpa
Platz 18: StraftatenVor Gewalt und Unrecht fürchten sich 24 Prozent der Deutschen. Die Angst vor Straftaten hat im Vergleich zu 2012 um zwei Prozentpunkte zugenommen. Quelle: dpa
Platz 17: Vereinsamung im AlterDie Herausforderungen einer alternden Gesellschaft bereiten den Deutschen Kopfzerbrechen. Viele haben Angst davor, im Alter zu vereinsamen. 31 Prozent der Befragten äußerten diese Sorge - zwei Prozentpunkte mehr, als 2012. Männer gaben diese Angst mit 29 Prozent etwas seltener an als Frauen (33 Prozent). Quelle: dpa
Platz 16: Krieg mit deutscher BeteiligungDie Sorge vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung rutscht mit 32 Prozent in den untersten Bereich der Ängste-Skala. Gegenüber dem Vorjahr nahm diese Sorge aber um drei Prozentpunkte zu. Quelle: dpa
Platz 15: Drogensucht der eigenen Kinder35 Prozent der Deutschen fürchten sich davor, dass ihre Kinder drogenabhängig werden könnten. Diese Angst hat im Vorjahresvergleich mit einem Prozentpunkt leicht zugenommen. Frauen (37 Prozent) sorgen sich hier mehr als Männer (33 Prozent) um das Wohlergehen des Nachwuchses. Quelle: dpa
Platz 13/14: ArbeitslosigkeitDas Schreckensgespenst Arbeitslosigkeit hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Mit 36 Prozent der Deutschen ist die Furcht vor der eigenen Arbeitslosigkeit um vier Prozentpunkte gestiegen. Noch 2012 war diese Sorge gegenüber 2011 um vier Prozentpunkte zurückgegangen und damit auf den niedrigsten Wert der Studie gesunken – nur 1994 war die Sorge schon einmal so gering. Die Angst vor Arbeitslosigkeit in Deutschland allgemein landet auf dem 13. Platz und kommt auf 39 Prozent - unverändert gegenüber 2012. Quelle: dpa
Platz 12: Sinkender Lebensstandard im AlterZum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig - viele Deutsche haben Angst davor, später einmal finanziell unter Druck zu geraten. 40 Prozent der Bundesbürger - genauso viele wie im vorigen Jahr - fürchten sich vor einem sinkenden Lebensstandard im Alter. Quelle: dpa

Deswegen zahle etwa ein Land wie Frankreich niedrige Zinsen auf seine Staatsanleihen, obwohl die Politik die dringend notwendigen Reformen nicht angeht, so Issing. Einerseits fehle auf diese Weise der Druck auf die Politik, das Land endlich zu reformieren, andererseits werden Anlegern so falsche Tatsachen vorgegaukelt.

Issing erinnert deshalb an das Prinzip souveräner, selbständiger Staaten. "Wer auf Selbstständigkeit besteht, muss selbst für die Folgen des eigenen Handelns haften. Das ist entscheidend", sagte Issing dem Handelsblatt. Dagegen sei die Haltung, die Eurozone um jeden Preis in ihrer jetzigen Form zu erhalten, ökonomisch unsinnig. "Es gibt nichts auf der Welt, was man um jeden Preis aufrechterhalten soll", so Issing. Hätten die Märkte entschieden, wäre Griechenland demnach nicht mehr in der Eurozone dabei.

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